Gesundheit

Hessen: Azubis bekommen Geld

Die Gewerkschaft Verdi handelt erstmals die Bezahlung in Gesundheitsberufen mit Privaten aus.

Die Gewerkschaft spricht von einem „historischen Tag“. Zum Monatsende werden erstmals Auszubildende in sogenannten schulischen Gesundheitsberufen eine Ausbildungsvergütung erhalten – also Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden oder medizinisch-technische Assistenten.

Die Verträge mit den kommunalen Schulträgern wie dem Klinikum Höchst sind schon seit Dezember unter Dach und Fach. Mit der vom Rhön-Konzern betriebenen Uniklinik Gießen-Marburg sei jetzt die bundesweit erste Einigung mit einem Privaten erzielt worden, sagt Georg Schulze-Ziehaus, Fachbereichsleiter Gesundheit der Gewerkschaft Verdi Hessen. Die Konditionen sind identisch mit denen der kommunalen: Monatlich 965 Euro gibt es im ersten Ausbildungsjahr, 1025 Euro im zweiten, 1122 Euro im dritten.

An der privaten Uniklinik betrifft das rund 400 Auszubildende in den schulischen Gesundheitsberufen. Sie hatten sich zusammengeschlossen und gemeinsam stark für ihre Belange gekämpft. Verdi-Verhandlungsführer Stefan Röhrhoff ist voll des Lobes für die jungen Leute: „Das ist ein riesiger Erfolg für uns. Er geht voll auf die Karte der Auszubildenden.“ Hier zeige sich, was Solidarität bewirken kann.

Ende Dezember vergangenen Jahres hatte Verdi sich mit den öffentlichen Trägern erstmals überhaupt auf einen Tarifvertrag für die Auszubildenden in diesen Berufen geeinigt. Nach Gewerkschaftsangaben sind bundesweit an den öffentlichen Kliniken rund 3500 Auszubildende betroffen. Jetzt folgen die Verhandlungen mit den Privaten. Zum Beispiel mit der Schule für Physiotherapie der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim. Tätig kann Verdi aber nur werden, wenn die Auszubildenden dort gewerkschaftlich organisiert sind.

Bislang bekamen Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden oder medizinisch-technische Assistenten in der Zeit ihrer Ausbildung keinen Cent. „Das konnten nur Kinder reicher Eltern lernen“, sagt Schulze-Ziehaus. Zum Teil mussten sie sogar Schulgeld bezahlen. Das gehört inzwischen im Rhein-Main-Gebiet der Vergangenheit an. Der Nachwuchsmangel, über den die Heilberufe klagen, hatte zum Umdenken geführt.

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