Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit in Hessen steigt erneut stark

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Kurzarbeit auf Rekordniveau, die Arbeitslosenquote steigt stark an. Und die Zahl der freien Stellen bricht ein.  

Obwohl die hessischen Unternehmen in einer nie da gewesenen Größenordnung Kurzarbeit nutzen, wächst die Arbeitslosigkeit rasant weiter. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die der Leiter der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin, am Mittwoch vorstellte, ist die Arbeitslosenquote gegenüber dem April um weitere 0,4 Prozentpunkte gestiegen. Das hat in erster Linie mit der trotz der erfolgten Lockerungen anhaltenden Corona-Krise zu tun. Ohne den „Corona-Effekt“ wäre die Zahl der Erwerbslosen nach Berechnungen der Arbeitsagentur aus saisonalen Gründen sogar leicht zurückgegangen. Stattdessen sind in Hessen nun mehr als 43 200 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als noch vor einem Jahr.

Dabei trifft die Corona-Krise die Wirtschaft in den hessischen Regionen unterschiedlich stark. Am größten sind die Auswirkungen nach Auswertung der Arbeitsagentur in Frankfurt, wo die Beschäftigtenzahlen zuletzt jahrelang auf immer neue Rekordwerte gestiegen waren. Dort ist die Arbeitslosenquote im Mai um 0,6 Punkte auf nun 6,9 Prozent gestiegen. Damit liegt sie zwei Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Die großen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Frankfurter Arbeitsmarkt erklärt Martin etwa mit der großen Bedeutung des Flughafens und der Messe.

Stark spürbar ist der Corona-Effekt laut Arbeitsagentur aber auch etwa in Offenbach, wo die Quote nun über die Zehn-Prozent-Marke stieg. In geringerem Umfang wirke sich die Krise zum Beispiel im Landkreis Fulda aus. Dort ist die Arbeitslosenquote mit nun 3,6 Prozent weiterhin hessenweit am niedrigsten.

Zahlen

192 149 Menschen waren im Mai in Hessen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einer Quote von 5,6 Prozent. Im Mai 2019 lag sie bei 4,4 Prozent.

39 727 offene Stellen waren bei den hessischen Agenturen für Arbeit gemeldet. Das sind 27, 3 Prozent weniger als vor einem Jahr.

61 000 Anzeigen auf Kurzarbeit sind von März bis Mai eingegangen. Dabei geht es um 840 000 Beschäftigte. cm

Martin rechnet nicht mit einer raschen Entspannung auf dem hessischen Arbeitsmarkt. Er befürchtet für die kommenden Monate sogar einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. Dass inzwischen 61 000 Unternehmen Kurzarbeit für zusammen knapp 840 000 Beschäftigte angemeldet haben, zeige, wie groß das Risiko für die Folgemonate noch sei, sagte er vor Journalisten. Denn aus Kurzarbeitern könnten Arbeitslose werden. Kurzarbeit sei schließlich ein funktionierender „Puffer“ gegen Arbeitslosigkeit, jedoch nicht auf Dauer ausgelegt. Wie stark sich die Situation noch verschlechtere, werde in erster Linie davon abhängen, in welcher Geschwindigkeit sich die wirtschaftliche Lage wieder normalisiere, sagte Martin.

Auch die Situation für Menschen, die einen neuen Job suchen, hat sich in der Corona-Krise stark verschlechtert. Noch im Januar klagten Unternehmen über Fachkräftemangel, ihre Schwierigkeit, Arbeitsplätze zu besetzen. Nun ist der Stellenbestand der hessischen Agenturen für Arbeit regelrecht eingebrochen, liegt mit weniger als 40 000 offenen Stellen mehr als 27 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Da gilt es dem Leiter der Regionaldirektion Hessen schon als Lichtblick, dass in einzelnen Branchen die Einstellungsbereitschaft zuletzt wieder leicht angestiegen sei. Martin nannte etwa das Gesundheitswesen und das Baugewerbe.

Schwierig dürfte es auch für Menschen werden, die einen Ausbildungsplatz suchen. Martin rechnet damit, dass es im Herbst quantitativ nicht genug Ausbildungsstellen geben werde, um alle Bewerber zu versorgen. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen liege derzeit fast zehn Prozent unter den Werten vor einem Jahr.

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VHU) versucht, trotz der schlechten Zahlen nicht zu schwarz zu malen. Die Krise sei zwar längst noch nicht vorbei. Es gebe aber auch keinen Stillstand auf dem Arbeitsmarkt. Auch jetzt träten jeden Tag viele Arbeitnehmer einen neuen Job an, sagt VHU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. Und es gebe immer noch Tausende offene Stellen in Hessen. Ein Ausbau von Sozialleistungen sei nicht nötig. Wichtig sei es dagegen etwa, das Konsum- und Investitionsklima zu verbessern und Wachstum zu stärken.

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