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Autobahnabfahrt teuer und ungewiss

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Verkehr auf Süd- und Ostring soll besser fließen / Zwei neue Ampeln geplant

BAD HOMBURG - Sie soll die Stadt vom Verkehr entlasten und wird doch selbst immer voller: die Umgehung aus Süd- und Ostring. Wie könnte es an den Kreuzungen besser flutschen? Vor allem dann, wenn in Ober-Eschbach das neue Wohngebiet sowie der geplante Wertstoffhof fertig sind? Weil es Landesstraßen sind, hängt alles an „Hessen Mobil“. Gespräche mit der Landesbehörde haben bisher nicht viel gebracht. Für die Lokalpolitik hat die Stadtverwaltung kürzlich einen Zwischenbericht zur Verkehrsentwicklung vorgelegt.

Vor Weihnachten beschloss das Stadtparlament mehrheitlich, die vor zwei Jahren bei einer Verkehrsuntersuchung festgelegten Arbeitsschritte „weiterzuverfolgen“. Der Ostring ist laut Bericht dabei das wahre Sorgenkind. „Aufgrund der generell sehr hohen Verkehrsmengen“ müsse weiterhin mit viel Rückstau gerechnet werden.

Eine empfohlene Maßnahme ist ein neuer Autobahn-Anschluss am Ostring - damit mehr Wagen gleich auf die A 5 wechseln, statt über die Umgehung bis zum Homburger Kreuz zu fahren. Doch hierbei gibt es viele Unbekannte - und teuer würde es auch, wenn die Abfahrt von der Autobahn GmbH des Bundes überhaupt für realisierbar erachtet würde. Inzwischen hat die Stadt mit der Bundesbehörde gesprochen. Eine Entscheidung, ob Bad Homburg eine Abfahrt bekommen könnte, sei frühestens „nach 2023/2024“ zu erwarten.

Die Erfolgsaussichten für einen neuen Autobahnanschluss schätzt die Autobahn GmbH als gering ein. Die Vorplanungskosten von rund 20 000 Euro müsste die Stadt tragen und sie müsste auch alle weiteren Maßnahmen bezahlen. Teuer dürfte dies nicht zuletzt deshalb werden, da noch nicht klar ist, ob die A 5 noch ausgebaut wird, und wenn ja, ob acht- oder zehnspurig.

Kreisel wurden ad acta gelegt

Zudem sieht die Autobahn GmbH wichtige Fragen unbeantwortet: Ist überhaupt ausreichend Platz für eine neue Abfahrt? Würde dadurch der Verkehrsfluss auf der A 5 beeinträchtigt? Oder würden durch Ausweichverkehre von der Autobahn noch mehr Autos nach Bad Homburg gelockt? All dies soll durch eine Verkehrssimulation ergründet werden, die im Integrierten Mobilitäts- und Verkehrskonzept 2035 der Stadt enthalten ist. Die Stadtverwaltung will sie nach Abschluss des Konzepts in Auftrag geben.

Auch von Kreiseln versprach man sich einen besseren Verkehrsfluss an der B&K-Kreuzung sowie den Einmündungen von Massenheimer Weg und Homburger Straße (Ober-Erlenbach). Diese Idee wird allerdings nun nicht mehr verfolgt. Zwar würde es auf der Umgehungsstraße schneller vorangehen, in den Querrichtungen - etwa zwischen Ober- und Nieder-Eschbach oder im Massenheimer Weg stadtauswärts - dafür schlechter. Staus in Ober-Eschbach und auch mehr Druck auf die verbliebenen Kreuzungen entlang des Südrings wären die Folge. Auch würde ein Kreisel ein bis zwei Millionen Euro kosten und viel Platz verbrauchen. Fußgänger und Radfahrer hätten laut Vorlage ebenfalls keine Vorteile; zudem rechnet man nicht mit einer Zustimmung von Hessen Mobil.

In ein computergestütztes Verkehrsleitsystem hatten die städtischen Politiker ebenso Hoffnung gesetzt. Doch dies sei erst sinnvoll, wenn die Kreuzungen schon optimiert wären, heißt es. Außerdem ist die Stadt nicht mehr autonom in dieser Frage, denn „Hessen Mobil“ plant („ab 2024“) die Digitalisierung aller seiner Ampeln. Nun sollen zumindest die Schnittstellen der Landes- und Stadt-Ampeln mit der Landesbehörde abgestimmt werden. Parallel sollen sämtliche Ampeln im Stadtgebiet synchronisiert werden.

Eine Maßnahme scheint umsetzbar: Die Kreuzungen zum Römischen Hof und zum Grünen Weg (Ex-Impfzentrum) sollen eine Ampel und eine freie Rechtsabbiegerspur bekommen. Damit reagiert die Stadt auch auf die beiden tödlichen Unfälle, die sich am Römischen Hof in den vergangenen 14 Monaten ereignet haben. An beiden Einmündungen wurde das Höchsttempo auf 70 km/h reduziert. Für die Ampel hat „Hessen Mobil“ seine Zustimmung signalisiert. Umsetzen muss den Umbau die Stadt.

Die Grünen hätten die Vorlage gern ohne Autobahnanschluss beschlossen und stimmten dagegen. Die Umgehung könnte als Schleichweg genutzt werden, argumentierten sie. Die BLB befürchtet einen Verkehrskollaps, wenn der neue Wertstoffhof in Ober-Eschbach öffnet, auch sie stimmte gegen die Vorlage. Die Mehrheit des Stadtparlaments stimmte für die Fortführung der Maßnahmen. „Wir hoffen, dass nun endlich weitergeplant wird“, so Dr. Roland Mittmann (CDU). „Besser als nix“, so auch Jürgen Stamm, der aber befürchtet, dass durch die Synchronisation der innerstädtischen Ampeln noch mehr Autos in die Stadt gelockt werden, weil der Verkehr dort fließe - anders als auf der Umgehung, wo „Hessen Mobil“ frühestens 2024 tätig werden will.

In den angrenzenden Ortsbeiräten wurde unterschiedlich votiert: In Ober-Erlenbach wollen nur zwei Mitglieder eine Fortführung der erwähnten Maßnahmen (bei drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen), Ober-Eschbach ist einstimmig dafür. „Damit endlich etwas passiert“, so Stephan Zalud (CDU). „Jeder kleine Schritt ist besser als der Status quo.“

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