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Bei der Weitergabe von Daten zu seinen Bahnen hält sich der RMV bedeckt.

Daten

RMV gibt nur geprüfte Daten frei

Der RMV hält sich bei der Weitergabe von Daten zum aktuellen Fahrplan bedeckt. Dabei geht es im Streit mit Google und Co. auch ums Geschäft.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) stellt nur Daten zur Verfügung, die er vorher geprüft hat. Mehr als 500 Unternehmen und Einzelpersonen nutzen dazu die Schnittstelle, um kostenlos auf eigenen Plattformen Fahrplanauskünfte zu erteilen, sagt Sprecherin Vanessa Rehermann auf FR-Anfrage. Einer davon sei der Kartenanbieter Here We Go. „Die Informationen sind aktuell und beinhalten auch Echtzeitdaten.“

Für die sogenannten „Rohdaten“ von Dritten wie Deutscher Bahn oder einem anderen Partnerunternehmen treffe dies nicht zu. Sie berücksichtigen keine Verknüpfung der einzelnen Fahrtangebote noch möglicher Wege beim Umsteigen. Deshalb stellt der RMV sie nicht auf seiner offenen Plattform bereit. Das soll verhindern, dass Fahrgäste über verschiedene Kanäle unterschiedliche Informationen erhalten, sagt Rehermann. Auch Apple oder Google könnten die qualitätsgesicherten Daten nutzen, der RMV habe es ihnen angeboten. Doch beide Unternehmen bestünden darauf, die Daten in einem Format zu erhalten, in dem nur die Rohdaten vorlägen.

SPD-Gruppe ist vorsichtig

Die Unabhängige Gruppe im Regionalverband FrankfurtRheinMain hatte in der vergangenen Woche erfolglos offene Daten im Nahverkehr beantragt. Eine Arbeitsgruppe möge prüfen, ob der RMV dem Beispiel Berlins folgen soll. Profitieren würden Bewohner und Touristen, etwa aus China. Auf Google Maps und Apple-Karten könnten sie komfortabel ihre Reise planen. Die SPD-Gruppe lehnte ab, weil sie „für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Daten, die unseren Institutionen anvertraut wurden“, stehe. Google oder Apple hätten kein Vorrecht darauf, Leistungen des von der öffentlichen Hand subventionierten Personennahverkehrs kommerziell zu verwerten.

Doch es geht um mehr als Qualität der Informationen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hatte Anfang September Pläne der EU-Kommission kritisiert, Behörden sowie öffentliche Verkehrsunternehmen zur Datenweitergabe zu verpflichten. Dies führe „zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen für die einheimischen Betreiber des Öffentlichen Personennahverkehrs, die letztlich zulasten der Fahrgäste und der meist kommunalen Eigentümer gingen“, warnte Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.

Für Unternehmen seien Daten von wirtschaftlichem Wert. Auch gebe es schon Projekte, in denen Verkehrsunternehmen ihre Fahrplandaten und zunehmend auch Echtzeit-Daten teilten – meist in Kooperation mit anderen Mobilitätsdienstleistern. Dadurch entstünden zusätzliche Einnahmequellen, von denen die Kunden profitierten und nicht „private Datenkraken“, die ihrerseits nicht verpflichtet seien, ihre Daten zu teilen.

Die Verkehrsunternehmen stehen unter Druck: Schon jetzt konkurrieren sie mit neuen Anbietern wie Car Sharing oder App-gesteuerten Sammeltaxi-Systemen. Internationale digitale Plattformen versuchen, in das Geschäft einzusteigen – nach dem Vorbild der Buchungsportale für Hotels oder Flüge. Um ihnen zuvorzukommen, hat der Verband die brancheneigene Plattform Mobility Inside entwickelt. In dem Projekt tauschen derzeit 20 Verkehrsunternehmen und -verbünde ihre Daten gegenseitig aus, um Kunden das Reisen zu erleichtern - von der Auskunft bis zum Ticketkauf. Einer der neun Initiatoren ist der RMV.

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