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Bahn verlässt Schulungszentrum?

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Jahrzehntelang wurden im Seminarhotel in der Herderstraße Bahnmitarbeiter geschult. Jetzt wurde das Gebäude ausgeräumt. ahi
Jahrzehntelang wurden im Seminarhotel in der Herderstraße Bahnmitarbeiter geschult. Jetzt wurde das Gebäude ausgeräumt. ahi © ahi

Mietvertrag läuft Ende des Jahres aus

BAD HOMBURG - Eisenbahnfachleute aus China haben hier schon gewohnt und Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Das DB-Schulungszentrum in der Herderstraße am Waldrand wird derzeit ausgeräumt. Nach 46 Jahren hat die Deutsche Bahn (DB) ihr Seminarhotel Ende Oktober dicht gemacht. Die Herberge am Hardtwald galt als Premium-Haus für die Führungskräfte. In guten Zeiten wurden hier um die 20 000 Gäste pro Jahr beherbergt.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Die DB begründet den Schritt offiziell nicht mit Schwierigkeiten aufgrund der Pandemie. „Nach coronabedingtem Einbruch von Seminaren in Präsenz schließt die aktuell ansteigende Entwicklung fast wieder an die Zeit vor März 2020 an“, erläutert eine DB-Sprecherin. Da Firmen aber nach wie vor stark auf Zoom-Meetings setzen, dürfte der Markt für Schulungen in Präsenz eingebrochen sein. „Da der Betrieb von Hotels nicht zum Kerngeschäft der DB gehört, haben wir uns entschlossen, den Mietvertrag für das Seminarhotel nicht weiter zu verlängern“, so die DB-Begründung. Der Vertrag läuft Ende 2022 aus.

Mini-Apartments oder Leerstand?

„Bis Jahresende räumt die DB das Gebäude und übergibt es an den Eigentümer“, ergänzt die Sprecherin. In der Tat sieht man in diesen Tagen Transporter und Schutt-Container auf dem ansonsten leeren Gäste-Parkplatz hinterm Haus; im verlassenen Foyer steht noch eine zurückgelassene Palme neben Lastkarren und Kartons. Verschwunden sind die schwarzen Lederfauteuils im Kaminzimmer, wo die Gäste den Tag noch bei einem Getränk Revue passieren lassen konnten.

Was der Eigentümer mit dem Gebäude vorhabe, wisse man nicht, so die DB-Sprecherin. Dabei handelt es sich um ein Asset-Unternehmen aus Frankfurt, das Wohn- und Gewerbeimmobilien-Portfolios kauft und managt.

Die Firma kann sich unterschiedliche Szenarien vorstellen - vom Umbau zu kleinen Apartments über Pflegewohnungen für alte Menschen bis hin zur Flüchtlingsunterkunft sei vieles möglich. Was die Beherbergung von Geflüchteten betrifft, ist die Firma auf die Stadt zugegangen; im Rathaus wünscht man sich allerdings nicht, dass das Gebäude dafür genutzt wird. „Es ist in seiner Größe und Ausstattung, auch in Relation zu den Kosten, nicht besonders geeignet“, so Rathaus-Sprecher Thomas Steinforth. „Hinzu kommen mögliche Einwände der Bauaufsicht für diese Nutzung.“ Es gibt noch eine vierte Möglichkeit: Das Gebäude könnte erst einmal leerstehen. Immobilien wie das in die Jahre gekommene Haus sind am Markt im Moment nicht gerade der Renner. Von Unternehmen hört man immer öfter, sie wollten zentral gelegene Neubauten.

So könnte das 1976 erbaute und 1996 renovierte DB-Seminarhotel mit seinen 127 Zimmern der Kurstadt möglicherweise einen weiteren „Lost Place“ bescheren - einen verlassenen Ort, der noch den Geist der Vergangenheit zu atmen scheint, wie etwa das Sanatorium Dr. Goldschmidt am Weinbergsweg.

Die DB hatte immer mal versucht, das Gebäude gewinnbringender zu machen. Ende der 1990er Jahre wollte sie einen Großteil der Zimmer an Messebesucher vermieten - es also zu einem Hotel erweitern -, und auch ein öffentliches Restaurant war mal angedacht. Beides wurde aber seinerzeit vom damaligen Kurdirektor mit Blick auf das sensible Kurgebiet abgelehnt. Der jetzige Kurdirektor indes verweist, was die Zukunft des Gebäudes angeht, an die Stadt.

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