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Fragile Deko: Das von Emmanuelle Rapin angefertigte Kleid zieren schillernde Schmetterlinge.

Darmstadt

Gedichte zum Anfassen

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Die Ausstellung „Sauvage“ ist sowohl im Kunstforum der TU Darmstadt wie im Museum Jagdschloss Kranichstein zu sehen.

Für Kuratorin Julia Reichelt, die seit heute Leiterin des Kulturforums der Technischen Universität (TU) Darmstadt ist, und Onno Faller, die Leiterin des Museums Jagdschloss Kranichstein, ist es eine Premiere: Zum ersten Mal zeigen das Kunstforum, das sich im zweiten Obergeschoss des alten Hochschulgebäudes unweit des Darmstädter Herrngartens befindet, und das Museum im Kranichsteiner Jagdschloss gemeinsam eine Ausstellung. Gezeigt werden in den beiden Einrichtungen Werke der französischen Kunststickerin und Künstlerin Emmanuelle Rapin und der in Wien lebenden Künstlerin Angelika Krinzinger.

Der Ausstellungstitel „Sauvage“ (wild) hat vor allem mit der Herkunft Rapins zu tun, die in den Vogesen aufgewachsen ist. Er bezieht sich nach den Worten Reichelts „auf die ungezähmte Natur des Waldes ebenso wie auf die ungebändigte Kraft der Kunst“. In der griechischen Mythologie und in Märchen sei der Wald oftmals auch der Ort für Ungewissheit, Gefahr und Unheil, aber auch für Verwandlungen.

Reichelt zufolge findet man die Waldmetapher in fast allen Werken der 1974 in Épinal geborenen Rapin, die auch die Kunststickereien für die Kostüme der Filmserie „Babylon Berlin“ angefertigt hat, die derzeit in der ARD zu sehen ist. „Meine Kunstobjekte sehe ich als visualisierte Gedichte, die man anfassen kann“, beschreibt Rapin ihre Arbeiten.

Im Kunstforum wird etwa ein Kleid ausgestellt, das am Verschluss auf der Rückseite mit unzähligen Rosendornen von Rapin bestickt wurde. Das Kleid ziert zudem eine Girlande aus echten und bunt schillernden Schmetterlingen. Schmetterlinge als vielschichtiges Symbol spielen in den Arbeiten von Rapin ohnehin eine wichtige Rolle. Sie nutzt sie als ornamentale Ergänzung eines Armbandes oder wie bei der extra für die Ausstellung angefertigten Kleid-Kreation als dominierendes und auffälliges Gestaltungselement.

Im Kunstforum werden auch zwei Ölgemälde eines unbekannten Malers aus dem 18. Jahrhundert gezeigt, die tote Vögel und einen Specht zeigen. Beide Gemälde, die – ebenso wie ein Geweih an der Wand - Leihgaben aus dem Museum Jagdschloss Kranichstein sind, verweisen Reichelt zufolge auf das „Universum der Jagd und der Beute“. „Die toten Vögel können abstrahiert auch wie Kokons inspiriert werden, denen die Transformation innewohnt“, so Reichelt.

Im Museum Jagdschloss Kranichstein treten die zeitgenössische Kunstwerke dann in einen Dialog mit den historischen Objekten. Werke Rapins und Krinzingers werden ausgewählten Exponaten aus den landgräflichen Sammlungen gegenübergestellt. So werden zwei „Hand-Porträts“ Krinzingers – bei denen es sich um Ausschnitte aus historischen Porträts der Habsburger im Schloss Ambras bei Innsbruck handelt und die auch im Kunstforum opulent an einer Wand präsentiert werden –, neben einem Porträt der Landgräfin Caroline nach einer Parforcejagd gezeigt. Der Betrachter wird so dazu gezwungen, das alte Porträt mit den zeitgenössischen Bildern zu vergleichen und zu analysieren.

Eröffnet wird die Ausstellung, die bis zum 24. Februar 2019 zu sehen ist, am 3. November, 18 Uhr, im Kunstforum der TU und um 19.30 Uhr im Museum Jagdschloss Kranichstein. Beide Einrichtungen bieten öffentliche Führungen an. Weitere Infos unter www.tu-darmstadt.de und
www.jagdschloss-kranichstein.de

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