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Ardi Goldman muss hinter Gitter

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Von: Stefan Behr

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Mit Wut unter dem Hut betritt Ardi Goldman im Oktober 2015 die Showbühne des Landgerichts.
Mit Wut unter dem Hut betritt Ardi Goldman im Oktober 2015 die Showbühne des Landgerichts. © Andreas Arnold

Der Immobilieninvestor Ardi Goldman kommt ins Gefängnis. Der BGH verwirft nach langer Beratung die Revision des Frankfurters.

Der Frankfurter Immobilieninvestor Ardi Goldman muss ins Gefängnis. Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilt, hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Revision des 55 Jahre alten Paradiesvogels der Immobilienbranche gegen das Urteil des Frankfurter Landgerichts als unbegründet verworfen. Der BGH bestätigt das.

Das Landgericht hatte Goldman im November 2015 in einem vielbeachteten Prozess wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Dieses Urteil ist nun rechtskräftig. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass Goldman und seine Mitangeklagten für den Abschluss von Erbbaupachtverträgen für die Cargo City Süd einen Manager der Fraport AG mit Millionensummen geschmiert haben. Der zunächst mitangeklagte Manager war während des Landgerichtsprozesses mit dem Auto tödlich verunglückt.

Gleichfalls als unbegründet verworfen hat der BGH die Revision des mitangeklagten Heidelberger Bauunternehmers Jürgen Harder. Im Gegensatz zu Goldman hatte der smarte Harder ein Geständnis abgelegt, was ihn letztlich vor einer Haftstrafe bewahrte. Harder wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt, zudem wurde gegen ihn der „Verfall von Wertersatz“ in Höhe von 14,4 Millionen Euro angeordnet – Harder hatte gehofft, diese Summe durch eine erfolgreiche Revision schmälern zu können.

Während Harder und die anderen Mitangeklagten sich vor dem Landgericht im Rahmen ihrer Möglichkeit am Riemen rissen, tat Goldman dies erwartungsgemäß nicht. Er glänzte dort durch das Tragen bizarrer Hutmode, durch inszenierte Auftritte, die die Anklagebank zeitweise in eine Showbühne verwandelten, und mit einer Hartleibigkeit und Beratungsresistenz, die seinen Verteidiger mitunter an den Rand der Resignation trieb. Goldman beteuerte bis zuletzt seine Unschuld und gab an, dass Bestechungen im Frankfurter Immobilien- und Spekulationssegment noch nie eine Rolle gespielt hätten. Die Kammer vermochte diesen Ausführungen nicht zu folgen. Selbst bei der Urteilsverkündung sah sich Goldman außerstande, auf der Anklagebank mal kurz die Klappe zu halten.

Haftbeginn  noch unklar

Wann genau und wo Goldman seine Haftstrafe antreten muss, steht noch nicht fest, die Staatsanwaltschaft will demnächst über Haftbeginn und Justizvollzugsanstalt entscheiden. Doch bereits nach dem Urteilsspruch hatte Goldman mit den wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen: Banken verweigerten plötzlich Kredite, die sie dem früher so erfolgreichen Stadtteilentwickler, der vor allem für das Ostend in seiner heutigen Form verantwortlich zeichnet, geradezu aufgedrängt hatten. Goldman, der sich selbst immer eher als Impresario denn als Spekulant verstand und dementsprechend inszenierte, zeigte sich nach dem Urteil enttäuscht über Justiz, Banken und Stadtgesellschaft, es wurde zunehmend ruhiger um ihn.

Der Prozess hatte damals interessante Einblicke in die Frankfurter Immobilienwelt gewährt und gezeigt, dass dort vieles tatsächlich so ist, wie man sich das vorstellt: konspirative Treffen an Bord der Yacht Jürgen Harders vor Mallorca, wo die damaligen Geschäftspartner und späteren Angeklagten ihre Projekte planten; eine Fraport-AG, die ihrer Aufsichtspflicht aus Desinteresse nicht nachkam, wenn es sich lediglich um einstellige Millionensummen handelte; Angeklagte, so bar jeden Unrechtsbewusstseins, dass sie ihnen ihrer Meinung nach zustehendes Schmiergeld gar gerichtlich einzuklagen versuchten – was den ganzen Cargo-City-Süd-Prozess letztlich erst ins Rollen brachte.

Goldman hatte in der Vergangenheit angekündigt, bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen zu wollen, sollte der BGH seine Revision zurückweisen. Das kann er zwar tun, aber eine Haftverschiebung ist auf diesem Weg nicht zu erreichen. Letztlich bleibt dem Investor mit dem ganz eigenen Kopf jetzt nur noch das Motto, das er damals zu Prozessbeginn ausgegeben hatte: „Ich gehe als Ardi Goldman da rein und als Ardi Goldman wieder raus!“

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