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Apfelweinmesse Cider World lockt nach Frankfurt

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Juror bei der Cider World und Gastronom in der Kleinmarkthalle: Frank Winkler mit Ehefrau Pia und Chefkoch Bernd Schweizer. Foto: Monika Müller.
Juror bei der Cider World und Gastronom in der Kleinmarkthalle: Frank Winkler mit Ehefrau Pia und Chefkoch Bernd Schweizer. Foto: Monika Müller. © Monika Müller

Verkostungen, Führungen, ein internationaler Award und bald auch eine Academy werden geboten. Norwegen als Ehrengast und Überflieger.

Für eine Woche ist Frankfurt der Nabel der Apfelweinwelt. Noch bis zum 12. Juni lädt die „Cider World“ zu Verkostungen, Führungen und Vorträgen rund um Apfelweinprodukte ein. Höhepunkt ist die „Expo“ am 11. Juni im Gesellschaftshaus des Palmengartens, bei der knapp 100 Ausstellerinnen und Aussteller aus 15 Ländern ihre Produkte präsentieren und zum Verkosten einladen.

Der Sommelier Michael Stöckl hat die Apfelweinmesse 2008 aus der Taufe gehoben. Damals betrieb er parallel noch die Landsteiner Mühle in Weilrod als Gastronom, mittlerweile kümmert er sich ausschließlich um die Cider World, wie die Messe mittlerweile heißt, um internationalen Ansprüchen zu genügen. Denn anders als die Menschheit in Sachsenhausen und Bornheim glauben, wurde der Apfelwein nicht in Frankfurt erfunden.

Schon der griechische Geschichtsschreiber Strabon hat den „Sikera“ erwähnt und dass dieser in Asturien getrunken werde. Das war ein Jahrhundert vor Christus, als noch keine Franken durch irgendwelche Furten unterwegs waren. Heute gibt es in Asturien im Nordwesten Spaniens 70 Keltereien, die sich dem „Sidra“ widmen, wie er in der Landessprache genannt wird. In dem Landstrich an der rauen Atlantikküste gedeihen 500 verschiedene Sorten Äpfel. Der Sidra ist herb, seine Verkostung würde in vielen Teilen der Welt wohl eher als Mutprobe angesehen.

Im Laufe der vergangenen Jahre hat Stöckl für die Ausrichtung der Cider World immer mehr Expertise um sich geschart. Männer, die von Kopf bis Fuß auf Apfel eingestellt sind. Wie der Kelterer Jörg Stier, der Geschäftsmann Jens Becker, der in Sachsenhausen einen Apfelweinladen für ganz feine Zungen betreibt, oder Frank Winkler, der wie kein anderer in Frankfurt die Internationalität des Stöffches vorlebt. Seit acht Jahren betreibt er in Alt-Sachsenhausen die Traditionsgaststätte Lorsbacher Thal. Im dortigen Keller lagern 300 Apfelweine aus 28 Ländern und von vier Kontinenten. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein“, räumt Winkler ein, „um so viel Apfelwein zu horten.“ Doch immerhin hält der sich länger als Bier – wie ein Weißwein etwa vier bis sechs Jahre, sagt Winkler und betont im Hinblick auf die globale Vielfalt: „Äpfel wachsen überall auf der Welt. Trauben nicht.“

Übrigens auch in Norwegen. Das Land gilt als Überflieger der Apfelweinbranche und ist daher in diesem Jahr Ehrengast der Expo. Erwartet wird eine große norwegische Delegation, die nicht weniger als 14 unterschiedliche Marken im Gepäck hat. Stöckl zufolge hängt der Boom des Apfelweins in Norwegen mit dem Darben der dortigen Erdölindustrie in den Nullerjahren zusammen. Die vielen Chemiker:innen, die auf einmal ohne Arbeit waren, interessierten sich plötzlich für die Gärung von Äpfeln und setzten ihr Know-how ein. „Sehr viele Unternehmen sind noch jung, erst ein paar Jahre alt, aber haben schon Preise eingeheimst“, sagt Stöckl.

Doch auch hierzulande tut sich einiges in Sachen Apfelwein. „Es gibt unglaublich viele Start-ups in dem Bereich“, berichtet Stöckl. Daher bietet die Cider World in Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim ab Herbst eine professionelle Fortbildungsmöglichkeit an. An der „Academy“ können sich dann Produzent:innen, Streuobstwiesenverbände, Keltereien und interessierte Privatleute fortbilden und das Zertifikat „Cider Expert“ erwerben. Gelehrt werden die lebensmittelrechtlichen Grundlagen, spezifische Einblicke in Inhaltsstoffe, Basistechnologie und Produktion sowie Qualitätskontrolle, Sensorik und Marketing von Apfelweinprodukten. Die mehrtägigen Seminare werden in Frankfurt und Geisenheim abgehalten.

Viele wollen aber einfach nur ihren Schoppen trinken. Damit das zukünftig auch in der Frankfurter Kleinmarkthalle möglich ist, hat Gastronom Winkler gesorgt: „Ich dachte mir, es kann doch nicht sein, dass es in der Kleinmarkthalle keinen Hausschoppen gibt.“ Seit rund vier Wochen kann das wirklich nicht mehr sein, denn Winkler bietet auf der Empore im ersten Stock „Apfelwein und Hausmannskost“. an. Und auch einen „Apfelwein des Monats“. Entweder glasweise oder in der Flasche zum Mitnehmen.

Ebenfalls im Angebot hat er Rebenweine; Berührungsängste hat er ebenso wenig wie bei „Süßgespritztem“, der bei vielen Puristen in Frankfurt verpönt ist. „Die Zeiten, in denen man Gästen nur ein Getränk anbieten konnte, sind vorbei.“ Die Entwicklung, glaubt Winkler, gehe beim Geschmack des Apfelweins in Richtung süß.

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