Ausbau fördert Schadstoffe

Magistrat legt Bericht vor: Flughafen trägt schon heute zur Luftverschmutzung bei

Frankfurt · PDS und Flughafen-Ausbau-Gegner (FAG) im Römer hatten die Stadtregierung um eine detaillierte Stellungnahme gebeten, wie sich der geplante Bau einer vierten Landebahn und die Kapazitätssteigerung von 450 000 auf 660 000 Flugbewegungen auf Schadstoffemissionen auswirken.

Die Antwort aus dem Umweltdezernat fiel überraschend offen aus. Der Flugverkehr, der Betrieb auf dem Flughafen sowie der Autoverkehr zum und vom Flughafen "verursachen nicht unerhebliche Schadstoffemissionen", teilte das Dezernat mit. Besonders Stickoxide, die "kritischste Komponente unter den vom Flugverkehr emittierten Massenschadstoffen" (Magistratsbericht) würden weiter ansteigen, weil ihre Emission auch durch moderne Triebwerke "kaum zu reduzieren" sei.

Stickoxide sind gesundheitsschädlich. Sie reizen Schleimhäute und Atemwege und beeinträchtigen die Lungenfunktion. Sie tragen außerdem zum Sauren Regen bei.

Laut Magistrat, der sich auf Unterlagen der Flughafenbetreibergesellschaft Fraport im Planfeststellungsverfahren bezieht, wird sich der Stickoxid-Ausstoß von Flugzeugen in einer Höhe bis 300 Meter im Ausbaufall von 2 153 Tonnen im Jahr 2000 auf 4 493 Tonnen im Jahr 2015 mehr als verdoppeln. Bei Probe- und Standläufen werden statt 46 Tonnen 156 emittiert, und aus den Hilfsaggregaten der Jets kommen bei der Bodenabfertigung zu den 218 Tonnen im Jahre 2000 noch 107 dazu.

Grenzwerte überschreiten

Auch die Partikelemissionen (Feinstaub) würden sich durch den Ausbau des Flughafens von 8,7 Tonnen im Jahr 2000 auf dann 15,1 Millionen fast verdoppeln, so der Magistratsbericht. Aus den Hilfsaggregaten der Maschinen wird eine weitere Tonne (von 2,2 auf 3,2) hinzukommen, die Probeläufe schlagen mit einem Plus von 0,2 Tonnen auf künftig 0,4 Tonnen zu Buche. Rußpartikel stehen im Verdacht, Krebs zu erregen und Allergien auszulösen. Weil "bereits ohne Flughafenausbau Grenzwertüberschreitungen bei Stickoxiden und Partikel im Rhein-Main-Gebiet erwartet werden", sieht das Umweltdezernat Grund zum Handeln.

Zur Reduzierung der durch den Flugbetrieb verursachten Luftschadstoffe müsse Fraport "geeignete Maßnahmen entwickeln und umsetzen".

Insgesamt schließt sich der Magistrat aber dem Fraport-Aussagen aus dem Planfeststellungsverfahren an, wonach sich in der Summe "eine deutliche Minderung der Stickoxid- und Partikelemissionen im Rhein-Main-Gebiet" ergeben wird. Grund der überraschenden Aussage: In die Schadstoffbilanz eingerechnet wird auch der gesamte Autoverkehr in einem 75 x 71 Kilometer messenden Areal um den Airport. Dank modernerer Motorentechnologie und der Zunahme an Rußfiltern in Dieselfahrzeugen werden die Schadstoffemissionen der Autos erheblich abnehmen, so heißt es im Bericht.

Der Stickoxid-Ausstoß in Frankfurt und dem Umland würde somit von 58 092 Tonnen in 2000 auf 36 552 im Jahr 2015 sinken, die Partikelemissionen von 87,7 auf 45,2 Tonnen.

Die FAG-Fraktion warf dem Magistrat inzwischen vor, mit der Einbeziehung des Autoverkehrs in die Schadstoffbilanz "zu einem Trick zu greifen, um die Folgen des Flughafenausbaus für die Luftqualität in Frankfurt zu verschleiern". Wolfgang Schubert

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