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Wilde Bahnböschungen sind ein Dorado für Insekten. Herbizide machen ihnen den Garaus.

Umweltschutz

Bahn soll auf Glyphosat verzichten

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Die Grünen und Umweltschützer sehen Hessen als Modellregion, doch der Konzern will sich nicht auf ein Ausstiegsdatum festlegen.

Die Grünen im Landtag bekommen Unterstützung: Am Freitag hat auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) der Deutschen Bahn (DB) vorgeschlagen, Hessens als Modellregion für den Glyphosatausstieg im Bahnbetrieb auszurufen. „Mit seinen vielfältig strukturierten Landschaften eignet sich Hessen ideal, um alternative Methoden der Wildkrautbekämpfung großflächig zu erproben“, sagte Landesvorsitzender Gerhard Eppler. Gleisanlagen böten wärmeliebenden Tieren und Pflanzen einen Lebensraum, etwa Zauneidechse, Mauereidechse oder Schlingnatter. Blühende Randstreifen würden von Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten genutzt.

Das sieht auch Martina Feldmayer so. Die Grünen-Politikerin hatte einen Brief an Klaus Vornhusen geschickt, den Konzernbevollmächtigten der DB für Hessen. Und jetzt eine Antwort erhalten, die „leider sehr unbefriedigend“ sei, so die Sprecherin für Umwelt und Klimaschutz der Grünen. Ein Unternehmen, das sich den Klimaschutz auf die Fahnen schreibe, könne zumindest einen konkreten Ausstiegsplan aus der Anwendung von Glyphosat vorlegen. Ihr Vorschlag an die Verantwortlichen der DB: „In Hessen als Modellland könnten sie ihre alternativen Verfahren erproben.“

Die heutige Bayer-Tochter Monsanto brachte den Wirkstoff Glyphosat als Unkrautvernichter auf den Markt.

Eine Unterbehörde der Weltgesundheitsorganisation stufte ihn als „wahrscheinlich krebserregend“ ein, andere Behörden und Studien halten ihn bei sachgemäßer Handhabung für sicher.

Bis Ende 2022 ist er nach der EU-Pflanzenschutzverordnung erlaubt. jur

Stattdessen bleibt Vornhusen vage. „Mit Hochdruck arbeiten wir daran, Alternativen zum Einsatz von Glyphosat zu entwickeln und schnellstmöglich zur Anwendung zu bringen“, heißt es in der Antwort des Bahnmanagers, der der FR vorliegt. Darin zählt er drei „mögliche Alternativen“ auf: heißes Wasser, elektrischer Strom und das Verbrennen mittels „energiereichem UV-Licht“. Letzteres werde noch nicht getestet.

Während das Schienenunternehmen experimentiert, sind Hessens Kommunen schon weiter. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, wird der umstrittene Unkrautvernichter weder in Frankfurt, noch in Wiesbaden, Kassel, Darmstadt oder in Fulda eingesetzt, teilweise schon seit Jahren.

Frankfurt, zum Beispiel, setzt bei der Straßenreinigung auf Handarbeit und verzichtet schon seit Anfang der 90er Jahre auf den Einsatz von Herbiziden in Parks und Grünflächen. Die städtische Kleingartenverordnung untersagt den Einsatz chemischer Pflanzenvernichtungsmittel. Und an Schottergleisen wurde Glyphosat letztmalig vor zwei Jahren eingesetzt. Für landwirtschaftlich genutzte Pachtflächen gibt es allerdings kein Verbot. Bis 2022 dürfe das Herbizid eingesetzt werden, sagt der Sprecher des hessischen Bauernverbands, Bernd Weber.

Und wie verhält es sich mit den Liegenschaften des Landes? Der Unkrautvernichter ist laut Umweltministerium tabu. Bei neuen Pächtern werde der Verzicht Bestandteil der Verträge. Zu diesem Vorgehen rät auch der Städte- und Gemeindebund seinen Mitgliedern.

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