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Nie gehörte Klänge: Das Main-Barockorchester spielt seltene Musik des 18. Jahrhunderts.  

Kultur

Apollos Liebe im Museum

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Eine Entdeckung, die sich lohnt: Das Main-Barockorchester spielt erstmals überhaupt in Frankfurt zwei seltene weltliche Kantaten Karl Heinrich Grauns.

Der Komponist Karl Heinrich Graun war zu seinen Lebzeiten mindestens so berühmt wie sein Zeitgenosse Johann Sebastian Bach. Heute gibt es von letzterem gleich mehrere Gesamtaufnahmen seines umfangreichen Werks, während von Graun, immerhin Hofcompositeur Friedrichs des Großen in Berlin, vieles vergessen in den Archiven schlummert. Es gäbe also einiges zu entdecken. „Es ist tolle Musik, wunderbar und gar nicht so wenig gängig“, sagt Martin Jopp, Leiter des Main-Barockorchesters

Drei besondere Konzerte spielt das Main-Barockorchester  im Frankfurter Karmeliterkloster, dem heutigen Archäologischen Museum in der Karmelitergasse. Vor Konzertbeginn ab 18.30 Uhr und in der Pause haben Besucher freien Eintritt in die Museumssammlung. 


Am Samstag, 22. Februar, 20 Uhr führt das Orchester Werke von Händel, Pisendel, Telemann und als Höhepunkt zwei Kantaten Carl Heinrich Grauns auf.  

Am Samstag, 23. Mai, heißt es „Viva l’Italia“, dann sind neben Werken Vivaldis weitere Komponisten wie Ferrandi, Galuppi, Bresciano, Montarini und  Johann Adolph Hasse zu hören.

Am Samstag, 5. September, liest die Schauspielerin Franziska Knetsch aus den berühmten Briefen der Lieselotte von der Pfalz. Dazu spielen die Main-Barocksolisten Werke französischer Komponisten der Zeit.  

Sein Orchester hat mehrere weltliche Kantaten Grauns mit antiken Themen für eine CD-Ersteinspielung im vergangenen November aus den Handschriften des Komponisten ediert.

Zwei davon, „Apollo amante di Dafne“ und „Lavinia a Turno“, sind beim nächsten Auftritt des Ensembles an diesem Samstag im Archäologischen Museum im Karmeliterkloster vielleicht das erste Mal überhaupt in Frankfurt zu hören. „Man kann schon davon ausgehen, dass das Erstaufführungen sind“, sagt Jopp.

Über solche Entdeckungen freuen sich die Fachleute, „aber wenn das Publikum nicht neugierig wäre, würde es nicht kommen“, meint Jopp. „Auch wenn man wahrscheinlich mit Vivaldis Vier Jahreszeiten mehr CDs verkaufen würde. Die Leute, die wegen Händel in ein Konzert kommen und dann Graun hören, sind doch meist angenehm überrascht.“

Jopp gehört seit der Gründung 1998 zum Main-Barockorchester, das 1998 aus damaligen Studierenden der Alten Musik aus Frankfurt und Würzburg entstand und von Anfang an regelmäßig im Archäologischen Museum auftrat. Etwa die Hälfte des Publikums komme ganz regelmäßig, schätzt Jopp. Seither spielte das Ensemble, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit acht festen Mitgliedern mehr als 70 Programme. Da sei es inzwischen schon schwierig, immer neues zu bieten, sagt er. Es gebe noch viele tolle Sachen zu entdecken. „Allein mit Graun-Kantaten könnte man zehn CDs füllen“, sagt Jopp.

Karten kosten bei freier Platzwahl 22 Euro, ermäßigt 16 Euro. Es gibt sie an der Abendkasse, im Vorverkauf unter Tel. 069/21 23 58 96 oder bei Frankfurt Ticket. Jeweils am Vortag treten die Musiker um 20 Uhr mit dem selben Programm in der Johanneskirche Gießen auf.

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