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Avatar fürs Klassenzimmer

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Verein hilft schwerkranken Schulkindern mit Technik

Hochtaunus - Corona hat es richtig deutlich gemacht, das Problem selbst gibt es aber seit es Schulen und Schüler gibt: Wenn ein Kind länger krank ist, mit langen Krankenhausaufenthalten, die Betreuungssituation zu Hause schwierig ist, wenn weitere Kinder im Haushalt sind, wenn soziale Kontakte zu Schulkameraden, und Freunden und Lehrern abbrechen. Die Rede ist also nicht von einer Erkältung mit ein paar Tagen Bettruhe. Es geht um Krankheiten, die ein Kind länger vom Unterricht fernhalten.

Und hier setzt der Verein Kolibri ein, der seinen Sitz in Berlin hat. Conny Hein leitet die Kolibri-Außenstelle Taunus mit Sitz in Wehrheim.

Eigentlich ist sie Ärztin, aber seit sie den Job im Verein kennenlernte, macht sie das nun hauptberuflich: "Ich bin so begeistert von dem Angebot, das muss einfach mehr in der Breite bekanntwerden, zudem benötigt diese Hilfe Sponsoren."

Einen hat sie gefunden. Nämlich Naspa-Chef Clemens Weil aus Usingen. Eigentlich wollte sie bei ihm bei einem Termin eine leise Beschwerde loswerden. Los wurde sie aber die ganze Geschichte über Kolibri - und brachte die Bank dazu, 2500 Euro locker zu machen. "Als ich hörte, um was es da geht, war klar, dass wir helfen müssen", sagt Weil.

Es geht konkret um die Zusammenführung des Schulkindes im Krankenbett mit seiner Klasse. Und dies funktioniert mittels Laptop und Robo: Robo ist eine Art elektronischer Platzhalter für das Kind im Klassenzimmer, ein High-Speed-Avatar. Zu Hause oder im Krankenhaus verfolgt das Kind mit dem Laptop den Unterricht, kann sich melden und mitmachen, in der Klasse steht Robo und zeigt den Schulkameraden im Bett.

7500 Euro kostet die Technik mit Laptop, Robo und der Einsatz des Technikers. Derzeit sind 30 dieser Anlagen in Deutschland im Einsatz, ein paar Nullen hinten dran wäre der Wunsch von Conny Hein, denn der Bedarf ist riesig. Und mit ihrem Engagement soll die Idee nun auch im Taunus einziehen. Conny Hein wendet sich dafür vor allem an die Schulen, um Unterstützung zu erhalten; melden können sich natürlich jederzeit auch betroffene Familien. Hein vermittelt dann den Kontakt zur Schule und versucht, die Aktion einzuleiten. Ein Zeitlimit für die Robo-Nutzung gibt es nicht.

"Leider haben wir es allzu oft, dass ein Kind an der schweren Krankheit stirbt. Aber dann wissen wir, dass es die letzten Wochen noch Kontakt zu seinen Freunden hatte", sagt Hein, die sichtlich bewegt von vielen Begegnungen mit betroffenen Familien und Kindern berichtet. Auch im Taunus hat sie nun einen ersten Fall, bei dem Robo als Schnittstelle zur Schule zum Einsatz kommt.

Ein Problem: Datenschutz. Denn um die Klasse mit dem jungen Patienten zu verbinden, müssen alle Eltern zustimmen. "Wir hatten bisher zum Glück nur einen Fall, bei dem es schwierig wurde. Ich frage dann immer: Was, wenn es Ihr Kind wäre?", sagt Hein. Der Kontakt sei gerade für schwerkranke Kinder enorm wichtig.

Infos gibt es bis Ende der Woche in der Naspa am Schlossplatz in Usingen. bur

Mehr Informationen auf www.kolibri hilft.de. Conny Hein ist unter der Mobilnummer 01 60 4 34 84 23 erreichbar.

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