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Ausblick auf die Zukunft

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Von: Katja Schmidt

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Die Neue Galerie in Kassel wird saniert. Teile der Sammlung sind solange zu Gast bei den Alten Meistern. Von Katja Schmidt

Es hämmert, es bohrt, es flext. Von kunstsinniger Stille ist in der Neuen Galerie in Kassel derzeit wenig zu spüren. Dafür um so mehr von neuen Ausstellungsmöglichkeiten. Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert wird komplett saniert. Äußerlich bleibt die Neue Galerie die alte. Innen aber entsteht ein hochmodernes, lichtes Museum. Wenn die Herbstsonne durch seine verstaubten Fenster dringt, schwebt schon jetzt eine Ahnung des neuen Raumgefühls im Bau.

Bis die Galerie dort ihre Gemälde und Skulpturen vom Impressionismus bis zur Gegenwart präsentieren kann, dauert es noch. Die Wiedereröffnung ist für Sommer 2011 geplant. Damit Kunstfreunden die Zeit nicht zu lang wird, werden Teile der Sammlung an einem anderen Ort gezeigt. "Die Neue Galerie - Auftritt im Schloss!" heißt eine Ausstellung, die bis zum 10. April in der Gemäldegalerie Alter Meister in Kassels Schloss Wilhelmshöhe zu sehen ist.

In den Gängen links und rechts hängen Landschaften und flämische Bauernszenen aus dem 17. Jahrhundert. Die Gast-Kunst aus der innerstädtischen Galerie füllt den Mittelgang. Ein Documenta-Werk nimmt die Besucher in Empfang: Die Fotoserie "Oil Rich Niger Delta" von George Osodi hat die Ausbeutung von Mensch und Natur zum Thema.

Eine große Spannweite

Danach wird es - fast - chronologisch. Das erste Kabinett zeigt Werke des Impressionismus und Neoimpressionismus. Kantig und in kräftigen Farben blickt Conrad Felixmüllers Porträt eines Publizisten durch den Raum - auf eine Landschaft in den kräftigen Pinselstrichen Lovis Corinths. "Hier ist unser erster Störfaktor", zeigt Galerie-Volontärin Sylvia Lysko auf ein großformatiges Foto an der Wand vor Kopf. Dort haben Kuratorin Marianne Heinz und sie Joseph Beuys' Selbstporträt "La rivoluzione siamo Noi" von 1972 platziert.

Ähnlich ist es in jedem Kabinett: Zwischen abstrakten Farbspielen der Nachkriegszeit hängt ein Stück Neue Sachlichkeit. Der Pop-Art wird ein Damen-Porträt aus dem 18. Jahrhundert gegenübergestellt. Die Besucher sind geladen, sich Gedanken über kunstgeschichtliche Bezüge und Brechungen zu machen. Wer mag, kann Ausflüge in andere Stockwerke des Schlosses unternehmen - zu den Rubens- und Rembrandt-Gemälden etwa. "Ich finde, das ist das Allerinteressanteste in Kassel", sagt Marianne Heinz, "dass wir diese Spannweite haben".

Apropos Weite: Für Großformate der Neuen Galerie fehlt im Schloss der Raum. Ein Star der Sammlung aber hat höchst prominente andere Gastgeber gefunden: Beuys' "Rudel" - bestehend aus einem VW-Bus und 24 bepackten Schlitten - ist für längere Zeit an die Galerie Tate Modern ausgeliehen und wird in London gezeigt.

Wenn die neue Neue Galerie fertig ist, wird das "Rudel" einen der zentralen Räume im Erdgeschoss bekommen - der ist nicht nur schick designt, sondern auch mit moderner Klimatechnik ausgestattet, die dem Museum bislang fehlte. Rund 19 Millionen Euro investiert das Land Hessen in das Gebäude.

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