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Trainerin und Hund bei einer Vorführung an der S-Bahnlinie 6.
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Trainerin und Hund bei einer Vorführung an der S-Bahnlinie 6.

Verkehr

Bahn in Frankfurt: Schnuppern für den Artenschutz

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Die Deutsche Bahn will künftig Hunde einsetzen, um vor Bauprojekten seltene Tiere aufzuspüren. Am Dienstag wurde das neue Einsatzkommando vorgestellt.

Den Reisenden in der S6 bietet sich am Dienstagnachmittag zwischen Berkersheim und Frankfurter Berg ein ungewöhnlicher Anblick: Direkt neben den Gleisen sind zwei Pavillons und ein Rednerpult aufgebaut, etliche Kamera- und Fototeams haben sich positioniert, sechs Hunde wuseln ihren Frauchen und Herrchen zwischen den Beinen herum. Die Deutsche Bahn hat eingeladen, um ein tierisches Projekt vorzustellen. Um künftig bei Bauvorhaben dem Artenschutz schneller gerecht zu werden, kommen Hunde zum Einsatz. „Schnüffeln statt sehen“ laute nun das Motto, wie Jens Bergmann, bei der DB Netz Vorstand für Infrastrukturprojekte, gleich mehrfach betont.

Bis 2030 will die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben 170 Milliarden Euro in Streckennetz und Bahnhöfe investieren. Vor Beginn großer Bauvorhaben muss in den Gebieten aus Naturschutzgründen eine Artenkartierung erfolgen. Bislang sei das eher mühsam gewesen. Um zu erfassen, ob es in einem Baugebiet Gelbbauchunken, Zauneidechsen oder Fledermäuse gibt, war das menschliche Auge gefragt.

Doch die aufzuspürenden Tiere selbst machen sich je nach Witterung oder Jahreszeit rar; es sind viele Termine notwendig. „So eine Artenkartierung dauerte bislang ein Jahr, manchmal auch länger“, verdeutlicht Bergmann. Hunde hingegen erschnuppern auch Kot, Hautpartikel oder Eierschalen der artgeschützten Tiere und beschleunigen den Nachweis somit enorm.

Der Zoll am Flughafen setzt schon seit vielen Jahren Hunde ein, um geschützte Arten im Reisegepäck zu erschnuppern. Reptilien, Elfenbein oder Schildpatt zwischen Kleidungsstücken zu erschnüffeln, ist für trainierte Vierbeiner kein Problem.

In der freien Natur ist es nicht ganz so einfach. Erst seit einigen Jahren werden Hunde auch darauf trainiert, bestimmten Tierarten auf Feldern und Wiesen anzuzeigen. Im April hat die Deutsche Bahn angefangen, sechs Hunde für den Artenschutz auszubilden. Dafür hat das Unternehmen in Stellenanzeigen nach Hundetrainerinnen und -trainern gesucht, die sich ein Engagement bei der Deutschen Bahn vorstellen können.

Eine von ihnen ist Kathleen Spittel-Schnell. Die gebürtige Thüringerin war bis vor kurzem freiberufliche Hundetrainerin und ist nun Angestellte der Deutschen Bahn. Ins Personalwesen des Konzerns mit eingebracht hat sie ihre beiden Labrador-Retriever: Den sieben Jahre alten Eskil und die zwei Jahre alte Fenna. Während sich Eskil das Treiben an der S-Bahn-Linie in altersgerechter Gelassenheit anschaut, ist Fenna ziemlich hibbelig und will erst mal eine Journalistin abschlabbern.

Spürnasen

Hunde kommen auch in vielen anderen Bereichen wegen ihres guten Geruchssinns und ihrer Trainierbarkeit zum Einsatz.

Die hessische Polizei etwa beschäftigt derzeit 60 Rauschgiftspürhunde, 50 Banknotenspürhunde, 38 Sprengstoffspürhunde und zwei Leichenspürhunde.

Laut Innenministerium wird noch in diesem Jahr mit der Ausbildung von Datenträgerspürhunden begonnen. Bereits Anfang kommenden Jahres sollen dann Hunde zum Einsatz kommen, wenn es etwa darum geht, bei Hausdurchsuchungen versteckte Datenträger wie Festplatten oder USB-Sticks aufzuspüren. ote

Frauchen Spittel-Schnell ist vor den gleich anstehenden Aufgaben nicht allzu streng mit Fenna: „Die Hunde werden für die Suche emotional belohnt.“ Ohnehin sei es wichtig, dass die Hunde einen gewissen Spieltrieb haben und für Belohnungen empfänglich sind. „Sonst hat man keine große Chance, dem Hund zu erklären, warum es jetzt so toll ist, eine Zauneidechse zu suchen“, verdeutlicht die Trainerin.

Kurz darauf dürfen die Hunde an zwei aufgebauten Stationen ihr Können demonstrieren. Auf einem abgesteckten Stück Schotter an der Ausbaustrecke der S-Bahn sind winzige Geruchsstoffe ausgelegt worden, die Fenna nun zu suchen beginnt. Die Gummipartikel sind nicht größer als ein Streichholzkopf, aber Fenna hat keine große Mühe, sie aufzuspüren. Dafür erhält die Labrador-Hündin jeweils eine kleine Belohnung.

Während bei dieser Übung kein artenspezifischer Geruch verwendet wird, kommen bei der sogenannten Scentbox auch tierische Duftstoffe zum Einsatz. Die Scentbox hat sieben Löcher, in denen sich digital wechselnde Duftstoffe verbergen können. Die einjährige Finya, eine Mischung aus Cocker und Springer Spaniel, versucht sich mit großem Erfolg daran, die Haut einer Schlingnatter anzuzeigen. Jedes Mal fällt für Finya ein Leckerli aus einem Schlitz unten aus der Box heraus wie bei einem Zigarettenautomaten. Als das Leckerli einmal trotz Erfolg ausbleibt, gibt es sofort einen fragenden Blick in Richtung Herrchen.

Die sechsmaulige Hundestaffel der Deutschen Bahn hat unterschiedliche Spezialitäten. Finya etwa wird auf Schlingnatter, Gelbbauchunke und Fledermäuse trainiert, Fenna kann Mauer- und Zauneidechsen gut erschnüffeln. Als besonders begabt erweist sich die dreijährige Golden-Retriever-Hündin Whisper. Sie soll später einmal künftige Bahngebiete auf Mauer- und Zauneidechsen, Schlingnatter, Gelbbauchunke und verschiedene Fledermäuse abschnuppern.

Noch sind die sechs Hunde in der Ausbildung. Trainiert wird meistens in Bayern. Die Deutsche Bahn betreibt die Ausbildung seiner vierbeinigen Projektmitarbeiter mit großem Aufwand.

In einer Klimakammer werden verschiedene Witterungsbedingungen simuliert; die Universität Innsbruck, die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung begleiten das Projekt wissenschaftlich. Im November soll dann eine Prüfung erfolgen.

„Das Training geht aber danach weiter“, sagt Spittel-Schnell. Schließlich sind die Aufgaben sehr komplex. Ab nächstem Jahr soll das Hunde-Sextett dann Baugelände der Deutschen Bahn absuchen. Maximal zwei Monate soll das jeweils dauern, also mindestens sechsmal so schnell gehen wie bislang mit dem menschlichen Auge. „Manchmal fragt man sich, warum man nicht eher auf eine Idee kommt“, bekennt DB-Vorstand Bergmann.

Genug zu tun dürfte es geben für die Artenschutz-Spürhunde. Seit dem Jahre 2010 hat die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben nun schon mehr als 38 000 Natur- und Artenschutzmaßnahmen geplant oder umgesetzt, bei 12 000 Maßnahmen erhielten geschützte Tierarten einen neuen Lebensraum. Die Ausbildung soll bis zum Jahresende beendet sein.

Finya erschnüffelt mit Leichtigkeit den geruch von Schlingnattern.
Großer bahnhof fürdie Vorführung mit den Hunden.
Die Golden-Retriever-Hündin Whisper ist die vielseitigste Mitarbeiterin der neuen Hundestaffel.
Whisper erschnüffelt Echsen, Unken, Schlingnattern und Fledermäuse.

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