Alexandra Röder hat den Goldockerhof im vergangenen Jahr ersteigert.
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Alexandra Röder hat den Goldockerhof im vergangenen Jahr ersteigert.

Offenbach

Aufräumen auf dem Goldockerhof

  • vonFrank Sommer
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Die neue Eigentümerin des Goldockerhofs möchte ab Mai eine Reitschule eröffnen. Die Nachbarn helfen beim Entrümpeln.

Idyllisch“ ist ein Begriff, der oft fällt, wenn man die Lage des Goldockerhofs beschreiben will: Nahe des Mains zwischen dem Schlosspark Rumpenheim und dem Tempelchen Biebernsee gelegen, umgeben von Rapsfeldern und einem Reitplatz. Das Idyll endete in den vergangenen Jahren aber jäh, wenn man den Reiterhof besuchen wollte: der Biergarten verfallen, die namensgebende gelbe Fassade bröckelig, der südliche Reitplatz völlig überwuchert.

Damit soll aber nun Schluss sein; seit Anfang April hat die neue Besitzerin Alexandra Röder aus Hanau Zugang zu dem Gelände. Die 35-jährige Wirtschaftsingenieurin und Reitlehrerin hat die Immobilie im vergangenen Jahr ersteigert, doch Unstimmigkeiten mit den früheren Besitzern sorgten dafür, dass sie erst zum 31. März den Hof in Besitz nehmen konnte.

Der klägliche äußere Zustand des Hofes ist im Inneren noch viel schockierender: Alle Räume seien mit Gerümpel und Abfall vollgestopft gewesen, die Heizungsanlage ist abmontiert, die Heizkörper hängen ohne Funktion in den Zimmern. „Keine der acht Toiletten im Erdgeschoss funktionierte, außerdem gibt es kein Warmwasser“, sagt Röder. In der Küche des einstigen Gastronomiebetriebs „Reiterstube“ schrubbt Röders Mutter Brigitte Engel die Fliesen und Geräte. „Hier drin konnte man nichts anfassen“, sagt sie. Helfer haben fast ein Dutzend Kühlschränke aus dem Gebäude zum Abtransport in den Hof gebracht. „In denen lagerten seit Jahren abgelaufene Lebensmittel“, sagt Röder. Sieben Container Abfall hat sie bisher abtransportieren lassen.

Dass ihr Nachbarn, ihre Reitschüler aus Hanau und Reiter, die ihre Pferde im Hof untergebracht haben, beim Entrümpeln helfen, freut Röder. „Ich wurde unglaublich herzlich empfangen“, sagt sie; man spüre, wie sehr der Gold-ockerhof den Bürgern am Herzen liege. Auch Ehrenamtliche der Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR) boten Röder spontan Hilfe an. „Wie der Hof so verfallen konnte, dazu gibt es verschiedene Versionen – wichtiger ist aber, dass es nun endlich wieder aufwärtsgehen kann mit der Anlage“, sagt Bruno Persichilli von der Bürgerinitiative.

Ab Mai möchte Röder auf dem Hof eine Reitschule und Pferdepension eröffnen; mit der Stadt verhandelt sie zudem über die Einrichtung einer Pension für Reitschüler. „Dafür wäre das Gebäude ideal“, sagt sie, die Räume in den beiden Obergeschossen verfügen jeweils über ein eigenes Badezimmer. Auch die Wiedereröffnung des Gastronomiebetriebs hat sie auf ihrer Wunschliste, „aber erst einmal muss die Reitschule laufen.“

Zwei Schulpferde und drei Ponys leben sich bereits seit dieser Woche in ihrem neuen Zuhause ein. An Interessenten für die Reitschule mangele es nicht, täglich gebe es Anfragen. „Ich werde Reitunterricht für Kinder wie für Erwachsene anbieten“, sagt sie.

Bis der Hof in alter Pracht erstrahlt, ist es aber noch ein weiter Weg: Dach und Seitenwand der kleinen Reithalle müssen erneuert, die Stallungen ausgemistet werden. Ratten und Mäuse haben es sich dort mit den Jahren gemütlich gemacht, Röder hat sich eigens zwei „Betriebskatzen“ zugelegt, die die Nager fernhalten sollen.

„Wie viel die ganze Instandsetzung kosten wird, das möchte ich gar nicht wissen – ich gehe es schrittweise an.“ Die Frage, ob sie den Hof auch ersteigert hätte, wenn sie von den Zuständen gewusst hätte, bejaht sie, ohne zu zögern. „Einen Reiterhof zu besitzen, war mein Traum von klein auf. Ich weiß gar nicht, wie viele Reiterhöfe ich aus Lego als Kind gebaut habe“, sagt sie und lacht.

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