+
Die hessischen Komiker machen künftig Ansagen in Frankfurter Bahnen.

Nahverkehr

Badesalz "babbelt" demnächst in Frankfurter Straßenbahnen

  • schließen

Das Komiker-Duo Badesalz macht ab Anfang Mai Ansagen in Frankfurter Straßenbahnen und U-Bahnen.

Frankfurter Hauptbahnhof im Feierabendverkehr, am Bahnsteig warten die Menschen in Scharen, die U-Bahn kommt, sofort drängen die ersten hinein. Bleiben im Eingangsbereich stehen. Im Gang wäre noch Platz. Keiner geht durch. Die Fahrgäste draußen reagieren: gereizt!

Plötzlich knistern die Lautsprecher, eine wohlbekannte Stimme auf Hessisch ertönt, sie spricht die Fahrgäste direkt an: „Hallo. Mer wolle Se net hetze oder nerve, aber es wäre im Sinne aller Beteiligten, wenn Se weiter in de Zug neigehe, also ähh reigehe. Es is im Prinzip wie mim Wasserhahn. Wenn Se de Fingä drandrücke, dann kann’s Wassä auch net fließe. Stelle’s sich einfach vor, dass Se Wassä sind. Dann geht’s. Dann geht’s. Dange!“

Da huscht ein Schmunzeln über die müden Feierabendgesichter, die belustigt jeden freien Winkel im Wagon belegen, so dass auf einmal doch alle mitfahren können.

Die Kult-Komiker von Badesalz, also Hendrik „Henni“ Nachtsheim und Gert Knebel, haben im Auftrag der Verkehrgesellschaft Frankfurt (VGF) Durchsagen eingesprochen. Zu hören ab Mai. Zunächst an 20 Haltestellen und für 17 der Alltagsprobleme, die die Verkehrsgesellschaft so hat. Die Idee kam bei der 20-Jahr-Feier der VGF im letzten Jahr im Römer auf. Da sprach Nachtsheim als Hauptredner im Kaisersaal zwar wenig über Frankfurter Nahverkehr, dafür ausführlich über die Frankfurter Eintracht, was den VGF-Verantwortlichen so gut gefallen haben muss, dass Sie ihn am gleichen Abend fragten, ob er auch in Zügen babbeln wolle? Wollte er.

Gefragt, getan. Das astreine Hessisch ist künftig an viel befahrenen Haltestellen zu hören, wie am Römer, im Westend oder am Zoo, sowie in den Straßenbahnen der Linie 20 vom Hauptbahnhof zum Waldstadion, wo Badesalz je einen Spruch für den Fall eines Eintracht-Siegs sowie für eine Niederlage parat haben („durch Zerstören diesä Bahn kann ma des Ergebnis net nachträglich korrigiere“).

Das war schon ernst, aber es wird noch ernster. Wenn es um die Verspätungen geht. Die mag ja keiner. Aber hören, ähhh lesen Sie selbst:

„Liebe Leude, ich habe die wenig erfreulische Aufgabe, Sie übä eine Verspädung zu underrichten. Mmhää, wie soll mer’s jetzt sage...“ – „Sach doch einfach die Wahrheit“ – „Ok, also wie Sie ja wisse, werden ja Bahngleise immer mal gern vom sogenannten Gleispilz befalle.“ – „Was zur Folge hat, dass die Gleise urplötzlich, äh, verfaule, also nich mehr befahrbar sin, und deswesche ausgetauscht werde müsse“ – „Ja, und genau deswegen stehn mer jetz grad.“ – „Gleispilz, da kann ma nix mache“ – „Da kann ma nix mache. Dange!“

Da dröhnt ein Lachen durch den Wagon, im Wissen, dass man Verspätungen der Bahn nur mit Humor ertragen kann. Falls die Ansagen bei den Fahrgästen wie erhofft gut ankommen, sollen sie auf rund 400 Straßen- und U-Bahnen ausgeweitet werden. Dort war über Jahrzehnte die Stimme von Ingrid Metz-Neun zu hören, die in Frankfurt und im Rest der Republik die Verkehrs-Durchsagen eingesprochen hatte. Nachdem sie in den Ruhestand ging, setzte die VGF ab Dezember 2016 eine Computerstimme namens Petra ein. Die ist zwar stets akkurat, dafür aber total trocken. Ganz anders der Witz von Badesalz, mit dem sie seit mehr als 30 Jahren unterhalten:

„Nächste Haldestelle: Baseler Platz. Alle Schweizer bidde aussteige. Hähähähä“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare