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Frank-Brechter_Stubenfliege
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Schon der Eingang zur Schau in Wiesbaden gestaltet sich dramatisch: Eine überdimensionale Fliegenklatsche lässt die Frage aufkommen: „Wer wird geklatscht?“.

Kunstprojekt an drei Orten

Kunst für Tiere, Kunst mit Tieren

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Das Gemeinschaftsprojekt „Artentreffen“ von den Opelvillen Rüsselsheim, dem Ledermuseum Offenbach und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden ist gestartet.

Der Mensch betrachtet sich gerne als den Tieren überlegen. Doch ist er das wirklich? Das Kunstprojekt „Artentreffen“ will an diesem Blickwinkel rütteln und die Beziehung zwischen Mensch und Tier beleuchten. Mit drei verschiedenen Ausstellungen, die gleichzeitig an drei verschiedenen Orten entlang der S-Bahn-Linie 8 stattfinden, werden verschiedene Aspekte des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier betrachtet. Zusammengefunden haben dafür das Deutsche Ledermuseum in Offenbach, die Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen in Rüsselsheim und der Nassauische Kunstverein Wiesbaden. Gefördert wird das Projekt vom Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main.

Beate Kemfert, Kuratorin der Opelvillen, hatte die Idee zum Ausstellungsprojekt, das jetzt gestartet und bis ins nächste Jahr zu sehen ist. Bereits im vergangenen Sommer hatte das estnisch-britische Künstlerpaar Krõõt Juurak und Alex Baileyeine als Impulsgeber der Ausstellung eine Performance veranstaltet, in die Hunde und Katzen von Privatleuten aus dem Raum Rüsselsheim einbezogen wurden. Die Hunde kamen in die Opelvillen, die Katzen wurden von den Künstlern zu Hause besucht, wie Kemfert sagt. Wie die Tiere auf die tänzerische, spielerische Choreographie der Künstler reagierten, teilweise die Bewegungen mitmachten, wurde auf Video festgehalten und ist nun ebenfalls in der Schau „Kunst für Tiere“ in Rüsselsheim zu sehen.

Künstlerpaar Krõõt Juurak und Alex Baileyeine performt für den Hund.

Auch bei den anderen der dort ausgestellten Exponate wirkten Tiere mit. Wie zum Beispiel bei den Bildern des Augsburgers Maximilian Prüfer, der tagelang ganze Ameisenkolonien über Papier laufen ließ und ihre Spuren festhielt. Die entstandenen Werke mit dunklem Hintergrund und weißen Kreisen und den sie verbindenden Linien erinnern an das Universum. Oder Björn Braun aus Berlin, der Zebrafinken verschiedene Materialien anbot, aus denen diese dann Gegenstände formten – heraus kamen verschiedene Nester. Auch Salzlecksteine aus dem Frankfurter Zoo können zu Kunstwerken avancieren, wenn sie vom Frankfurter Künstler Jan Schmidt in Bronze gegossen zeigen, wie unterschiedlich Zebras, Elche oder Bongos diese ablecken. Eben ganz wie die Kölner Künstlerin Rosemarie Trockel sagt, die mit den Fotografien ihrer Hündin Hannah vertreten ist: „Jedes Tier ist eine Künstlerin.“

Zebrafinken bauten dieses Nest.

„Dabei ist die Freiwilligkeit ganz wichtig“, sagt Kempfert. Sie habe bei der Auswahl der Werke darauf geachtet, dass die Tiere wirklich aus freien Stücken mitmachten. Wie der US-Amerikaner William Wegmann es schaffte, dass seine Hunde mit ihren Körpern das Alphabet, Zahlen von null bis neun sowie Satzzeichen legten, was er dann fotografierte, fragt sich indes der interessierte Betrachter.

Opelvillen Rüsselsheim

Die Ausstellung „Kunst für Tiere. Ein Perspektivwechsel für Menschen“ ist seit 4. Oktober bis 17. Januar 2021 in der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim zu sehen. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.

Kunstverein Wiesbaden

Die Ausstellung „Alles im Wunderland“ des Nassauischen Kunstvereins Wiesbaden läuft bis 7. Februar 2021. Geöffnet ist die Ausstellung auf 350 Quadratmetern in einer historischen Villa in der Wilhelminenstraße 15 immer Dienstag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 18 Uhr, Donnerstag von 14 bis 20 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Für Kinder unter 14 Jahren ist er frei.

Ledermuseum Offenbach

Die Ausstellung „Tierisch schön?“ läuft seit 3. Oktober bis 30. Mai 2021. Das Deutsche Ledermuseum rückt die ambivalente Ästhetik seiner Exponate in den Fokus und nimmt die eigene Sammlung in den Blick. Geöffnet ist das Museum in der Frankfurter Straße 86 in Offenbach Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr. Eintritt für Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 5 Euro, Kinder von 3 bis 15 Jahren zahlen 3 Euro.

Doch es geht bei „Artentreffen“ nicht nur um Kunst, die in Kooperation mit Tieren entstanden ist. Es geht auch um unseren Blick auf Tiere und um Kategorien, in die wir sie einteilen. „Wie Nutztier, Haustier, Schädling“, sagt Elke Gruhn, Vorsitzende des Nassauischen Kunstvereins Wiesbaden, des ältesten Kunstvereins der Landeshauptstadt. Das ambivalente Verhältnis des Menschen zur Natur werde besonders an seinem Umgang mit jenen Tieren deutlich, die er als lästig, schädlich, ekelhaft empfinde. Deshalb widmet sich der Verein mit der Schau „Alles im Wunderland“ den Tieren, die man im Allgemeinen als nicht systemrelevant betrachte: Insekten und Schädlingen.

Abbildungen und Exponate von Schnecken, Fruchtfliegen, fleischfressenden Pflanzen und Regenwürmern sind Teil der Ausstellung mit insgesamt 22 Positionen. Auch ein Animationsfilm von 1912 über Herr und Frau Käfer, die eine Affäre haben, ist zu sehen. „Der Auftakt der Ausstellung ist relativ dramatisch“, sagt Gruhn: Eine überdimensionale Fliegenklatsche ragt quer durch den Eingang, eine Stubenfliege im entsprechenden Maßstab sitzt an der gegenüberliegenden Wand. Als Betrachter:in ist man mit der Unsicherheit konfrontiert, ob die Klatsche zuschlägt und wen sie trifft – das Insekt oder den Menschen? Der ist laut Gruhn ja sowieso „der größte Schädling auf der Welt“.

Sessel aus Plüschtieren.

Das Deutsche Ledermuseum in Offenbach, das sich per se mit Tierischem beschäftigt, nämlich den Häuten und allem, was sich daraus so machen lässt, hat extra für das Kooperationsprojekt einen Parcours durchs ganze Haus eingerichtet. Unter dem Titel „Tierisch schön?“ werden, ausgehend vom umgestalteten Studioraum, 50 Exponate der eigenen Sammlung kritisch in den Blick genommen. Erstmals habe man auch Designpositionen aufgenommen, sagt Museumsleiterin Inez Florschütz. Die in jüngster Zeit vermehrt geführten Debatten um das Tierwohl ließen ethische und ökologische Fragen lauter werden und regten zum Nachdenken an. „Wir betrachten, wie der Mensch mit Tieren umgeht“, so Florschütz. Ergänzt wird die Sammlungsshow durch zeitgenössische künstlerische Positionen, die mit den Exponaten in Dialog treten. Die Skulptur des Frankfurter Plastikers Marcel Walldorf etwa zeigt das Tierpräparat eines Hundes, dessen Kopf teilweise mit italienischem Porzellan überzogen ist. Eine andere Installation der Münchner Medienkünstlerin Eva Ruhland drapiert Nerzpelze in einem Holzrahmen, der aussieht wie ein Käfig.

Krokodillederhandtasche mit Accessoire.

Laut Karin Wolff, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main, ist „Artentreffen“ „eines der großen Projekte“, die gefördert werden. Sie hob als Besonderheit hervor, dass die Opelvillen unterstützt würden, obwohl Rüsselsheim nicht Mitglied im Kulturfonds sei. Wie Inez Florschütz sagte, wären die Ausstellungen zur aktuellen Zeit ohne diese Unterstützung nicht zustande gekommen.

Und die wichtigste Frage: Dürfen Tiere denn auch die Ausstellungen besuchen? Die Antwort lautet jein: Beim Nassauischen Kunstverein Wiesbaden dürfen Hunde mitgeführt werden, wenn sie kurz gehalten werden. In den Opelvillen in Rüsselsheim ist der Zugang für Vierbeiner jeden ersten Donnerstag im Monat am Tag des offenen Hauses möglich. Ein klares Nein kommt vom Ledermuseum Offenbach: Hier fürchtet man verständlicherweise, dass noch kleinere Tierchen eingeschleppt werden könnten, was für die 30 000 Objekte umfassende Sammlung sicher nicht von Vorteil wäre.

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