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Petra K. Schäfer lehrt an der Frankfurt University of Applied Sciences.

Autonomes Fahren  

Autonome Busse am Mainuferweg ab Herbst

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Im öffentlichen Nahverkehr sollen sich schon bald autonome Fahrzeuge durch den Straßenraum bewegen. 

Bislang gab es in Hessen einzig Tests auf Privatgelände: Auf dem Campus der Frankfurter Fachhochschule und am Flughafen waren bereits autonom fahrende Busse unterwegs. Im Herbst sollen sie im öffentlichen Straßenraum rollen. In Deutschland gibt es das bislang nur in Friedrichshafen, sagt Petra K. Schäfer, Professorin für Verkehrsplanung an der Frankfurt University of Applied Sciences.

Frau Schäfer, ist es nicht merkwürdig, sich einem selbstfahrenden Fahrzeug anzuvertrauen?
Interessanterweise nein. Bei unserem Test auf dem Campus haben wir die Passagiere befragt. Die haben gesagt, es war ihnen etwas eng – das Gefühl in dem Sechssitzer ähnelt dem im Fahrstuhl. Aber es hat niemanden gestört, dass keiner am Steuer sitzt. Dieses Vertrauen in die Technik war extrem hoch. Das hat mich auch gewundert.

Auf dem Campus sind eher jüngere Leute unterwegs, die womöglich expermentierfreudiger sind als viele der Passanten, die am Mainufer unterwegs sind. Werden sich auch die Skeptiker trauen?
Ich hoffe es. Das Spannende ist, erauszufinden, ob ein Einsatz im normalen Betrieb möglich wäre. Nicht nur in so einer Eventsituation. Deshalb ist es wichtig, dass sich da auch Skeptiker reintrauen und sagen, ob sie sich wohlfühlen oder nicht.

Am Mainufer sind auch Fußgänger unterwegs. Ist das nicht gefährlich für sie?
Es sitzt eine Person im Fahrzeug, die bei eventuellen Schwierigkeiten auf den Knopf drücken kann. Anders ist das nicht erlaubt. Am Campus rollte das Fahrzeug auch mitten im Fußverkehr, und die Studenten sind immer davorgelaufen, sodass es angehalten hat. Die Sensoren funktionieren sehr gut. Das Problem war eher, dass das Fahrzeug nicht vorankam.

Ist es nicht paradox, wenn der Mainuferweg einerseits für den Verkehr gesperrt wird, andererseits dann E-Busse fahren?
Ich finde es gut, das Fahrzeug dort fahren zu lassen und nicht im normalen Straßenverkehr. Es ist leise, die Trasse ist festgelegt und auch viel kleiner, als die, auf der jetzt die Autos fahren.

Für den ländlichen Raum plant der RMV ebenfalls Testläufe. Das werden dann längere Strecken sein, oder?
Ja. Man muss sich langsam herantasten. Jeder denkt beim autonomen Fahren nur an den Individualverkehr. Die Idee, die Technik im öffentlichen Nahverkehr einzusetzen, ist total schlau. Auf Strecken ohne gute Anbindung hat das absolut Sinn. Ich fände es aber auch spannend, wenn man das autonome Fahrzeug bis zur U-Bahn-Station Dom/Römer durchschleusen könnte. Leider ergeben sich da wieder neue Probleme.

In Frankfurt ist das Netz im öffentlichen Nahverkehr recht gut. Braucht man dieses Verkehrsmittel überhaupt in der Stadt?
Auch in Frankfurt gibt es einige schlecht angebundene Bereiche. Was für Frankfurt spricht ist, dass für den Testlauf die gesperrte Strecke am Main zur Verfügung steht. Dort können sich viele Menschen ein Bild davon machen. Aber es hat Sinn, dass der RMV in den ländlichen Raum gehen will.

Was ist der Vorteil gegenüber dem normalen Linienbus?
Der klassische Bus ist betriebswirtschaftlich teurer, weil die Fahrerkosten hoch sind und das Gefäß größer. Angesichts des Fahrermangels wird es auch immer schwieriger, Personal zu finden. Ein Bus auf dem Land fährt derzeit im Takt von einer Stunde oder auch zweien. Ein solches Fahrzeug aber kann im Pendelbetrieb alle halbe Stunde vorbeikommen.

Aber für den Schülerverkehr gibt es doch sicher weiter den großen Bus mit Fahrer?
Ja. Dafür ist das Gefährt zu klein. Es eignet sich für Schwachlastbereiche, in denen man zur Zeit nichts mehr ordentlich anbieten kann. Wo schon jetzt andere Verkehrsmittel unterwegs sind – etwa Anrufsammeltaxis. Das kann eine gute Ergänzung sein.

Kommen die Fahrzeuge dann auch auf Bestellung, oder fahren sie im regelmäßigen Takt?
Im Testlauf ist es ein Pendelbetrieb. Das Ganze ist ja brandneu. Wir testen das jetzt aus und wissen, dass das noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Es wird nicht so sein, dass ein halbes Jahres später der Bus eingeführt wird. Wo ist das Potenzial? Wo funktioniert es und wo hat es keinen Sinn? Wie werden die Kunden es annehmen? Das wollen wir herausfinden.

Sie wollen das wissenschaftlich begleiten. Wer zahlt?
Wir planen, dafür Forschungsmittel beim Land Hessen zu beantragen.

Und am Ende steht ein bundesweit anwendbares Konzept zum autonomen Fahren im öffentlichen Nahverkehr?
Ja, wir wollen die Passagiere befragen, die Experten, die für den Betrieb des Fahrzeugs verantwortlich sind, und dann den RMV beim Einsatz im öffentlichen Raum beraten.

Interview: Jutta Rippegather

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