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AWO Wiesbaden darf Hannelore Richter fristlos kündigen

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Von: Madeleine Reckmann

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Franz Betz und Wolfgang Hessenauer haben die Kündigung ausgesprochen - jetzt haben sie Recht bekommen.
Franz Betz und Wolfgang Hessenauer haben die Kündigung ausgesprochen - jetzt haben sie Recht bekommen. © Rolf Oeser

Arbeitsgericht lehnt Klage der früheren Geschäftsführerin gegen ihre Entlassung ab.

Der Wiesbadener Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) darf ihrer früheren Geschäftsführerin Hannelore Richter fristlos kündigen. Das hat das Arbeitsgericht Wiesbaden am Donnerstag entschieden. Fünf Mal waren Anfang 2020 wegen verschiedener Pflichtverletzungen fristlose Kündigungen ausgesprochen worden.

Richter sorgt sich um ihre Reputation

Keine mochte die Frau, die die Hauptverantwortliche für die AWO-Machenschaften um Bereicherung, Scheinarbeit und Misswirtschaft sein soll, akzeptieren. Es gehe ihr um ihre Reputation, und es gehe ihr auch um Geld, erklärt sie der FR kurz vor Verhandlungsbeginn, warum sie gegen die Entlassung vorgehe. Sie habe nach jahrzentelanger Tätigkeit bei der AWO das Recht auf eine zwölfmonatige Kündigungsfrist, sagt sie.

Kündigung ist eine der ersten Amtshandlungen des neuen Vorstands

Die beiden damaligen Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Hessenauer und Franz Betz waren im Januar 2020 angetreten, um in dem von Skandalen erschütterten AWO-Kreisverband aufzuräumen. Damals stand Richter bereits wegen überhöhter Gehälter, teurer Dienstwagen und Geschenken bei den AWO-Kreisverbänden Wiesbaden und Frankfurt im Fokus der Öffentlichkeit. Der Geschäftsführerin zu kündigen, war eine der ersten Amtshandlungen der beiden Vorstände. Mehrere Kündigungen sprachen sie aus, weil immer neue Vorwürfe auftraten.

Designer-Möbel für den Sohn

Die Liste der Pflichtverletzungen Richters als Geschäftsführerin, die Arbeitsrichter Jörg Krampe zu Sitzungsbeginn aufführt, ist lang. Sie soll sich und ihrem Sohn überzogene Gehälter gestattet haben und für Scheinarbeitsverträge, Rechtsanwaltshonorare ohne Gegenleistung und Zuwendungen an Beschäftigte ohne Rechtsgrundlage verantwortlich sein. Zudem wirft ihr AWO-Rechtsanwalt Jens-Wilhelm Oberwinter vor, teure Designer-Büromöbel für ihren Sohn auf AWO-Rechnung erlaubt und Entnahmen aus der Barkasse verschleiert zu haben.

Gutscheine fürs Adlon

Im Verlauf der Verhandlung wird klar, dass sich Richter darüberhinaus eine Altersteilzeitvereinbarung sicherte, die ihr eine Freistellung unter vollständiger Vergütung von insgesamt 1,6 Millionen Euro von Juli 2019 bis Juli 2025 zugestanden hätte. Daraus wird nun nichts. Sie konnte mit AWO-Kreditkarten für viele tausend Euro einkaufen und Hotelgutscheine für 11 000 Euro im Adlon in Berlin einlösen. „Haben sie nie eine Minute nachgedacht, als 2500 Euro für die Hochzeitsfeier ihres Sohnes auszugeben? Ihnen fehlt der moralische Kompass“, platzt Steffen Krollmann, Vorstandsvorsitzender der AWO Frankfurt, der Kragen. Das sei eine Entscheidung des Vorstands gewesen, rechtfertigt sich Richter. Ihre Kündigung zu erwirken, war juristisch nicht ganz einfach. Da sie schwerbehindert ist, musste das Integrationsamt und die Schwerbehindertenvertretung beteiligt werden, was für die erste Kündigung versäumt worden war.

Angestellt in Wiesbaden, tätig in Frankfurt

Richters Rechtsanwalt Bernhard Lorenz versucht noch, die Kündigung aus formalen Gründen scheitern zu lassen. Angestellt war Richter bei der AWO- Wiesbaden. Aber 70 bis 80 Prozent ihrer Tätigkeit übte sie als Sonderbeauftragte für die Altenhilfe, Kindertagesstätten und Flüchtlingshilfe bei der Frankfurter AWO und der Johanna-Kirchner Stiftung aus. Lorenz zufolge wurde ihre Gehalt auch zu 70 bis 80 Prozent von der AWO Frankfurt an die AWO Wiesbaden überwiesen. Deshalb hätten alle drei Organisationen die Kündigung abzeichnen müssen. Das sieht Arbeitsrichter Krampe offenbar anders.

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