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Ausstellung mit Erkenntnissen zu Anschlag in Hanau: „Präsentation setzt Maßstäbe“

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Von: Gregor Haschnik

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Mit Hilfe von Videos, Modellen und Texten zeigt die Ausstellung Erkenntnisse zum Anschlag in Hanau und zum Fall Oury Jalloh. Renate Hoyer
Mit Hilfe von Videos, Modellen und Texten zeigt die Ausstellung Erkenntnisse zum Anschlag in Hanau und zum Fall Oury Jalloh. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Untersuchungsausschuss-Mitglieder haben die Ausstellung „Three Doors“ im Frankfurter Kunstverein besucht und mehrere Arbeitsaufträge mitgenommen.

Zwei Stunden haben sich Marius Weiß (SPD), Vorsitzender des Untersuchungsausschusses des Hessischen Landtags zum Anschlag von Hanau, und Ersatzmitglied Ulrich Wilken (Linke) am Freitag Zeit genommen für einen Rundgang durch die Ausstellung „Three Doors“ im Frankfurter Kunstverein, die neue Erkenntnisse der Forschergruppe Forensic Architecture (FA) zu den Attentaten präsentiert. Weiß bezeichnete vor allem die präsentierten Filmaufnahmen eines Polizeihubschraubers in der Tatnacht als spannend – und sagte, dass die Bilder, die Teil der Akte des Generalbundesanwalts sind, dem Ausschuss nicht vorlägen. Er kündigte an, die Einsicht in die Aufnahmen zu beantragen.

Diese sind auch deshalb wichtig, weil sie zum Beispiel belegen, dass die Polizei das Täterhaus nicht dauerhaft von allen Seiten gesichert hatte, so dass der bewaffnete Terrorist hätte fliehen können. Und dass die Besatzung des Hubschraubers so gut wie gar nicht in die polizeiliche Kommunikation eingebunden war, nicht einmal die Adresse des Täters erfuhr. Das Gutachten von FA, über das die FR vorab berichtet hatte, kommt zu dem Ergebnis, dass die Polizei bei dem Einsatz versagt habe. Diese hat die Kritik zurückgewiesen.

Vor Weiß und Wilken waren bereits die Obfrauen Vanessa Gronemann (Grüne) und Saadet Sönmez (Linke) vor Ort. Vertreter:innen von CDU und AfD nahmen an den Terminen mit Museumsdirektorin Franziska Nori und Forschenden von FA, die ihr Vorgehen und ihre Rückschlüsse detailliert erläuterten, nicht teil.

Die Ausstellung wurde von einem Kollektiv aus FA, dessen Schwesteragentur Forensis Berlin, der Initiative 19. Februar Hanau, der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh sowie dem Kunstverein entwickelt und ist bis zum 11. September zu sehen. Mit Hilfe etwa von Videos, Zeitleisten, Modellen und Textdokumenten zeigt sie neben den Ergebnissen aus Recherchen zum Hanauer Terroranschlag eine weitere Untersuchung zum Tod des Geflüchteten Oury Jalloh aus Sierra Leone, der 2005 in einer Polizeizelle in Dessau verbrannte.

Weiß und Wilken hakten während der Runde mehrfach nach, wollten etwa wissen, ob das Modell des Täterhauses für ein akustisches Experiment – das belegt, dass das SEK die Schüsse dort entgegen seiner Aussagen hätte hören müssen – baugleich sei. Ja, entgegneten die leitenden Forscher:innen Dimitra Andritsou und Robert Trafford und berichteten unter anderem, dass die Recherchen insgesamt acht bis neun Monate gedauert hätten. Wilken sagte, die Präsentation setze im Hinblick auf Information und Verständlichkeit Maßstäbe, auch für Berichte von Untersuchungsausschüssen, und habe die Aufmerksamkeit auf wesentliche Aspekte gelenkt. FA und Kooperationspartner:innen hätten zum Teil die Arbeit gemacht, die Aufgabe der Staatsanwaltschaft gewesen wäre. Dabei müsse man aber auch bedenken, dass die Ermittlungsbehörden personell schlecht ausgestattet seien. Weiß versprach, dass sich der Untersuchungsausschuss noch intensiv mit Punkten wie der Sicherung des Täterhauses und dem wahrscheinlich versperrten Notausgang am zweiten Tatort befassen werde und schon einige Erkenntnisse gebracht habe. Angehörige hatten wiederholt kritisiert, dass das Gremium bislang die Erwartungen bei weitem nicht erfüllt habe.

Zum Schluss nahm FA-Gründer und Direktor Eyal Weizman die Ausschussmitglieder in die Pflicht: „Sorgen Sie dafür, dass der Ausschuss nicht zu einem Instrument wird, um wieder Ruhe herzustellen.“

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