+
Häuser links, Häuser rechts? Ob entlang der A 5 in Frankfurts Nordwesten tatsächlich gebaut wird, ist völlig ungewiss. 

Neuer Stadtteil für Frankfurt

Neuer Stadtteil für Frankfurt: „Einverständnis der Nachbarn nötig“

  • schließen

Der Grüne Frank Kaufmann spricht über die Ablehnung eines neuen Frankfurter Stadtteils und wo tatsächlich Platz für Wohnungen ist, wenn man schnelle Lösungen will.

Frankfurt will einen neuen Stadtteil bauen, doch in der Nachbarschaft ist der Widerstand gegen die großstädtischen Pläne groß. Am 13. Dezember wird es voraussichtlich eine Mehrheit in der Regionalversammlung Südhessen ablehnen, das Gebiet westlich und östlich der A5 für das Wohnen freizugeben. Wir haben mit Frank Kaufmann, selbst Mitglied in der Regionalversammlung und der für Landesentwicklung zuständige Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, über die Gründe gesprochen.

Herr Kaufmann, wer soll Frankfurts Probleme bei der Wohnbebauung lösen?
Das kann Frankfurt nicht allein, dazu braucht es die nähere Umgebung.

Das heißt?
Wirtschaftsminister Al-Wazir hat dazu den Großen Frankfurter Bogen ins Gespräch gebracht. Wohnungen sollen demnach dort entstehen, wo es öffentlichen Nahverkehr gibt und von wo aus der Frankfurter Hauptbahnhof damit in 30 Minuten zu erreichen ist. Wir als Grüne wollen rasche Lösungen schaffen, dazu braucht es sinnvoll bebaubare Flächen und eine bestehende Anbindung. Ich weiß selbst aus leidvoller Erfahrung als Dietzenbacher, dass es 30 Jahre dauern kann vom Versprechen bis dahin, dass der erste Zug tatsächlich rollt.

Jetzt hat Frankfurt ja selbst eine Idee, wie das Problem zu lösen wäre, nämlich mit einem ganzen neuen Stadtteil an der A5, auf eigenem Grund und Boden und versehen mit dem Versprechen, durch die Verlängerung der U7 eine Nahverkehrsanbindung zu schaffen. Was spricht dagegen, das genauso zu machen?
Zunächst einmal haben führende Frankfurter Politiker, wie das so ihre Art ist, in der Kommunikation alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Da wird groß gedacht, und alles drumherum ist egal. Oberbürgermeister Peter Feldmann und Planungsdezernent Mike Josef haben überhaupt nicht beachtet, dass sie das nicht alleine entscheiden können, sondern dass die Regionalversammlung und der Regionalverband als überörtliche regionale Gremien mitzureden haben. Auch der private Grundbesitzer kann ja nicht tun, was er will, sondern er braucht eine Baugenehmigung und das Einverständnis der Nachbarn. Man sollte doch nicht wirklich glauben, innerhalb von zehn Jahren in einem solchen Umfang Wohnungen errichten zu können.

Ist das eine Frage des schlechten Stils, der die Atmosphäre verdirbt? Stellt man sich deshalb in der Region beleidigt hin und lehnt das Projekt ab?
Beleidigtsein mag es geben, aber das ist kein rationales Kriterium. Es geht darum, zu prüfen, ob diese Planung der Stadt Frankfurt die Belange der Anlieger berücksichtigt, und natürlich um die Frage von Klimaschutz und dem Erhalt der Grünzüge. Die Flächen an der A5 gehören größtenteils zum regionalen Grünzug und sind wichtig, um zu verhindern, dass wir einen ineinanderfließenden Siedlungsbrei bekommen wie etwa im Großraum Paris oder London. Und dann ist da noch die Frischluftversorgung. Bei jeder Planung müssen wir fragen, was kann sie leisten, um mit dem Blick auf den Klimawandel Schlimmeres zu verhüten.

Wenn der Klimaschutz an erster Stelle steht, heißt das, dass man überhaupt nicht mehr bauen kann, jedenfalls nicht dort, wo heute eine Freifläche ist?
Nein, das stimmt so nicht. Aber man muss beispielsweise die Frischluftschneisen prüfen und sie erhalten, gerade bei einem solchen Großprojekt wie einem neuen Stadtteil. Für schnelle Lösungen beim Wohnungsbau, wie wir sie ja tatsächlich brauchen, wäre es auch viel sinnvoller, die heute schon bebaubaren Flächen in der Region zu nutzen, da stehen rund 2000 Hektar im regionalen Flächennutzungsplan zur Verfügung. Und auch an der A5 kann man bauen, aber eben deutlich weniger als jetzt im Raum steht. Aber 50 Hektar, die dort möglich scheinen, bieten ja auch immerhin Platz für 3000 Wohnungen.

Können wir in der Region den erwarteten immensen Zuzug überhaupt bewältigen? Die Rede ist von 250 000 Menschen und mehr.
Ich bin nicht so sicher, ob diese Vorhersagen wirklich die Zukunft abbilden. Vor zehn Jahren noch hat man geglaubt, es gibt keinen Zuwachs mehr. Jetzt haben wir einen Riesenhype, alle wollen nach Frankfurt. Wer weiß, was in zehn Jahren ist? Wenn die Analyse stimmt, dass wir gar nicht genug Wohnungen für Menschen haben, die hier einen Arbeitsplatz bekommen, müssen vielleicht auch die Unternehmen selbst dafür sorgen, dass sie Werkswohnungen anbieten können. Kurz gesagt, wir können solange keine neuen Arbeitsplätze in der Region brauchen, wie wir für die Arbeitnehmer nicht genug Wohnraum haben. Man sollte im Übrigen auch nicht ausschließen, Gewerbeflächen für die Wohnbebauung umzuwidmen.

Was sagen Sie Menschen, die keine neue Nachbarschaft wollen?
Es gibt kein Recht auf Zuzugsverhinderung. Die Kommune muss es natürlich wollen, deshalb ist es ein politischer Prozess vor Ort, das hinzubekommen.

Gibt es zu viel Kirchturmdenken in der Region, wie es Ihre Parteifreundin, die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, in einem Gastbeitrag für die FR moniert hat?
Natürlich gibt es da ein Kirchturmdenken. Die Haltung, wir wollen nicht wachsen, wir wollen keine neuen Nachbarn, die gibt es ja auch bei der Innenraumverdichtung. Da sind schon Leute vor Gericht gezogen, weil sie keinen Schatten auf ihrem Küchentisch haben wollten. Auch da gibt es kein Recht auf einen sonnenbeschienenen Küchentisch.

In Ihrer Ablehnung der Bebauung an der A5 sind sie sich mit der CDU in der Regionalversammlung ja einig. Kommen sich CDU und Grüne dort näher?
Wir haben da nicht dieselbe Haltung. Wenn ich es recht verstehe, will die CDU gar nicht bauen. Wir als Grüne sagen, wir müssen die Grünzüge beachten, die Frischluftschneisen, den 400-Meter-Abstand zu den Stromtrassen und so weiter. Das schließt, wie gesagt, nicht jede Bebauung aus. Aber wir werden zum jetzigen Zeitpunkt keinem riesigen Siedlungsgebiet zustimmen. Nicht dort, nicht rund um das Main-Taunus-Zentrum und auch nicht im Wiesbadener Ostfeld.

Interview: Peter Hanack

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare