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Gut gebrüllt

Ausdauernd

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Hessens Politik stellt sich auf lange Wege ein. Die Kolumne der Frankfurter Rundschau aus dem hessischen Landtag.

Manche Landtagsabgeordneten wissen, wie sich ein Marathonlauf anfühlt. Linken-Fraktionschefin Janine Wissler etwa oder die Grünen-Abgeordneten Miriam Dahlke und Martina Feldmayer. Im vorigen Jahr aber musste der Lauf über 42,195 Kilometer in Frankfurt abgesagt werden. Wegen Corona natürlich.

Das hält Politikerinnen und Politiker nicht davon ab, den Marathonlauf zu würdigen. Er hat eine erstaunliche Karriere in der politischen Metaphorik gemacht. Im Corona-Jahr ganz besonders. Immer wenn Menschen zur Geduld gemahnt werden sollen, bietet sich der Satz an: „Das wird kein Sprint, das wird ein Marathon.“ Oder so ähnlich. Selten passte er besser.

Also sprach Innenminister Peter Beuth (CDU). Bei der „größten Impfaktion in der Geschichte unseres Landes“ handele es sich um „keinen Sprint, sondern um einen Marathon“. Er wollte unrealistischen Erwartungen vorbeugen, dass mit den Impfungen schnell die Corona-Einschränkungen überflüssig werden könnten. Dabei wird der Minister damals, Ende Dezember, noch nicht geahnt haben, wie wenig Impfstoff anfangs zur Verfügung steht. Der Marathonlauf, so scheint es, ist seither noch um ein paar Kilometer verlängert worden.

Viele greifen jetzt zu dieser passenden Floskel. „Das ist eher ein Marathon, kein Sprint“, heißt es von darbenden Hoteliers und Gastwirten wie von der Arbeitsagentur, die keine Chance auf eine kurzfristige Rückkehr zu hohen Beschäftigtenzahlen sieht. Der griechische Ort Marathon, von dem aus ein Läufer die Nachricht vom Sieg der Griechen über die Perser vor 2500 Jahren nach Athen gebracht haben soll, ist in aller Munde. Als Synonym für eine Ausdauerleistung.

Mehrere Marathonläufe gleichzeitig

Wenn man aber die Worte aus der Politik ernst nimmt, absolvieren wir gerade mehrere Marathonläufe gleichzeitig. Denn nicht nur die Corona-Pandemie ist eine Langstreckenaufgabe. Auch andere Herausforderungen sind nicht im Sprint zu bewältigen.

Das gilt etwa für die Bewältigung der Klimakrise. Um 55 Prozent will die Europäische Union ihre Kohlendioxidemissionen bis 2030 senken, verglichen mit 1990. Geschafft sind etwa 36 Prozent. Das klingt nach einem guten Erfolg. Doch Vizeregierungschef Tarek Al-Wazir (Grüne) warnte bei seiner Regierungserklärung: „Jeder von uns, der im Sport unterwegs ist, weiß, beim Marathon ist nicht die erste Hälfte schwierig, sondern die zweite Hälfte ist die Herausforderung.“

Schon als 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, sah die Landespolitik eine Daueraufgabe auf sich zukommen. Al-Wazir dachte – Sie ahnen es – in sportlichen Kategorien: „Das ist kein 100-Meter-Sprint, das ist ein Marathonlauf.“ Und konnte zwei Jahre später darauf verweisen: „Es war von Anfang an klar: Die Integration der Flüchtlinge ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf. Um ans Ziel zu kommen, braucht man einen langen Atem und einen festen Willen.“ Vielleicht sollte sich die Landesregierung Amanal Petros als Berater ins Haus holen, den neuen deutschen Rekordhalter. Der 25-Jährige ist eine fabelhafte Zeit gelaufen, 2 Stunden, 7 Minuten und 18 Sekunden.

Aber auch der Sportfan Frank Lortz (CDU) kann weiterhelfen. Er ist der Marathonläufer unter den hessischen Politikern – der Mann mit der längsten Amtszeit als Landtagsabgeordneter. Die sportlichen Aktivitäten der Marathonläuferinnen Dahlke und Feldmayer wusste er seinerzeit zu würdigen. Und formulierte nicht ohne Selbstironie: „Das ist eine große Leistung, wie mir gesagt wurde.“

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