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Ein Bach-Choral für den Kardinal

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Der Leichnam ist in der Augustinerkirche aufgebahrt.
Der Leichnam ist in der Augustinerkirche aufgebahrt. © dpa

Die Trauerfeierlichkeiten für Karl Lehmann setzen ein Zeichen für Versöhnung. Zahlreiche Ehrengästen nehmen teil.

Als bewegend hat der Mainzer Weihbischof Udo Markus Bentz die Anteilnahme am Tod von Kardinal Karl Lehmann bezeichnet. „Kaum jemand lässt dieser Tod gleichgültig – und das nicht nur in unserem Bistum, innerhalb unserer Kirche, sondern weit darüber hinaus“, sagte Bentz am Sonntag in seiner Predigt in der Seminarkirche des Mainzer Priesterseminars.

„Der Abschied in diesen Tagen ist die Resonanz auf das Wirken unseres Kardinals in seinem Leben: Menschen aus den Gemeinden unseres Bistums, Menschen verschiedener Konfession, Menschen, die ausdrücklich nicht gläubig sind, Menschen aus dem kulturellen, gesellschaftlichen, politischen und öffentlichen Leben.“ Das sei nicht verwunderlich, betonte Bentz. Lehmann habe immer wieder gesagt: „Der Glaube darf sich nicht in die Sakristei flüchten.“

Am Sonntag vor dem Requiem gab es nach Angaben des Bistums einen steten Strom von Menschen, die sich von Lehmann verabschieden und sich in ein Kondolenzbuch eintragen wollten. Die Fußballer des FSV Mainz 05 trugen am Samstag beim Auswärtsspiel gegen Eintracht Frankfurt Trauerflor – Lehmann war Ehrenmitglied des Klubs.

Lehmann war am 11. März im Alter von 81 Jahren gestorben; im Herbst hatte er einen Schlaganfall erlitten. Noch bis Dienstag ist der Leichnam des Kardinals in der Augustinerkirche aufgebahrt. Am Mittwoch wird er mit einem Trauerzug in den nahe gelegenen Dom überführt – schweigend. Lediglich die größte Glocke des Doms, die 3500 Kilogramm schwere Martinusglocke, soll dann zu hören sein. In ihrer Inschrift heißt es: „Nur das Erste, das Erhabene künd ich euch, Siegesbotschaft, Friedenskunde, Großer Männer Todesstunde.“

Beim anschließenden Requiem wird ein Zeichen für die Versöhnung der christlichen Konfessionen gesetzt: Der Domchor singt einen Choral von Johann Sebastian Bach, dem bedeutendsten Komponisten der evangelischen Kirchenmusik. Der von Bläsern begleitete Satz „Jesus bleibet meine Freude“ bringt einen geradezu fröhlichen Ton in die Messe, unmittelbar vor der Beisetzung in der Westkrypta des Doms. Während der Bestattung in der Gruft hören die Gottesdienstbesucher Mozarts Fantasie in f-Moll, gespielt von Domorganist Daniel Beckmann. Mozart ist auch mit seinem Requiem präsent. „Er war der Lieblingskomponist des Kardinals“, erklärt Domdekan Heinz Heckwolf.

Die Lesung nimmt Bezug auf den Wahlspruch des langjährigen Mainzer Bischofs aus dem 1. Korintherbrief: „Steht fest im Glauben“. Die Predigt im live im SWR- und HR-Fernsehen übertragenen Gottesdienst hält Lehmanns Nachfolger, Bischof Peter Kohlgraf.

Zu den Trauerfeierlichkeiten erwartet das Bistum zahlreiche Ehrengäste. Neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier werde die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) als Vertreterin der Bundesregierung kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt am Mittwoch ihre Regierungserklärung im Bundestag ab. Ihre Teilnahme zugesagt hätten die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg, Malu Dreyer (SPD), Volker Bouffier (CDU) und Winfried Kretschmann (Grüne). Zudem werden acht Kardinäle sowie rund 30  Bischöfe und Weihbischöfe und 200 Priester erwartet.

Am Ende des Gottesdienstes sind drei Grußworte vorgesehen. Neben Eterovic als Vertreter des Vatikans und dem Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzendem der Deutschen Bischofskonferenz wird der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sprechen.

Die Gästeliste umfasst zudem die deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan. Daneben wollen der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, und Irmgard Schwaetzer, die Präses der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland, zugegen sein.   (kna/dpa/epd)

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