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Die Literaturverfilmung „Nichts als Gespenster“ im Open-Air-Kino beim Hafen 2.

Hafen 2

Filme im Freien

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Nur ab und zu wird die Ruhe gestört durch Flugzeuge, die vorbeifliegen. Ansonsten lässt sich im Hafen 2 das Open-Air-Kino ungestört genießen. Und bei schlechtem Wetter steht ein Beamer bereit.

Unaufdringliche und feinfühlige Unterhaltung für eine laue Sommernacht – Martin Gypkens Episodenfilm „Nichts als Gespenster“ nach dem gleichnamigen Erzählband der Berliner Autorin Judith Hermann erzählt in subtil verflochtenen Geschichten von Sehnsüchten, ohne dabei kitschig zu sein. Da ist zum Beispiel der notorische Nörgler Felix, hervorragend gespielt von August Diehl, der mit seiner Freundin Ellen im schmutzigen Mietwagen quer durch die USA fährt, um seine Beziehung zu retten. Caro verliebt sich in den neuen Freund ihrer besten Freundin Ruth. Und Christine sehnt den angekündigten Hurrikan geradezu herbei, damit ihr Rückflug ausfällt und sie in Jamaika bleiben kann – bei ihrer Freundin Nora und dem muskulösen einheimischen Gärtner, der „nur eine Nacht“ mit ihr verbringen möchte.

Nur gelegentlicher Fluglärm stört

In Offenbach muss man sich vor Hurrikans nicht fürchten, und auch das kurze Gewitter vor der Filmvorstellung bringt niemandem im Open-Air-Kino des Hafen 2 aus der Ruhe. Für alle Fälle ist auch im Gebäude eine Leinwand aufgebaut, aber zum Filmstart bei ausreichender Dunkelheit ist der Himmel ohnehin wieder klar. So können die Zuschauer die Vorstellung im Freien bei Popcorn und Flammkuchen genießen, lediglich gestört durch gelegentlichen Fluglärm und den herüberschwappenden Elektrobass von der nahen Hafeninsel mit dem King Kamehameha Beach Club.
Anfang Mai ist der von dem Verein Suesswasser betriebene Hafen 2 etwas näher nach Frankfurt hin gezogen. Für die gut 830 000 Euro teuren Neubauten am Nordring 129 stellte der Grundstückseigner Mainviertel GmbH 500 000 Euro, der Rest kam durch eine Unterstützeraktion und ein Darlehen zusammen. Das neue Grundstück, das in nur zehn Monaten bebaut wurde, ist gerade mal 800 Meter vom ursprünglichen Standort am alten Lokschuppen entfernt.
Der wird nun endgültig abgerissen, damit auf dem Gelände eine Grundschule gebaut werden kann. „Wir sind sehr zufrieden mit dem neuen Standort“, sagt Andrea Weiß, Initiatorin des Hafen 2. Die Wasserlage mit vorbeifahrenden Schiffen und der Nähe zu Frankfurts Skyline eigne sich besser als das alte Hafenbecken, zudem sei das neue Gelände nicht wie das alte durch eine Straße getrennt. „Und im Gegensatz zur Zwischennutzung des Lokschuppens haben wir nun eine richtige Perspektive“, sagt Weiß.


In diesem Sommer setze der Hafen 2 voll auf Open-Air-Kino, so Weiß weiter, mit bis zu vier Vorstellungen in der Woche, die oft von kleineren Konzerten begleitet werden. „Bis jetzt hat das super funktioniert.“ Vor der viereinhalb Meter hohen und zwölf Meter breiten Leinwand stehen 400 Stühle auf der Wiese. Bei schlechtem Wetter ziehen die Zuschauer einfach ins Gebäude, wo Beamer und Leinwand ohnehin für das Programmkino fest installiert sind. Die Vorführung verzögere sich dadurch um maximal 20 Minuten, sagt Weiß: „Das ist ein Riesenvorteil im Vergleich zu anderen Open-Air-Kinos.“
Das findet auch Hafen-Stammgast Arthur Kohlmann, der eigentlich mit dem Motorrad zur Filmvorführung von „Nichts als Gespenster“ fahren wollte, aber wegen dem Gewitter auf das Auto umgestiegen ist. „Das ist praktisch zu wissen, dass die Filme bei jeder Wetterlage gezeigt werden.“ Grundsätzlich gefalle es ihm im neuen und modernen Hafen 2 besser als beim alten Lokschuppen, sagt Kohlmann. Der Fluglärm und der Bass des Beach Clubs hätten den Filmgenuss zwar etwas getrübt, „aber das lässt sich wohl kaum vermeiden.“

Weitere kontroverse Filme

Ansonsten habe ihm der feinfühlige Film gut gefallen, sagt der Stammgast, „vor allem, weil er großen Raum für Interpretation lässt: Nörgelt Felix nur aus Prinzip oder stellt er das Freiheitsverständnis der USA grundsätzlich in Frage?“ Abschließend lässt sich das wohl nicht beantworten, trotzdem oder gerade deswegen möchte Kohlmann in dieser Saison noch weitere kontroverse Filme im Open-Air-Kino des Hafen 2 sehen.
Zeit hat er dazu noch bis Ende August. Wenn von September an das neue Bootshaus des Rudervereins Hellas Offenbach auf der Kinowiese entsteht, sind die 400 Stühle und die Leinwand bereits weggeräumt. Im nächsten Jahr muss der Hafen 2 sein Freiluftprogramm wohl auf der anderen Seite der Gebäude zeigen, näher an der Straße und am Beach Club.
„Wir müssen schauen, wie es dort mit der Geräuschkulisse und den Autolichtern wird“, sagt Andrea Weiß vom Hafen 2. Letztendlich ist es aber wie in „Nichts als Gespenster“, wo die Umgebung nur als unbedeutende Kulisse für die Sehnsüchte der Figuren dient: Was wirklich zählt, ist der Inhalt.

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