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Pünktlich, sauber, gut informiert, auch nachts im Hauptbahnhof: Das alles verspricht die Bahn.

Bahnverkehr

Rhein-Main-Gebiet: Bahn will Qualität verbessern

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„Intensivprogramm“ zielt auf Pünktlichkeit, bessere Information und mehr Züge.

Versprochen ist eine Pünktlichkeit bei den S-Bahnen von 96 Prozent. Wann die Deutsche Bahn (DB) sie liefert, steht in den Sternen. Er möchte sich nicht festlegen, sagt Jörg Sandvoß, Vorsitzender der DB Regio: „Das wird noch dauern.“ Bis dahin bekommt die DB weniger Geld vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), sagt Geschäftsführer Knut Ringat. Es gibt also gute Gründe für das Schienenunternehmen, besser zu werden. Dass dies notwendig ist, weiß jeder, der im Rhein-Main-Gebiet mit dem Zug unterwegs ist.

Nicht nur die Geduld der Fahrgäste ist stark strapaziert. Auch die der RMV-Geschäftsführung. Im August hat sie deshalb einen Brief an Bahnchef Rüdiger Grube geschrieben; es folgten viele Gespräche, sagt Ringat. Ergebnis ist das „Intensivprogramm Schiene für das Rhein-Main-Gebiet“, das RMV, DB und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Donnerstag in Frankfurt präsentierten. Es beinhaltet große und kleine Projekte, die das Ziel „pünktlich, sicher, sauber, zuverlässig, gut informiert“ näherrücken lassen sollen. Viele sind bekannt, einige sogar schon fertig oder in Arbeit. Etwa die Modernisierung des Regionalbahnhofs am Flughafen oder die Überarbeitung der Software der neuen Twindexx-Fahrzeuge, die mittlerweile störungsfrei auf der Riedbahn verkehren.

Frankfurter Hauptbahnhof bekommt acht Selbstbedienungsterminals

Alle kleinen Stationen sind inzwischen mit einem „dynamischen Schriftanzeiger“ ausgestattet, der zum Teil über mehr als die nächste Verbindung informiert. Um Warteschlangen zu verkürzen, bekommt der Frankfurter Hauptbahnhof zwei weitere Schalter sowie acht Selbstbedienungsterminals. Sechs Millionen Euro gibt der Konzern zusätzlich für die Reinigung der Stationen in Hessen aus.

Die Liste geht weiter: Im Mai soll der erste zur S-Bahn umgebaute ET 425 auf die Schiene gehen. Insgesamt sind bis Ende nächsten Jahres 14 dieser einstigen Regionalbahnen verfügbar. Mit ihnen will die DB das Angebot auf dem Flughafenshuttle und der S-Bahn-Linie 7 vergrößern. Im ersten Halbjahr 2020 steht die bessere Information der Reisenden an: Ob Anzeige am Bahnsteig, im Zug oder auf dem Smartphone: Alle Kanäle werden aus einer Quelle bedient. Und die, verspricht die Bahn, ist dann auch zuverlässig.

Neu sei, dass alle an einem Strang ziehen, sagt Ringat: „Wir verfolgen den gemeinsamen Ansatz, die Qualität deutlich zu verbessern und fit für die Zukunft zu machen.“ Er vermeldet erste Erfolge: Die Pünktlichkeit der S-Bahnen sei dieses Jahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozent gestiegen: „Das ist ein Riesensprung.“ Für einen weiteren Schritt sollen Verbesserungen in der Infrastruktur sorgen: Sechs Millionen Euro investiert der Konzern kurzfristig in Stellwerke, Weichen, Signale, Bahnübergänge und Brücken. Weitere zehn Millionen in den sogenannten Plan-Korridor, der einen flexibleren Umgang mit Unregelmäßigkeiten ermöglicht. Auch das ist neu.

Sandvoß bittet um Geduld. Jahrelang sei nicht ins Rhein-Main-Gebiet investiert worden. „Wir befinden uns im Aufholprozess.“ Zur Hauptverkehrszeit könne der Bedarf nicht mehr befriedigt werden: „Wir fahren im Moment fast alles, was möglich ist, mit Langzügen.“ Minister Al-Wazir hebt ebenfalls auf die Engpässe ab. Beseitigt werden könnten sie einzig durch die Neubauprojekte, die nun zügig umgesetzt werden müssten. Dazu gehöre auch die Studie zum Fernbahnhof, die das Ministerium „sehr wohlwollend und positiv begleitet“. Die Verkehrswende sei überfällig. „Ohne einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr ist sie nicht erreichbar.“

Zur Info: Pünktlichkeit

Die Pünktlichkeit aller S-Bahnen lag in diesem Jahr (Stand 7. April) bei 93,25 Prozent. Unpünktlich ist ein Zug ab sechs Minuten. Die einzelnen Linien: 

S1: 94,30 Prozent

S2: 92,07 Prozent

S3: 95,13 Prozent

S4: 96,81 Prozent

S5: 97,03 Prozent

S6: 95,40 Prozent

S7: 92,92 Prozent

S8: 87,55 Prozent

S9: 90,50 Prozent

Alle S-Bahnen: 93,25 Prozent

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