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Auftragskiller im Wunderland

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Der Kasseler Nachwuchsregisseur Daniel Stieglitz erhält für seinen Kurzfilm den Hochschulpreis. Von Anstrid Ludwig

Von Astrid Ludwig

Was macht ein Auftragskiller, wenn er von der kleinen Tochter seines Opfers für den Weihnachtsmann gehalten wird? In Daniel Stieglitz´ Kurzfilm "Spielzeugland Endstation" erzählt der Killer Gute-Nacht-Geschichten. Statt zu töten, verstrickt sich der Alte immer tiefer in die kindliche Traumwelt und entdeckt Fähigkeiten, die er längst verloren zu haben glaubte. Plötzlich kann er wieder spielen, träumen, lachen. Ohne seinen Auftrag auszuführen, verlässt er die Wohnung des Opfers - in der Gewissheit jetzt selbst zur Zielscheibe zu werden.

Die Idee des einsamen Killers trägt der 29-jährige Stieglitz schon seit langem mit sich herum. Eigentlich sollte es ein Thriller werden über einen Mörder in der Sinnkrise. Herausgekommen ist jedoch ein emotionaler, in Stellen sehr anrührender Kurzfilm über die Einsamkeit, der dem Nachwuchs-Regisseur die Auszeichnung als bester Hochschulabschlussfilm des Hessischen Film- und Kinopreises eingebracht hat.

Eine Nominierung und Auszeichnung, die den jungen Drehbuchautor unerwartet traf. "Vor Freude bin ich erst mal in der Wohnung herumgehüpft", erzählt er.

Die Jury lobt Stieglitz´ Arbeit als "eine studentische Energieleistung, getragen von Enthusiasmus, Herzblut und unbändiger Freude an großem Kino". Außerordentlich sei der Film, die Schauspielführung, detailverliebt in der Ausstattung und mutig im Flanieren durch die diversen Handlungsebenen. Das Werk des jungen Regisseurs "zeichnet sich durch Gespür für filmisches Handwerk und für stimmungsbetontes Erzählen aus".

Dabei sah während der Produktion und dem Dreh alles gar nicht so rosig aus. "Spielzeugland Endstation" war in seiner Entstehung durchaus ein schwieriger Film, erzählt der 29-Jährige. Es habe viel Streit im Produktions-Team um die Ausrichtung des Films gegeben. Zwei Mitarbeiter stiegen vor dem Drehende aus, weil sie den Inhalt zu rührselig fanden. "Oft ist man ja selbst sein ärgster Kritiker", sagt Stieglitz im nachhinein. Den Stärken seines Films habe er zum Schluss gar nicht mehr so richtig vertraut.

Den ersten 90-Minuten-Film dreht er in der Wohnung der Großmutter

Zu Unrecht: Der Film erhielt nicht nur die Auszeichnung des hessischen Filmpreises, sondern wurde auch beim Max-Ophüls-Festival Saarbrücken für den besten mittellangen Film nominiert. Daniel Stieglitz sieht mit Bart und Baseball-Kappe aus wie die junge Version eines Steven Spielberg. Filme zu machen, war schon immer der Wunsch des Absolventen der Kunsthochschule Kassel.

Ihm geht es um Emotionen. Großes Kino müsse Gefühle erzeugen können. Das ist zumindest sein Anspruch. Der Jung-Regisseur setzt dabei aber nicht auf schwierige Beziehungsdramen, sondern auf das unterhaltsame Thriller- und Grusel-Genre. "Dort Erfolg zu haben, ist einfacher", gibt er ganz unumwunden zu.

Seinen ersten 90-Minuten-Film drehte er in der Wohnung seiner Großmutter, die gerade ins Altersheim gezogen war. Eine Art Spukfilm mit dem Titel "Happy End", der gleich einen Preis als bester Debüt-Film beim Internationalen Independent Filmfestival in Brüssel gewann und auch unterdessen bei Amazon als DVD ausgeliehen werden kann.

Stieglitz hat dafür und auch für "Spielzeugland Endstation" bekannte Gesichter in den Hauptrollen gewinnen können. Den bösen Vater und den einsamen Killer spielt Erwin Leder, den Cineasten aus weltbekannten Kinostreifen wie "Das Boot" oder "Schindlers Liste" kennen. Sein Gesicht fiel dem Kasseler beim Surfen durch die Datei einer Schauspieler-Agentur auf. Er rief Leder an ohne zu wissen, dass der schon mit Spielberg oder auch Petersen gedreht hatte. "Ich fand einfach sein Gesicht passend für die Rolle". Leder gefiel das. Er spielte sogar ohne Gage für den Hochschulfilm. "Beim Drehbuch für Spielzeugland hatte ich ihn dann schon im Kopf und habe ihm die Rolle des Killers auf den Leib geschrieben", sagt Stieglitz.

Der 29-Jährige, unterdessen Vater einer kleinen Tochter, arbeitet schon am nächsten Projekt. Zusammen mit dem österreichischen Produzenten Paul Harather will er wieder einen weiteren Grusel-Thriller drehen.

Stieglitz hat das Drehbuch geschrieben und wird auch Regie führen. Der Streifen soll dann auch ins Kino kommen, zunächst in Österreich. Vielleicht wird aus dem Kasseler Hochschul-Absolventen ja noch ein deutscher "Suspence"-Meister.

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