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Blick in die Norma-Produktion.

Wirtschaft

Maintal: Autozulieferer Norma streicht 50 Stellen

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Für Maintal gibt es eine Standortgarantie bis Ende 2023. Es gibt Millioneninvestitionen in Zukunftstechnologien.

Nach intensiven Verhandlungen haben sich die Geschäftsführung von Norma Germany und der Betriebsrat sowie die IG Metall geeinigt: Nach Angaben der Gewerkschaft wurde eine Vereinbarung, welche die Zukunft des Standorts sichern soll, unterzeichnet. Darin verpflichtet sich das auf Verbindungstechnik spezialisierte Unternehmen, die Kernbereiche in Maintal bis Ende 2023 zu erhalten und betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen.

Außerdem sollen bis dahin pro Jahr mindestens vier Millionen Euro in die Wettbewerbsfähigkeit investiert werden, etwa in Felder wie E-Mobilität, Digitalisierung und Industrie 4.0.

Gleichzeitig werden bis zu 49 Arbeitsplätze „sozialverträglich“ abgebaut, mit Hilfe eines Freiwilligenprogramms. Der Abbau sei notwendig, um den Standort neu zu organisieren, heißt es.

Betriebsratschef Klaus Ditzel bezeichnet das Ergebnis als „einen ersten wichtigen Schritt, um sich für die Zukunft am Standort aufzustellen“. Dass Stellen gestrichen werden, sei „bedauerlich und aus Sicht des Betriebsrats auch falsch“. Dieser sei aber optimistisch, dass sich die Zahl der Beschäftigten in Maintal – aktuell etwa 750 – durch die Neuaufstellung mittel- und langfristig wieder „deutlich“ erhöhen lasse.

Robert Weißenbrunner, erster Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda, sagt, die Vereinbarung sei eine Reaktion auf die Entwicklungen in der Automobilindustrie: Das Maintaler Werk „hängt zum größten Teil an der Verbrennertechnologie, die weitestgehend infrage gestellt ist“, so Weißenbrunner. Diese Abhängigkeit werde nun reduziert. Eine Arbeitsgruppe, der Vertreter von Betriebsrat und Arbeitgeber angehören, soll Zukunftsthemen entwickeln und konkrete Maßnahmen nennen, die den Standort stärken.

Norma hat sich den Angaben zufolge auch bereiterklärt, bis 2024 jährlich mindestens 15 Ausbildungs- beziehungsweise Studienplätze anzubieten und den Anteil derjenigen, die in Altersteilzeit gehen dürfen, zu erhöhen.

Im Main-Kinzig-Kreis werden derzeit massenhaft Arbeitsplätze in der Industrie gestrichen: Beim Reifenhersteller Goodyear Dunlop in Hanau bis 2022 610 von 1400 Stellen, beim Autozulieferer Veritas in Gelnhausen 360 von 1750, beim Laborgerätehersteller Thermo Fisher in Langenselbold etwa 80 von 650, trotz größtenteils hoher Gewinne.

Eine Stellungnahme von Norma war am Donnerstagabend bis Redaktionsschluss nicht zu bekommen. Auf eine frühere Anfrage zum Stellenabbau hatte eine Sprecherin mitgeteilt, das Unternehmen passe seine Strukturen an, um die Effizienz zu erhöhen, sich noch stärker an der Kundennachfrage zu orientieren und so die Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig werde in neue Anlagen und Produkte investiert.

Erst am vergangenen Mittwoch hatte Norma gemeldet, im ersten Quartal sei das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen um 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken, auf 39,6 Millionen Euro. Als Grund wurden vor allem „geringere Produktions- und Absatzzahlen im Automobilbereich“ in allen Märkten, auch wegen des Abgasskandals, genannt.

Die bereinigte Marge für die ersten drei Monate dieses Jahres liegt bei 14,4 Prozent, ein Rückgang von 2,4 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2018.

Vorstandschef Bernd Kleinhens zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Lage in den nächsten Quartalen verbessern wird und Norma mit dem seiner Ansicht nach „breiten Produktspektrum“ sowie Investitionen in Elektromobilität und Wassermanagement für die Zukunft gut aufgestellt sei.

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