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Arabella Steinbacher gilt als eine der besten Geigerinnen der Welt. Am 4. Oktober eröffnet sie den Museumssalon in Frankfurt.

Konzerte

Kammermusik im Wohnzimmer

Beim Museumssalon in Frankfurt kann man vom 4. bis 14. Oktober klassische Musiker an ganz unklassischen Orten erleben.

Von Stefan Schickhaus

Beobachten Sie gerade, wie Ihre Nachbarn Möbel auf den Balkon schieben? Vorhänge waschen und die Playstation in die Garage verbannen? Stühle bei der Kirchengemeinde ausborgen? Oder gar einen Umzugswagen mieten als Zwischenlager? Dann steht vielleicht ein Museumssalon an bei den freundlichen Mietern nebenan. Denn da braucht man Platz im Wohnzimmer, schließen kommen Gäste und Musiker, mindestens 40 sollten schon hineinpassen.

Der Museumssalon, wie ihn die Frankfurter Museums-Gesellschaft nun zum fünften Mal ausrichtet, präsentiert Konzerte der meistens klassischen Art in Privaträumen oder Gewerbeobjekten, und die Nachfrage ist riesig. Viele möchten Gastgeber sein und noch mehr Gäste. In den letzten Jahren waren die Eintrittskarten jedenfalls nach zwei Tagen komplett verkauft.

Zwölf Konzerte wird es an den elf Tagen im Oktober geben. Die Musiker sind zum Teil das, was man namhaft nennt: Arabella Steinbacher etwa, eine der ganz renommierten Geigerinnen auf den internationalen Podien, macht hier nun Kammermusik im reinen Wortsinn. Sie gibt ein Wohnzimmerkonzert in Eschersheim und eröffnet damit den Museumssalon-Reigen am 4. Oktober.

Zu den Prominenten zählt auch die Gruppe Spark, sie hat auch die prominenteste Gastgeberin: Die Europäische Zentralbank. Im EZB-Pressesaal tritt diese „klassische Band“ auf, das den Ort beherrschende Thema Noten wird endlich einmal von der temperamentvollen Seite gezeigt. Die Sopranistin Kateryna Kasper wird in den 27. Stock eines Frankfurter Hochhauses reisen, wo eigentlich Wirtschaftsanwälte residieren.

Die Cembalisten Aleksandra und Alexander Grychtolik treten in einem Architektenatelier an, das Aris-Quartett baut seine Pulte in den historischen Räumlichkeiten einer Anwaltskanzlei in Königstein auf. In einer Werkshalle, in der tagsüber Kunststoffe eingefärbt werden, werden Asli Kiliç und Heidi Merz an Klavier und Schlagzeug Werke von John Adams bis Karlheinz Stockhausen interpretieren. Mit Chansons beleben die Frankfurter Schauspielerin Carina Zichner und der Pianist Christopher Miltenberger eine Privatwohnung im Taunus, während Asya Fateyeva und Claudia Buder mit Saxofon und Akkordeon die Royal Suite des Frankfurter Hofs auf Konzerttauglichkeit testen.

„Dass der Museumssalon mit den Konzerten in privatem Ambiente eine gutes Projekt ist, hatten wir geahnt“, sagt Burkhard Bastuck, der Vorsitzende der Frankfurter Museums-Gesellschaft. Wie umfassend sich der Salon allerdings aus dem Stand im Frankfurter Kulturkalender etabliert habe, sei aber doch überraschend gewesen für alle. Und der Salon zieht immer weitere Kreise, bestätigt Konzertmanagerin Catharina Bürklin. „Es ist dabei ein stetes Jonglieren darum, Künstler, Termine, Gastgeber und deren Vorstellungen unter einen Hut zu bekommen.“ Weder die Musiker noch die Locations sollen sich wiederholen, der Reiz liegt ja nicht zuletzt im Neuen. Und natürlich darin, einmal vielleicht nur zwei Meter von einem musizierenden Star entfernt zu sein.

Das mit dem Umzugswagen war übrigens nicht übertrieben. Ein Geigenbauer, der Musiker und Konzertgäste in seiner Privatwohnung erwartete, organisierte in der Tat einen solchen, um Platz zu schaffen für den Museumssalon.

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