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Neubürger Romeo (elf Monate) ist zusammen mit Mama in die Hofheimer Stadthalle gekommen.

Hofheim

Aufruf zum neuen Miteinander

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Erster Neujahrsempfang mit Neubürgern, Alteingesessenen und Vereinen kommt gut an.

Ein kleiner Promi-Tisch für die „Wichtigen“ im Land, im Kreis und in der Stadt vorn in der Mitte des riesigen Saals soll reichen. Der Rest gehört dem Volk. So sollte es sein, so ist es geworden beim ersten Neujahrsempfang in der Stadthalle seit der Amtsübernahme von Christian Vogt (CDU) als Bürgermeister. „Ein Empfang für alle, von Hofheimern für Hofheimer, das ist die Idee“, so Vogt. Er sagt das im Zwiegespräch draußen im Foyer, wo sich knapp 30 Vereine und viele Menschen drängen, um für sich und ihre Ideen zur Stärkung der Gemeinschaft zu werben. Die Idee zieht sich durch die Gespräche der 500 Gäste und ein bisschen auch durch den Duft der Kartoffelsuppe, die ein Dutzend Feuerwehrfrauen aus dem Ortsteil Wildsachsen nach den kurzen Festreden auftischen. „Wir haben wochenlang Kartoffeln geschält“, sagt eine lächelnd beim Rühren in den großen Töpfen.

„Wir brauchen ein neues Miteinander“, fordert der Bürgermeister in seinem Grußwort. Der Präsident des Hessischen Landtags, Boris Rhein, wird diesen Gedanken später aufnehmen. In seinem Lob des Ehrenamts und all derer, „die dafür sorgen, dass die Stadt funktioniert“. Staatstragend seine Festrede in allen Facetten, hinter ihm an der Bühnenwand hängen die Wappen Hofheims und aller sechs Ortsteile in Eintracht nebeneinander. Im Kleinen und im Großen, „der Staat lebt von Initiative, er lebt von der Übernahme von Verantwortung“, so der frühere Innenminister und Wissenschaftsminister.

Die Premiere des ersten Neujahrsempfangs zu Beginn der „Neuen Zwanziger Jahre“, mit denen so viel Hoffnung verbunden ist, folgt dieser Idee. Alteingesessene und Neubürger wurden angeschrieben und eingeladen. Wer kommt, bringt auch was mit, Ideen, Initiativen, Projekte zum Wohl der Gemeinschaft. Die Kartoffelsuppe der Verpflegungseinheit der Feuerwehr und den Prosecco zur Begrüßung im Foyer nimmt Rhein bei der Selbstabholung dankend an, die weiteren Getränke zahlt er. „Nehmt die Dinge, die euch betreffen, selbst in die Hand, der Staat ist kein Dienstleister, kein Versandhandel.“

Als ob die Bürgerstiftung Hofheim den CDU-Politiker Rhein beim Wort nähme, steht im rappelvollen Foyer der Vorsitzende des Umweltausschusses Rolf Engelhard (SPD) mit Jessica Nelle von der Geschäftsstelle der Stiftung im Rathaus und wirbt um Spenden für ein richtig großes Bürgerprojekt. „Gemeinsam für Hofheim“ steht drüber, Geld für die Finanzierung von 10 000 Bäumen für den Stadtwald wollen sie sammeln. Binnen fünf Jahren soll neues Leben auf von Borkenkäfern und Trockenheit zerstörten Waldflächen blühen.

Die Idee vom Neujahrsempfang fürs Volk kommt gut an, der neue Bürgermeister sammelt heute reichlich Pluspunkte. „Das finde ich gut“, sagt Ingrid Bender vom Förderkreis der Städtepartnerschaften, die um Mitstreiter für die Völkerverständigung auch über die Ortsgrenzen hinaus wirbt, jeder hier nickt dazu. Und Vogt kann sich freuen, dass es schon jetzt viele gibt, die das neue Miteinander mitgestalten wollen.

„Werden es wieder die Goldenen Zwanziger?“ Die Frage des Rathauschefs, gestellt in die große Runde, bleibt offen. Als wichtigste Ziele und Herausforderungen der Stadt in 2020 nennt Vogt den neuen Haltepunkt der Regionalbahnen an der „Wallauer Spange“, um die Anbindung an Wiesbaden und Frankfurt zu verbessern, den Ausbau der Glasfasernetze in den Ortsteilen und die Digitalisierung der Verwaltung, die Errichtung eines „Handwerkerparks“ auf 7000 Quadratmeter Fläche in Diedenbergen und das Meistern der eigenständigen Bewirtschaftung des Stadtwaldes, die zu Jahresbeginn von Hessen-Forst übernommen wurde.

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