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Betreuungsroboter Zora bei einem Probe-Arbeitstag in einem Seniorenzentrum.  

Hessen

Der Arzt kommt auch in Hessen  via Computer zum Patienten

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Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist ein boomender Markt. Das zeigt ein Kongress in Frankfurt.

Apps helfen bei Depressionen oder psychischer Belastung. Der Arzt kommt per Tabletcomputer zum Patienten. Und der Roboter unterstützt das Personal im Pflegeheim: Was nach Science Fiction klingt, ist mancherorts längst Realität. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet mit großen Schritten voran, die Branche boomt.

Das spiegeln die wachsenden Teilnehmerzahlen des E-Health-Kongresses Rhein-Main in Frankfurt wider: 480 Experten und Fachaussteller diskutierten am Mittwoch in der Räumen der IHK an der Börse über aktuelle Entwicklungen und innovative Ansätze. Und nutzten zeitgleich die Gelegenheit, sich und ihre Angebote zu vorzustellen. Veranstalter des sechsten Kongresses dieser Art: der Verein Gesundheitswirtschaft Rhein-Main, die Techniker Krankenkasse, die IHK Hessen und das hessische Ministerium für Soziales und Integration.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat ihnen die Vorlage geliefert: Alle begrüßen das Digitale Versorgungs-Gesetz, das eine Vernetzung sämtlicher Leistungserbringer erreichen soll. Der IHK-Vizepräsident Michael Groß verspricht sich einen Schub für den hessischen Mittelstand: „Die Gesundheitsbranche ist eine der Kernbranchen in Hessen und Rhein-Main.“ Sozialminister Kai Klose (Grüne) sieht in der Telemedizin den „Schlüssel zu einer weiterhin wohnortnahen Versorgung“. Der Vorsitzende der Initiative Gesundheitswirtschaft, Michael Burkhardt, fordert ein Haftungsgesetz wie in den USA. In Europa gebe es noch viele Vorbehalte gegen Operationen per Künstliche Intelligenz. Diese seien schnell ausgeräumt, wenn Ärzten aus Fleisch und Blut bei Kunstfehlern utopische Geldstrafen drohten. Und die Techniker Krankenkasse (TK) sieht sich als Vorreiterin. Sie bietet ihren Mitgliedern bereits das an, was in zwei Jahren alle Krankenkassen vorhalten sollen: Eine elektronische Gesundheitsakte, auf der sämtliche medizinisch relevanten Daten gespeichert sind. In Hessen seien sechs Kliniken angeschlossen, bundesweit rund 12 000 Ärzte, sagt Markus Schlobohm, zuständig für die Unternehmensentwicklung der TK. Die Neuerung vermeide Mehrfachuntersuchungen und könne in Notfällen Leben retten.

Vertreter der Patienten sind bei dem Kongress nicht dabei, was die Veranstalter selbstkritisch anmerken. Das Thema Schutz der Daten spielt nur am Rande eine Rolle. Klose spricht es an: Die Sicherheit müsse gewährleistet sein, mahnt er. „Man muss die Bürger informieren, so dass sie selbst in der Lage sind, sich zu entscheiden. Telemedizin bringe medizinische Expertisen zu den Menschen, überbrücke Distanzen, könne Patienten lange Wege zum Arzt ersparen, um etwa Blutzucker zu messen. „Sie kann den Arzt aber nicht vollständig ersetzen.“ Für Groß hingegen steht außer Frage, dass es auch darum geht, Lücken zu stopfen, die sich speziell auf dem Land durch den Ärztemangel auftun. Das sei im Gesundheitswesen doch nichts anderes als in anderen Wirtschaftszweigen, sagt der IHK-Vertreter. „Es gibt einen Fachkräftemangel.“ Digitale Lösungen könnten zum Beispiel das medizinische Personal von Bürokratie entlasten. Und eine App mit sämtlichem Notfalldaten auf dem Handy sei doch ein großer Fortschritt.

App auf Rezept

Nächstes Jahr tritt das neue Digitale-Versorgungs-Gesetz in Kraft. Ziel ist, Leistungserbringer wie Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte, Pflegeeinrichtungen oder Apotheken flächendeckend verbinden. 

Medizinisch sinnvolle Apps gibt es auf Rezept, Online-Sprechstunden werden erleichtert, Telemedizin gestärkt. 

Grundlage bildet ein gut ausgebautes sicheres Datennetz.  

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