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Auszeichnung für die Wiesbadener Kunstarche

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Von: Andrea Rost

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Felicitas Reusch ist erste Vorsitzende des Vereins.
Felicitas Reusch ist erste Vorsitzende des Vereins. © Rolf Oeser

Der gemeinnützige Verein „Kunstarche“ verwaltet seit zehn Jahren Künstlernachlässe aus Wiesbaden. Jetzt würdigt die Stadt das Engagement mit dem Kulturpreis.

Von einem „blinden Fleck“ in Wiesbadens Kulturleben spricht Stadtrat Axel Imholz (SPD). Das Gründerteam der „Kunstarche“ habe ihn vor zehn Jahren erkannt und seither eine überaus erfolgreiche Tätigkeit im Zusammenhang mit den Nachlässen lokaler Künstlerinnen und Künstler entfaltet. Zahlreiche Ausstellungen seien konzipiert, Kataloge und Bücher herausgegeben worden.

Das Engagement solle nun besonders gewürdigt werden, kündigte der Kulturdezernent an: Die Wiesbadener Kunstarche erhält am 4. November den Kulturpreis der hessischen Landeshauptstadt. 5000 Euro wandern dann in die Kasse des gemeinnützigen Vereins, dessen Mitglieder alle ehrenamtlich arbeiten. Allen voran die langjährige Vorsitzende Felicitas Reusch, die bereits 2011 die Künstler Arnold Gorski, Wolf Spemann und Johannes Ludwig bei der Gründung unterstützte.

Die Anfänge waren nicht ganz einfach. Erst 2012 stellte das Kulturamt eigene Räume zur Verfügung. Sie liegen gleich neben dem Stadtarchiv‚ das Im Rad 42 beheimatet ist. „Hier ist alles barrierefrei“, sagt Reusch. Das gelte in jeglicher Hinsicht. Wer Ausstellungen in der Kunstarche besuche, müsse nicht nur keine Stufen überwinden, sondern auch keinen Eintritt bezahlen. Unkompliziert könnten Kunstwerke erworben werden. „Wenn jemandem ein Bild gefällt, das zum Verkauf steht, kann er es bezahlen und mitnehmen“, sagt die 74-jährige Kunsthistorikerin.

Heute wie damals stehen die Inobhutnahme und das Aufarbeiten von Nachlässen Wiesbadener Künsterinnen und Künstler im Mittelpunkt. Dabei gehe es oftmals um Kunstschaffende, die nicht in der ersten Reihe standen, deren Werke aber durchaus bedeutsam seien für die Kunstgeschichte des „Soziotops Wiesbaden“, sagt Felicitas Reusch.

So besitze die Kunstarche etwa 600 Arbeiten des Buchillustrators Heiner Rotfuchs, Nachlässe im Zusammenhang mit der Werkkunstschule, die 1949 bis 1970 in Wiesbaden bestand, außerdem Fotografien von Anni Hensler-Möhring und Entwürfe ihres Ehemanns, des Bildhauers Arnold Hensler. Eine Porträtplastik Henslers kam sogar aus der Schweiz ins Archiv der Kunstarche. Eine Erbin hatte im Internet über den Verein gelesen und schickte die Frauenbüste nach Wiesbaden.

In drei Depoträumen lagern Gemälde, Grafiken, Skulpturen aus Holz und Metall sowie Keramiken. Für die grafischen Arbeiten wurden spezielle Metallschränke angeschafft. „Wir bräuchten viel mehr Platz“, sagt Reusch. Denn das Interesse von Kunstschaffenden und ihren Nachfahren, ganze Lebenswerke der Kunstarche zu übergeben, sei groß. „Sie freuen sich, dass wir die Arbeiten achten und wertschätzen.“

Mehr als 40 Ausstellungen hat der Verein seit seiner Gründung bereits oranisiert. Aktuell läuft eine Retrospektive zu Egon Altdorf. Zu sehen sind großformatige Fotografien, Holzschnitte, Skulpturen und Bilder des Künstlers, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt. Altdorf hatte lange Jahre sein Ateliers in der Stadt. Kunstwerke von ihm befinden sich in mehreren Wiesbadener Schulen. Auch die Glasgestaltung der Neuen Synagoge stammt von ihm.

Öffnungszeiten der Kunstarche, Im Rad 42, sind dienstags bis freitags von 9.30 bis 12.30 Uhr, zusätzlich mittwochs von 15 bis 18 Uhr. Die Retrospektive zu Egon Altdorf läuft bis 9. Januar 2023. Weitere Informationen unter www.kunstarche-wiesbaden.org

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