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Künstler lebten und arbeiteten einst in den Häusern Bachstraße 13 (rechts) und 15 (links).

Offenbach

Vom Sattler zum TV-Star

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Uwe Kauss erzählt 99 Geschichten über ein eher verborgenes Offenbach.

Fahr er los! Er weiß ja nicht, was Offenbach alles zu bieten hat“, soll Johann Wolfgang von Goethe seinen Kutscher angeherrscht haben, als dieser sich bei der Rückkehr des Dichters über die stundenlange Wartezeit beschwert haben soll. Der in Offenbach lebende Journalist und Autor Uwe Kauss hat dieses Zitat an den Anfang seines Vorworts zur Neuauflage seines Buches „Neunundneunzig Mal Offenbach“ gestellt, weil auch er der Ansicht ist, dass Offenbach viel zu bieten hat.

Obwohl er in Frankfurt geboren wurde, ist Kauss längst begeisterter Offenbacher, der für sein Buch verborgene Orte, außergewöhnliche Menschen und interessante Begebenheiten gesucht und gefunden hat. Die Neuauflage beschränkt sich nicht auf die alten Geschichten, sondern erzählt auch neue. Eine handelt von dem 1904 geborenen Joseph Ziegler, der in einer kleinen Wohnung in der Senefelderstraße 48 aufwuchs, Sattler und Feintäschner lernte und unter dem Künstlernamen Offenbach als Schauspieler Karriere machte. Unter Gustav Gründgens wurde er nach 1945 in Hamburg ein Theaterstar, der später in der ARD in der Hauptrolle bei den „Unverbesserlichen“ auch zum Fernsehstar wurde.

Vergessen ist heute auch der Bankierssohn Wilhelm Speyer. Mitte des 19. Jahrhunderts sei der Komponist so bekannt gewesen wie heute vielleicht noch Udo Jürgens, meint Kauss. Jedes Kind habe seine Lieder mitsingen könne. Und wer weiß heute noch, dass in der Bieberer Straße 36 1967 der erste, 24 Stunden geöffnete Lebensmittelladen eröffnet wurde, der nur aus einem begehbaren Automaten bestand? Oder dass in den mehrstöckigen Wohnhäusern an der Bachstraße 13 bis 15 in den 1920er Jahren Offenbachs erste Künstlerkolonie entstand? Die Stadt hatte zwölf Kunstschaffenden in den neuen Häusern Ateliers und Wohnungen für eine monatliche Miete von fünf Mark überlassen. Hier lebten und arbeiteten unter anderen der bekannte Maler Erich Martin und der spätere Büchnerpreisträger Adolf Bode.

Kauss erzählt, dass sich die Neuauflage in der Buchhandlung im Offenbacher Einkaufszentrum Komm „um Längen besser“ verkaufe als der aktuelle Bestseller „Das Fundament der Ewigkeit“ von Ken Follett. Das Interesse war schon beim Vorgängerbuch groß, dessen Verkauf in Offenbach „drastisch besser“ als „Fifty Shades of Grey“ gelaufen sei.

Neunundneunzig Mal Offenbach, Cocon-Verlag, ISBN: 9783863143640 Preis: 16,80 Euro

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