Tebartz-van Elst

Tebartz’ Rechts-Verteidiger

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Der umstrittene Publizist Martin Lohmann sieht den Limburger Ex-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst als Opfer einer Medienkampagne.

Die Erleichterung unter Deutschlands Katholiken dass der bisherige Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht auf seinen Posten zurückkehrt war am Mittwoch unüberhörbar. Zu offensichtlich waren die Verschwendung des Bischofs und sein zweifelhaftes Verhältnis zur Wahrheit. Tebartz-van Elst, hieß es jetzt, habe sogar den Vatikan belogen. So ziemlich der einzige, der das etwas anders sieht, ist der katholische Publizist Martin Lohmann. In einem am Mittwochabend gesendeten Interview mit dem Deutschlandfunk-Moderator Jürgen Liminski bezeichnet er den Bischof als „Opfer einer Medienkampagne“. Das wiederum ist ebenso bemerkenswert wie erklärlich.

Lohmann, einst stellvertretender Chefredakteur des „Rheinischen Merkur“ und Chefredakteur der „Rhein-Zeitung“, profiliert sich seit Jahren als konservativer Katholik. Zweimal wurde das besonders deutlich. Einmal, als Lohmann 2009 einen Arbeitskreis Engagierter Katholiken in der CDU gründete, um die Liberalisierung der Christdemokratie zu stoppen. Es nützte nichts. Kurz vor der Bundestagswahl 2013 trat er aus Protest aus der CDU aus. Das zweite Mal ragte Lohmann heraus, als er bei Günther Jauch in der ARD die Pille danach auch in Fällen ablehnte, in denen eine Frau vergewaltigt worden war.

Der Fragesteller Jürgen Liminski ist, wie der Blogger Stefan Niggemeier schrieb, ebenfalls „einschlägig bekannt. Er schreibt für die rechtskonservative Zeitung Junge Freiheit, engagiert sich in christlich-konservativen Interessensverbänden, ist Opus-Dei-Mitglied. Und nutzt offenbar auch die Sendungen im öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunk, die er moderiert, als Plattform für seine politischen Überzeugungen.“

Unlängst interviewte Liminski den konservativen Europapolitiker Tobias Teuscher, der die These aufstellte, eine Mehrheit von Linken, Grünen und Liberalen arbeite daran, Homosexualität als „Leitkultur“ in der Europäischen Union festzuschreiben. Liminski hatte das nicht hinterfragt.

„Höchst vergiftetes Klima“

Liminskis Interview mit Lohmann beginnt mit der Frage, ob der Bischof Opfer seiner Verfehlungen oder „nur das Opfer einer Kampagne“ geworden sei. Lohmann bejaht vor allem das Zweite und sagt: „Da ist ein Klima geschaffen worden, das höchst vergiftet war.“ Mit der Auffassung der Mehrheit in öffentlicher und veröffentlichter Meinung – die in diesem Fall wohl dichter als sonst beieinander liegen – hat all das wenig zu tun. Doch genau das galt es ja vielleicht zu beweisen.

Die Staatsanwaltschaft will indes bald entscheiden, ob sie ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen Tebartz-van Elst und weitere Mitglieder des Bistums einleitet. Die Justizbehörde werde den Prüfbericht zur Kostenexplosion am neuen Bischofssitz in den kommenden Tagen durcharbeiten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Limburg am Donnerstag. „Die Gretchenfrage wird sein, ob „nur“ kirchliches Recht oder auch weltliches verletzt wurde.“ Nach Bekanntwerden der hohen Kosten waren mehrere Anzeigen gegen Tebartz und weitere Vertreter der Diözese eingegangen.

Die Bestimmung eines neuen Bischofs in Limburg könnte sich derweil hinziehen. Die Personalsituation der katholischen Kirche wird dadurch erschwert, dass insgesamt sechs Bischofsposten in Deutschland neu besetzt werden müssen.

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