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Frankfurt. 12.10.2020. Arbeiterwohlfahrt AWO Verwaltung in der Henschelstrasse. Kreisverband.

AWO-Skandal

Arbeiterwohlfahrt sieht sich in „wirtschaftlicher Krise“

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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„Task Force“ von Däubler-Gmelin legt kritischen Bericht zu Bezirksverband Südhessen vor.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Südhessen steht vor einem Scherbenhaufen. Und die wirtschaftliche Situation ist schwierig. Nach zehn Monaten Arbeit hat die „Task Force“ unter Vorsitz der früheren Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) einen kritischen Bericht zum früheren Geschäftsgebaren des Wohlfahrtsverbandes vorgelegt. Sie kritisiert sowohl Immobiliengeschäfte wie auch Privatdarlehen an den Bezirksverband. „Aufklärungsbedarf“ gebe es bei den Geschäftsbeziehungen des früheren AWO-Generalbevollmächtigten Torsten Hammann zum Verband.

Am 28. November versucht die AWO Hessen-Süd deshalb einen neuen Anfang. Hundert Delegierte aus 19 Kreisverbänden mit insgesamt 17 000 Mitgliedern sollen einen neuen Bezirksvorstand wählen. Wegen der Corona-Pandemie kann das nur digital geschehen, was AWO-Sprecherin Susanne Magnus als „besondere Herausforderung“ wertet. Die „Task-Force“ empfiehlt die Nicht-Entlastung des alten Vorstands und einen „personellen Neubeginn“. Der Bezirksausschuss stellte in einer Sitzung fest, die AWO Hessen-Süd befinde sich „in einer verbandlichen und wirtschaftlichen Krise“.

Wie ernst die Lage ist, lässt sich aus einem Rundschreiben herauslesen, das Bezirksgeschäftsführer Ulrich Bauch mit Datum vom 2. November an die 3300 Beschäftigten in etwa 100 Einrichtungen in Südhessen versandte. Darin erklärt der ranghöchste Manager der südhessischen AWO: „Wir unternehmen derzeit enorme Anstrengungen, um die AWO Hessen-Süd wirtschaftlich zu stabilisieren.“ Diese wirtschaftliche Stabilisierung genieße „höchste Priorität“. Das Papier liegt der FR vor. Bausch sagte der FR auf Anfrage: „Durch unternehmerische Fehlentscheidungen und die Corona-Krise ist die wirtschaftliche Situation des Bezirksverbandes schwierig. Erste Sanierungsmaßnahmen wurden bereits durchgeführt und zeigen Wirkung.“

Der Ausschuss dankte der „Task Force“ und schloss sich ihrer Analyse an. Bei den Immobiliengeschäften geht es nach den Worten von Sprecherin Magnus um den Verkauf von zwei Altenheimen in Bruchköbel und Langgöns. Käufer seien „private KGs“ (Magnus) gewesen. Nach Angaben der AWO hatte sie bereits im Sommer „einen Teil der Geschäftsbeziehung“ mit dem ehemaligen Generalbevollmächtigten Hamann beendet. Er verfügte aber immer noch über einen Beratervertrag mit der AWO und wurde dafür auch bezahlt, wie Magnus bestätigte. Dieser Kontrakt sei vom neuen AWO-Bezirksgeschäftsführer Ulrich Bauch erst zum 31. Oktober gekündigt worden.

Auch die Zusammenarbeit der AWO „mit bisherigen Dienstleistern in den Bereichen Recht, Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung“ sei beendet worden. Der Bezirksausschuss beschloss in seiner Sitzung die Prüfung und Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen, ohne dass dabei ausgeführt wurde, gegen wen sich diese Ansprüche richten.

Die „Task Force“ unter Vorsitz von Däubler-Gmelin war Ende 2019 von der AWO Hessen-Süd berufen worden. Ihre Aufklärungsarbeit habe sich durch die Corona-Pandemie verzögert. Unterstützt wurde die „Task Force“ von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Aufgabe der Untersuchung war es, „Strukturen und die Geschäftstätigkeit“ der AWO Hessen-Süd zu prüfen und „Missstände und Unklarheiten“ aufzuklären.

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