Hessen

Bahnhöfe in Hessen wie in der Nachkriegszeit

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Manche Stationen harren der Modernisierung. Die DB und der RMV haben Großes vor.

Es gibt Bahnhöfe, die sind richtig schick: Der Rüsselsheimer ist dafür ein Beispiel. Oder der von Oberursel, der damals für den Hessentag saniert wurde. An anderen fühlt sich der Fahrgast wie in der Nachkriegszeit. Frankfurt-Eschersheim ist alles andere als attraktiv oder die Station Nieder-Wöllstadt an der S6. Gefühlt alle halben Jahre kommt dort mal Reinigungspersonal vorbei. „Warum habt ihr so einen alten Bahnhof?“, fragt der Enkel den Großvater.

Die Deutsche Bahn (DB) kommt mit der Modernisierung ihrer Stationen nicht hinterher. Es fehlt an Aufzügen, mancherorts sogar an Möglichkeiten, sich bei Wind und Wetter unterzustellen – etwa in Hanau-Steinheim. Geschweige denn, dass es Toiletten gibt. Was so manche Senioren oder Eltern mit Kindern davon abhält, die S-Bahn zu nutzen.

Die DB steht mit dem Problem nicht alleine da. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) und das Land Hessen haben großes Interesse, dass die Kunden sich beim Warten wohlfühlen. Die gemeinsame Modernisierungs-Rahmenvereinbarung ist zum Jahresende ausgelaufen, ihr soll eine neue folgen. „Der RMV definiert dabei die Anforderungen aus Fahrgastsicht sowie Anforderungen an die Infrastruktur, wie zum Beispiel notwendige Bahnsteiglängen“, sagt RMV-Sprecherin Vanessa Rehermann. Eine Rolle spielten unter anderem die Barrierefreiheit, also die Zugänglichkeit für alle Fahrgäste, die Bahnsteighöhen sowie die zeitliche Umsetzung.

Nach Vorstellung des RMV sollen sich Bahnhöfe zu „Mobilitätsstandorten“ entwickeln. Wo die Kundin und der Kunde verschiedene Verkehrsmittel miteinander kombinieren können. Per Auto oder Fahrrad zum Bahnhof fahren, dort den Zug nehmen und an der Zielhaltestelle die letzten Kilometer mit Bus, Leihfahrrad oder E-Tretroller bewältigen. So stellt sich der Verbund die Zukunft vor. Bedingung seien barrierefreie Bushaltestellen, zentrale Omnibus-Bahnhöfe, attraktive Bike-und-ride-Anlagen sowie ausreichend dimensionierte Park-und-ride-Anlagen. „Hier sind die Kommunen die Verantwortlichen, die sich vom RMV bei Planungsfragen oder bei der Finanzierung der Planungsleistungen unterstützen lassen können“, sagt Rehermann.

Darüber hinaus gibt es Programme vom Bund beziehungsweise der DB. Rund 650 große und kleine Bahnhöfe seien im vergangenen Jahr deutschlandweit modernisiert worden, informiert ein DB-Sprecher. 1,3 Milliarden Euro hätten die DB, Bund und Länder investiert. In Hessen würden die Prioritäten bei der Bahnhofsentwicklung mit dem Land, dem RMV und NVV gesetzt. „In den vergangenen Jahren haben wir jährlich 50 bis 70 Millionen Euro in die Sanierung hessischer Bahnhöfe investiert.“ Abstimmungs- und Planungsprozesse seien sehr zeitintensiv, ergänzt der Sprecher. Zusätzlich teste die DB an den sogenannten Zukunftsbahnhöfen bis Ende 2020 neue Konzepte.

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