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Steigende Miete wird zur Last

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Nach 45 Arbeitsjahren lebt Irene Z. im prekären Dauerzustand. Bitterkeit ist spürbar, wenn sie von ihrer Berufslaufbahn erzählt.

Gut erinnert sich Irene Z. an die beengten Verhältnisse in ihren Kindheitstagen – damals stand das Bett der aus Frankfurt-Sachsenhausen stammenden Frau hinter der Wohnzimmertür. Heute lebt die 81-Jährige in Bad Homburg auf 50 Quadratmetern Wohnfläche, zurückgezogen und kaum bewegungsfähig.

Ohne Aufschläge vom Sozialamt und Zuwendungen der Altenhilfe gehe es nicht, sagt die gelernte Großhandelskauffrau, deren Rente bei monatlich 800 Euro liegt. Ihre aktuelle Kaltmiete beziffert sie mit 416 Euro. Dass in dem von der Stadt Bad Homburg verwalteten Mehrfamilienhaus die Mieten im zweijährigen Turnus um bis zu 50 Euro pro Monat angehoben werden, bezeichnet Irene Z. als „mein Elend“. „Es bleibt kaum noch etwas zum Leben.“

Bitterkeit ist spürbar, wenn sie von einer 45 Jahre währenden Berufslaufbahn erzählt, die sie als Buchhalterin in diversen Firmen – „darunter eine Frankfurter Mayonnaisefabrik und ein Briefmarken-Auktionshaus“ – verlebte. Eine „Springer“-Existenz, die wenig zur Alterssicherung übrig gelassen hat.

Als Alleinstehende sei sie stets mit den höchsten Beiträgen zu Steuer und Krankenversicherung konfrontiert gewesen. Einmalig bleibt eine Episode mit Ehemann – „das war nix“. Längst sind alle Verwandten und engen Freunde verstorben, sind Sofa und Stühle durchgesessen. „Mein gesamtes Mobiliar ist zusammengestoppelt und altersschwach.“

Wenn Haushaltsgeräte zur Reparatur müssen, gerät die finanzielle Situation in Schieflage. „Geld für Anschaffungen ist sowieso nicht vorhanden.“ Prekär sei die Lage immerzu.

Zur vorübergehenden Linderung ihrer gesundheitlichen Leiden – „Diabetes, Bluthochdruck, Arthrose, Verkrümmung der Wirbelsäule“ – benötigt sie ständig Medikamente, die sie oft selbst bezahlen muss. Massagen, die früher geholfen haben, sind nicht zu finanzieren. Beschwerlich ist der Weg von der im zweiten Stock gelegenen Wohnung zu Lebensmittelladen und Arztpraxis.

Irene Z. vermisst das Auto, mit dem sie früher ihren Radius ausdehnen konnte. „Aber ich habe ja schon Last genug, die Wohnung zu halten.“ An einen Ausflug der Altenhilfe nach Seligenstadt erinnert sie sich deshalb besonders gerne. „Das ist schon eine tolle Sache.“

Wegen ihrer schadhaften Wirbelsäule wäre die Anschaffung einer geeigneten Matratze dringend nötig. Ein Wunsch, der bald realisiert werden soll. Sparsam wird es auch am Weihnachtsabend zugehen, wenn die 81-Jährige sich „etwas Gutes zum Essen“ gönnen möchte. Am eigenen Herd zubereitet natürlich.         

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