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Die Luise-Büchner-Büste von Bärbel Dieckmann.

Darmstadt

Auf den Spuren ungewöhnlicher Frauen

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Die Luise-Büchner-Gesellschaft verleiht den Publizistikpreis an die Historikerin Barbara Beuys.

"Feder und Wort sind Euch gegeben, so gut wie dem Manne!“ Der Satz stammt von der heute vor 140 Jahren verstorbenen Luise Büchner, die als Pionierin der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts gilt und die ihr ganzes Leben für bessere Mädchenschulen und die Berufsausbildung von Frauen kämpfte.

Lange wurde sie vor allem als Schwester ihres berühmten Bruders, des Dichters, Naturwissenschaftlers und Revolutionärs Georg Büchner, wahrgenommen.

2010 wurde in ihrer Geburtsstadt Darmstadt die Luise Büchner-Gesellschaft mit dem Ziel gegründet, das Werk der Schriftstellerin und Frauenpolitikerin sowie anderer Wegbereiterinnen der Frauenbewegung lebendig zu halten. Zu diesem Zweck organisiert die Gesellschaft unter der Leitung ihrer Vorsitzenden Agnes Schmidt regelmäßig Lesungen, Vorträge, Ausstellungen, Symposien sowie Studienfahrten.

Verein will Forschungen fördern

Auf Initiative von Schmidt und Edda Fees, der Frauenbeauftragten der Stadt Darmstadt, ist unter dem „Matronat“ von Frauendezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) vor knapp einem halben Jahr am Aufgang vom Justus-Liebig-Haus zur Pädagogstraße an der Döngesborngasse ein Denkmal zu Ehren von Luise Büchner errichtet worden. Mit der von der Künstlerin Bärbel Dieckmann geschaffenen Büste, deren Entstehung durch großzügige Spenden möglich wurde, „soll die Erinnerung an Darmstadts verdienstvolle Bürgerin auch im Stadtbild sichtbar werden“, sagt die Vereinsvorsitzende Schmidt.

Zudem will der Verein auch wissenschaftliche Forschungen zur Literatur- und zur Kulturgeschichte, insbesondere der von Frauen, fördern. Unterstützt wird vom Verein zudem die Luise-Büchner-Bibliothek des Deutschen Frauenrings, die sich im zweiten Obergeschoss des Literaturhauses in der Kasinostraße 3 befindet.

Seit dem Jahr 2012 vergibt die Luise-Büchner-Gesellschaft zudem den Luise-Büchner-Preis für Publizistik an Autorinnen und Autoren, die – gemäß der einleitend zitierten Intention der Schriftstellerin – „in Artikeln und/oder Büchern die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in der Gegenwart aufdecken und Wege zu einer geschlechtergerechten Gesellschaft aufzeigen“. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert.

Zudem wird der Preisträgerin oder dem Preisträger die Möglichkeit eröffnet, sich mit der Gestaltung einer Zeitungsseite im „Darmstädter Echo“ unabhängig von einem redaktionellen Auftrag der Öffentlichkeit vorzustellen. Über die Vergabe des Preises, der jedes Jahr um den Todestag von Luise Büchner am 28. November herum vergeben wird, entscheidet eine Jury, die der Vorstand der Luise Büchner-Gesellschaft beruft.

Noch heute Grundlagenwerk der Familiensoziologie

Erste Preisträgerin war vor fünf Jahren  FR-Chefredakteurin Bascha Mika. Es folgten die Journalistinnen Julia Voss und Lisa Ortgies, die Publizistin Barbara Sichtermann und die Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch.

Am Sonntag wurde nun im Literaturhaus die promovierte Historikerin und Autorin Barbara Beuys ausgezeichnet. Sie setzt sich seit vielen Jahren mit den ungewöhnlichen Lebenswegen von Frauen auseinander.

Die in Köln geborene Autorin begann ihre journalistische Tätigkeit beim „Kölner Stadtanzeiger“. Sie war von 1971 an mehrere Jahre Redakteurin beim Magazin „Stern“.

Ihre umfangreiche Studie über die Geschichte der Familie in Deutschland erschien 1980. Das Buch gilt noch heute als Grundlagenwerk der Familiensoziologie. Nach weiteren Büchern etwa über den Widerstand im Nationalsozialismus und die Geschichte der Juden in Europa hat Beuys Biografien über außergewöhnliche Frauen wie Hildegard von Bingen, Annette von Droste-Hülshoff, Sophie Scholl, Paula Modersohn-Becker oder Maria Sibylla Merian veröffentlicht.

„Mit ihren fundierten historischen Arbeiten in journalistisch lebendiger Darstellung leistet Barbara Beuys einen wichtigen Beitrag zur Frauengeschichtsschreibung“, heißt es in der Begründung der Preisjury. Damit stehe sie in der Tradition Luise Büchners, für die Schreiben und Reden über Geschichte ein wichtiger Teil ihrer publizistischen Arbeit gewesen sei. Dies, so die Jury in ihrer Begründung weiter, diene „weiblicher Selbstvergewisserung ebenso wie dem Wissen darüber, dass Frauen einen unersetzlichen Anteil daran haben, Türen zum besseren Verständnis der Welt zu öffnen“.

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