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Die Krise trifft die Gastronomie besonders schwer. 

Corona-Krise

Arbeitslosigkeit in Hessen steigt in Corona-Krise stark an

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Die Arbeitslosenzahlen für April zeigen, wir stark die Corona-Krise die hessische Wirtschaft jetzt schon trifft. Die Quote steigt landesweit deutlich an.

Die Corona-Krise hat die seit Jahren positive Entwicklung auf dem hessischen Arbeitsmarkt jäh beendet. Noch zu Jahresbeginn lag die Arbeitslosigkeit auf einem sehr niedrigen Niveau, waren so viele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie nie. Nun steigt die Arbeitslosigkeit nach Zahlen der Agentur für Arbeit stark an. Im April legte sie bereits um fast ein Fünftel zu; die Quote sprang innerhalb von nur einem Monat von 4,5 auf 5,2 Prozent. Im langjährigen Vergleich liegt sie damit allerdings immer noch auf einem niedrigen Niveau.

Die Krise führt bereits dazu, dass mehr Menschen Grundsicherung brauchen, um über die Runden zu kommen. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, beobachtet etwa, dass deutlich mehr Selbstständige als noch im März die Hilfe beantragen. Auch die Zahl der abhängig Erwerbstätigen, die zusätzlich Grundsicherung brauchen, also „aufstocken“ müssen, sei stark gestiegen, hieß es am Donnerstag vor Journalisten.

Zugleich sinkt die Bereitschaft der hessischen Unternehmen, neue Leute einzustellen deutlich. Besonders stark sei dieser Rückgang in der Logistik, der Gastronomie und im Maschinenbau, sagte Martin. Mehr Beschäftigte als zuletzt suchten lediglich Unternehmen im Bereich Objektschutz.

Dass die Arbeitslosigkeit in Hessen nicht bereits stärker gestiegen ist, hat nach Martins Einschätzung mit dem riesigen Umfang zu tun, in dem Unternehmen Kurzarbeit nutzen. Dieser hat in der Krise eine Dimension erreicht, die die früherer Krisen massiv übersteigt. Nach Zahlen der Regionaldirektion Hessen hat bereits fast jedes dritte Unternehmen in Hessen Kurzarbeit angezeigt. Dabei geht es um Kurzarbeitergeld für fast 700 000 Menschen. Die Arbeitsagenturen haben, wie Martin berichtete, bereits 95 Prozent der seit März mehr als 52 000 Anzeigen abschließend geprüft. Für mehr als 15 000 Unternehmen seien erste Zahlungen angewiesen, hieß es am Donnerstag.

Arbeitsmarkt in Hessen

176 628 Menschen  sind Ende April in Hessen als arbeitslos gemeldet gewesen. Das sind etwa 23 000 mehr als vor einem Monat, mehr als 28 000 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die Arbeitslosenquote  lag im April bei 5,2 Prozent. Das ist ein Plus von 0,7 Punkten im Vergleich zum März, von 0,8 Punkten im Vergleich zu April 2019.

Die Arbeitslosigkeit  stieg in allen Regionen stark an. Am höchsten ist sie mit 9,7 Prozent in der Stadt Offenbach, in Fulda liegt die Quote nur bei 3,3 Prozent. In Frankfurt stieg die Arbeitslosenquote auf 6,2 Prozent.

Kurzarbeit  haben seit März inzwischen 52 139 Unternehmen angezeigt. Das ist fast ein Drittel der hessischen Betriebe. Bei den Anzeigen geht es um fast 700 000 Beschäftigte.

Nur 5940 neue Stellen  wurden im April gemeldet. Das ist ein Rückgang um 52 Prozent im Vergleich zu April 2019.

Martin hob hervor, die starke Nutzung der Kurzarbeit stelle in der Krise letztlich ein positives Signal dar. Schließlich verhindere diese kurzfristige Entlassungen von Beschäftigten oder gar Insolvenzen. Bisher sei deren Zahl noch nicht nennenswert gestiegen.

Noch ist allerdings ein Ende der Krise nicht in Sicht. Schon für Mai rechnet die Agentur für Arbeit mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenquote. Dass die Beschränkungen für die Wirtschaft nach und nach gelockert werden und viele Geschäfte wieder geöffnet sind, werde die Situation nicht gleich sehr verbessern, antwortete Martin auf Fragen. Schließlich arbeiteten etwa viele Einzelhändler noch immer nicht mit vollem Personaleinsatz.

Der Leiter der Regionaldirektion Hessen drückte am Donnerstag die Hoffnung aus, dass die Krise nicht zu lange andauere. Denn andernfalls könne die Zahl der Insolvenzen deutlich steigen und sich die Arbeitslosigkeit stark erhöhen. Für viele Unternehmen sei die Situation schließlich bereits ein Kampf gegen die Zeit, sagte er. Und die Möglichkeiten, die Wirtschaftskrise mit Geld von Bund und Land zu meistern, seien nicht unbegrenzt.

Der hessische DGB-Chef, Michael Rudolph, sieht den Arbeitsmarkt in einem „nie dagewesenen Ausnahmezustand“. Er fordert die Politik auf, bei der Sicherung von Beschäftigten nicht nachzulassen. Auch Beteiligungen des Staates an Unternehmen, etwa an der Lufthansa, seien ein probates Mittel. Schon jetzt fordert der DGB zudem Konjunkturprogramme, um die Wirtschaft nach der Krise wieder anzukurbeln.

Nach Einschätzung der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) hat die Corona-Krise auch zu einem Modernisierungschub geführt. Als solchen sieht der Arbeitgeberverband etwa die befristet gelockerten Arbeitszeitregeln. Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert warnt schon jetzt davor, diese Lockerungen zum 31. Juli wieder auslaufen zu lassen. „Damit die Pandemie nicht in ein Unternehmenssterben bisher nicht gekannten Ausmaßes übergeht, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um überholte gesetzliche Arbeitszeitregeln zu modernisieren“, sagt er. Von einem Recht auf Homeoffice, wie das Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) fordert, halten die Unternehmerverbände nichts. „Noch mehr gesetzlicher Zwang“ schade den Unternehmen.

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