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Preisanstieg

Bäcker verlangen mehr

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Frische Brötchen sind in Hessen teurer geworden. Das hängt auch mit Ernteausfällen durch den trockenen Sommer zusammen.

Der Nougatplunder kostet zehn Cent mehr, ein Weizenbrötchen ist fünf Cent teurer. Seit dem Ende des vergangenen Jahres zahlen Kunden beim Bäcker drauf. Hessenweit ermittelte das Statistische Landesamt im Dezember bei Brot und Getreideerzeugnissen einen Preisanstieg von drei Prozent im Vergleich zum Jahr davor. 

Einzelne Bäckereien in der Rhein-Main-Region haben die Beträge 2018 zwei Mal angehoben, weil Backzutaten wie Eier, Butter und Mehl teurer geworden sind. „Wir haben die Preise für Brot und Stückchen zum Jahresende angepasst“, sagt Andreas Schmitt, Geschäftsführer bei Cafe Ernst in Neu-Isenburg. Für Brötchen und Torten bezahlen Kunden bereits seit dem Frühjahr mehr. 
Schmitt nennt als Grund stark gestiegene Ausgaben für Rohstoffe. Der Mehlpreis sei um mehr als zehn Prozent in die Höhe gegangen – laut Schmitt „ganz klar“ die Folge von Ernteeinbußen bei Weizen durch den viel zu trockenen Sommer. Da sein Betrieb das Mehl von einer regionalen

Mühle beziehe, zahle er noch mehr als den Börsenpreis. 
Im Verkaufspreis schlagen sich die höheren Ausgaben mit bis zu zehn Cent bei Broten und zwei Cent bei Brötchen nieder. Die Erhöhung betreffe nicht das gesamte Sortiment. „Man kann die Steigerung nicht ins Uferlose treiben“, erläutert der Geschäftsführer der Bäckerei und Konditorei mit 28 Filialen in Frankfurt, den Kreisen Offenbach und Groß-Gerau. „Man muss das Produkt auch verkaufen können.“

Das Wetterauer Unternehmen Hinnerbäcker verlangt für Teile des Sortiments seit Dezember mehr Geld. Vicky Chapman, Assistentin der Geschäftsleitung, beziffert den jüngsten Aufschlag mit sieben Prozent. Im Jahresverlauf zeigt sich der Anstieg noch stärker. Bei einem Plunder kamen 30 Cent obendrauf, das entspricht 25 Prozent. „Rohstoffe sind sehr teuer“, sagt Chapman zu den Gründen. „Die Preise für Zucker, Eier, Mehl und Milchprodukte sind ständig gestiegen.“ Zusätzlich habe der Betrieb in Wölfersheim, der 90 Filialen beliefert, in neue Produktionsmaschinen investiert.

Vicky Chapman erwartet, dass auch andere Hersteller mehr für ihre Erzeugnisse verlangen werden. „Große Bäckereien, die Naturrohprodukte verarbeiten, müssen die Preise anpassen.“ 
Der Frankfurter Bäcker Eifler wird voraussichtlich im Frühjahr nachziehen. „Wir   kalkulieren noch“, ist aus der Geschäftsleitung zu hören. Eifler ist mit 70 Filialen im Großraum Frankfurt vertreten.

Die hessische Bäckerinnung beobachtet keinen flächendeckenden Preisanstieg. Verbandsgeschäftsführer Stefan Körber führt jedoch neben dem Mehlpreis höhere Energie- und Transportkosten an, die Brot und Gebäck verteuern können. „Jeder Betrieb muss das für sich durchrechnen“, sagt er. „Im Preis einer handwerklich hergestellten Backware sind fünf bis sieben Prozent Energiekosten enthalten“, rechnet er vor. Hinzu kämen Lohnkosten von 50 Prozent. Die Tariflöhne im Bäckerhandwerk seien im vergangenen Jahr um durchschnittlich 2,4 Prozent gestiegen.

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