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Aus für Nackenduschen

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Von: Holger Pegelow

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Im Karbener Hallenbad gibt es weniger Komfort: Nach der Absenkung der Wassertemperatur baut die Stadt auch die Nackenduschen ab, um Strom zu sparen. NICI Merz © Nicole Merz

Das Hallenbad bleibt trotz steigender Energiepreise geöffnet, aber es wird dort spürbare Veränderungen geben. Zudem will die Stadt Karben Maßnahmen ergreifen, um mit der Energiekrise fertig zu werden. In einer Bürgerversammlung sind Pläne dafür jetzt vorgestellt worden - auch die für einen kompletten Stromausfall.

Wer ins Hallenfreizeitbad zum Schwimmen geht, hat es längst gemerkt: Das Wasser ist nicht mehr so wohlig warm wie vor einiger Zeit noch. Hier sind sie spürbar, die Energiekrise und die stark steigenden Strom- und Gaspreise. Die Stadtwerke als Betreiberin haben reagiert und die Wassertemperatur abgesenkt. Das gefällt nicht jedem: „Es gibt schon Beschwerden“, sagte Bürgermeister Guido Rahn bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend. Damit diese nicht noch lauter werden, will die Stadt vorerst der Empfehlung des Städtetages nicht folgen, der eine Wassertemperatur von 24 Grad für ausreichend hält. Nicht zuletzt deshalb, weil es im Karbener Bad etliche Reha-Angebote gibt. Auch Kurse der geschlossenen Therme in Bad Salzhausen finden mittlerweile hier statt.

Ebenso will die Stadt die Sauna weiter geöffnet halten, weil für deren Aufheizen die Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk genutzt wird. Dafür, dass dies alles offengehalten wird, müssen Badbesucher ab Januar allerdings tiefer in die Tasche greifen. Der Bürgermeister hat eine Preiserhöhung von „mindestens zehn Prozent“ angekündigt. Weitere Maßnahme: Die Nackenduschen sollen abgebaut werden. Einsparung: 10 000 Kilowattstunden pro Jahr.

Fünf Prozent beträgt die Einsparung durch die Reduzierung der Straßenbeleuchtung. Rund 2800 Lampen in der Stadt kosten pro Jahr rund 325 000 Euro. Auch sonst ist der Strom für die Stadt ein gewaltiger Ausgabeposten. Laut Rahn verbrauchen Kläranlage und Kanalnetz 1,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, 650 000 müssen für die Wasserversorgung der Bevölkerung aufgewandt werden. Und eine halbe Million Kilowattstunden kosteten öffentliche Gebäude wie Bürgerhäuser, Sporthallen und Feuerwehrhäuser. Insgesamt schlagen rund 3,1 Millionen Kilowattstunden zu Buche, bei einer durchschnittlichen Strompreiserhöhung von zehn Prozent hätte die Stadt rund 300 000 Euro an Mehrkosten.

STADT BEREITET SICH AUF BLACKOUT VOR

Einen völligen Stromausfall halten die Experten derzeit für unwahrscheinlich. Dennoch bereitet man sich auch in Karben vor.

Die Notfallpläne sehen laut Stadtbrandinspektor Christian Becker vor, dass alle Feuerwehrgerätehäuser als Anlaufpunkte für die Bevölkerung besetzt werden sollen.

Lautsprecherdurchsagen an die Bevölkerung sind vorgesehen, auch der Besatzung an Bord der Lautsprecherwagen könnten Notfälle gemeldet werden. Außerdem sollen alle Sirenen reaktiviert werden.

50 Betreuungsplätze könnten im Dorftreff in Rendel geschaffen werden. Das Haus verfügt über ein Notstromaggregat. „Die gesamte kritische Infrastruktur der Stadt ist mit Notstromaggregaten abgesichert“, sagt Bürgermeister Guido Rahn. Die Wasserversorgung sei für 24 Stunden gesichert und auch die Kläranlage könne normal weiterarbeiten. pe

Den höheren Energiepreisen steuert die Stadt mit Eigenversorgung entgegen. Dazugehören neben der Biogasanlage neun stadteigenen Fotovoltaikanlagen. Eine zehnte ist nun mit der Kita in Burg-Gräfenrode hinzugekommen, wie Stadtrat Mario Schäfer sagte. Er kündigte zudem an, dass die Kläranlage über den Klärbecken faltbare Fotovoltaikanlagen zur Stromerzeugung erhalte. Die Biogasanlage leiste einen erheblichen Beitrag zur Energieversorgung: Rechnerisch würden 5000 Haushalte mit Strom und 1000 Haushalte mit Wärme versorgt.

Am meisten verspricht sich die Stadt aber von den von einem privaten Investor geplanten Windanlagen bei Petterweil: Die vier bis fünf Anlagen sollen zwischen 36 und 45 Millionen Kilowattstunden liefern, „das wäre rechnerisch die Hälfte des jetzigen Karbener Strombedarfs“, wie Schäfer sagte. Er kündigte an, dass ein Nahwärmenetz entstehen soll, das Kläranlage, Bauhof, Schwimmbad und eventuell die Feuerwehr versorgen soll.

Fazit: Hallenbad und Bürgerhäuser bleiben geöffnet, aber es soll Gebührenerhöhungen geben. Zudem sollen die Bürgerhäuser auf eine Optimierung der Nutzung hin überprüft werden.

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