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Die Ausbildung als Azubi soll attraktiver werden - auch mit der Azubi-Card. 

Azubi-Card

Ein Ausweis für Auszubildende in Hessen

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Die Azubi-Card soll Auszubildenden hessenweit Vergünstigungen bringen. 

Auszubildende werden sich in Hessen erstmals mit einer „Azubi-Card“ als solche ausweisen können. Mit dieser Karte nach dem Vorbild von Studenten- und Schülerausweisen sollen sie zudem hessenweit Vergünstigungen erhalten. Das hat die stellvertretende Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt, Karen Hoyndorf, am Mittwoch angekündigt. Die Frankfurter Kammer hat die Karte, die es ähnlich etwa in Erfurt gibt, mit Partnern auf den Weg gebracht.

Schon im März sollen alle 13 000 Auszubildenden im IHK-Bezirk Frankfurt, zu dem auch der Hochtaunuskreis und der größte Teil des Main-Taunus-Kreises zählen, die Karte erhalten. Alle anderen hessischen Auszubildenden sollen folgen. Auch die anderen Handels- und Handwerkskammern in Hessen sowie die Landeszahnärzte- und die Landesärztekammer wollen die Azubi-Card rasch ausgeben, wie Hoyndorf sagte. Das Wirtschaftsministerium unterstütze das Vorhaben.

Die Azubi-Card, die künftig jeder neue Auszubildende nach Ende der viermonatigen Probezeit erhalten soll, ist Teil einer Ende 2017 gestarteten 18-teiligen Ausbildungsoffensive, mit der die Frankfurter IHK mehr Schüler für eine Ausbildung begeistern, aber auch deren Qualität verbessern will. Auszubildende berichten in Schulen von ihrer Ausbildung, ihrem Unternehmen und ihren Plänen. Ausbildende Unternehmen und Bewerber können sich in „Speed-Datings“ kennenlernen, ein Ausbildungsstellen-Atlas zeigt, wo genau noch offene Lehrstellen zu finden sind. Die Azubi-Card sei nun das „Sahnehäubchen“, sagte Hoyndorf. Diese könne dazu beitragen, die Wertschätzung der Auszubildenden zu erhöhen und das Image der dualen Berufsausbildung zu verbessern.

Riesiger Mangel an Fachkräften

Hintergrund ist, dass die hessischen Unternehmen einen riesigen Mangel an Fachkräften beklagen, es in den vergangenen Jahren aber immer mehr Schulabgänger an die Unis zog. Inzwischen aber sind die Ausbildungszahlen – vielleicht auch als Folge der Kampagnen – wieder etwas angezogen. 5320 Ausbildungsverträge wurden 2018 im IHK-Bezirk abgeschlossen, sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor, womit Hoyndorf sehr zufrieden ist. Hessenweit stieg die Zahl der Auszubildenden bei IHK-Unternehmen erstmals seit dem Jahr 2011 deutlich an, lag mit 23 144 neuen Azubis 3,9 Prozent über dem Vorjahreswert.

Die geringen Auszubildendenzahlen seien für die Unternehmen ein „Weckruf“ gewesen, kommentierte das Hoyndorf. Immer mehr begriffen inzwischen, dass sie ihren Nachwuchs selbst ausbilden müssten. Roland Fiedler, Geschäftsführer des Reformhauses Freya, etwa berichtete gestern, das Unternehmen bilde bewusst sehr viele Auszubildende aus und biete diesen zusätzlichen Unterricht.

Eine große Hürde für Auszubildende gerade in Frankfurt bleibt, wie Hoyndorf und Fiedler klarmachten, aber die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft. Das Problem ist so groß, dass auch die Stadt prüft, wie und wo ein Wohnheim speziell für minderjährige Auszubildende in Industrie und Handwerk entstehen könnte. Auch Unternehmen überlegten zunehmend, selbst Unterkünfte anzubieten, hieß es.

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