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Setzt auf Aufklärung: Nicole Deitelhoff.

Schader-Preis

Im Dienst der Aufklärung

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Die Frankfurter Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff erhält in Darmstadt den Schader-Preis. Sie ist Chefin der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung.

Am heutigen Donnerstag kann die Frankfurter Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff einen bedeutenden Preis in den deutschen Gesellschaftswissenschaften entgegennehmen. In Darmstadt wird der 42-jährigen Professorin der mit 15 000 Euro dotierte Schader-Preis der gleichnamigen, von Alois M. Schader gegründeten Stiftung überreicht.

Geehrt wird eine Frau, die über Herrschaft und Widerstand in der Politik des globalen Zeitalters geforscht hat und über die „Entpolitisierung staatlicher und gesellschaftlicher Sicherheitsleistungen“. Kein leichter Stoff. Deitelhoff aber hat sich vorgenommen, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Gesellschaft zu vermitteln. Genau für solche Forscher ist der Preis gedacht.

Diesen Weg schlägt Deitelhoff auch als Chefin der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) ein. Seit einem Jahr ist sie Nachfolgerin von Harald Müller, der die Stiftung 20 Jahre lang geleitet hatte. „Wir stehen im Dienste der Gesellschaft, wir stehen im Dienste der Aufklärung“, sagt Deitelhoff beim Gespräch in ihrem HSFK-Büro im Frankfurter Bahnhofsviertel. Der „political impact“, also der politische Einfluss durch öffentliche Positionierung und direkte Politikberatung, soll nach Deitelhoffs Vorstellungen bei der Bewertung wissenschaftlicher Leistungen höher bewertet werden. Die klassischen Kriterien im Wissenschaftsbetrieb – das Einwerben von Drittmitteln und die Zahl von Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften – reiche nicht mehr aus, urteilt Deitelhoff.

Bei der HSFK soll die öffentliche Wirkung unter Deitelhoffs Leitung stärker berücksichtigt werden. Zugleich hat die Stiftung eine Dependance in Berlin eröffnet, in der Nähe des Auswärtigen Amts und anderen offiziellen Einrichtungen, die Rat in Friedens- und Konfliktfragen brauchen können. So unterstützt die HSFK das Auswärtige Amt bei der Ausbildung von angehenden Diplomaten.

Es sei „Teil der Strategie“, auch in der Hauptstadt präsent zu sein, sagt Deitelhoff – um klar und deutlich hinzuzufügen, es gebe „keinerlei Absicht“, Frankfurt zu verlassen. „Wir fühlen uns in Frankfurt sehr wohl“, betont die Wissenschaftlerin. Rund 80 Beschäftigte sind für die HSFK tätig. Dazu zählen etwa 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, von denen etwa die Hälfte gerade an ihrer Doktorarbeit schreibt.

Die Norddeutsche Deitelhoff ist Hessen schon seit vielen Jahren verbunden. Sie wurde 2004 an der Technischen Universität Darmstadt promoviert. Seit 2009 hat sie eine Professur für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungspolitik an der Frankfurter Goethe-Universität.

Im HSFK-Büro liegt ein Kinder-Spielteppich. Erst vor einigen Wochen ist Deitelhoff wieder in den Beruf eingestiegen, nachdem sie ihr drittes Kind bekommen hatte – das dritte Mädchen. Der Vater arbeitet nicht weit entfernt: Deitelhoffs Mann Christopher Daase forscht wie sie an der Goethe-Uni und an der HSFK, in der er als Stellvertreter der Chefin amtiert.

Hochrangige Redner aus Wissenschaft und Politik werden Deitelhoff am Donnerstagabend zum Schader-Preis gratulieren und die Bedeutung der Wissenschaft in Zeiten postfaktischer Scheinweisheiten hervorheben. Übergeben wird die Urkunde vom Vorsitzenden des Senats der Schader-Stiftung, dem Juristen Paul Kirchhof – der selbst 2012 Schader-Preisträger war. Die Laudatio hält der Politikwissenschaftler Klaus von Beyme, der den Schader-Preis 2008 erhielt. Daneben haben sich Darmstadts OB Jochen Partsch (Grüne), der hessische Wissenschafts-Staatssekretär Ingmar Jung (CDU) und Frankfurts Uni-Präsidentin Birgitta Wolff angekündigt.

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