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Beim Schlaganfall muss es schnell gehen. Über die Finanzierung der Stroke-Units aber gibt es Streit.

Gesundheit in Hessen

Stroke-Units in Hessen weiter gefährdet

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Krankenkassen ignorieren die Einigung zur Schlaganfallversorgung. Viele Krankenhäuser in Hessen warten noch immer darauf, dass sie rückwirkend zahlen.

Vor einigen Wochen schlugen Kliniken und Selbsthilfeorganisationen Alarm: Wegen eines Gerichtsurteils sei die flächendeckende Schlaganfallversorgung gefährdet. Die Reaktion kam ungewöhnlich flott.

Auf Bundesebene kam es jetzt zwar zu einer Einigung. Doch viele hessische Krankenhäuser warten bis heute darauf, dass die Krankenkassen rückwirkend zahlen. Manche ignorieren sogar bis heute das Ergebnis der Schlichtung. 

Noch am Montag überwies die IKK Südwest nicht die komplette Summe, sagt Samuel Palitsch, Bereichsleiter der Main-Kinzig-Kliniken, der Frankfurter Rundschau. „Die verhalten sich wider geltendes Recht.“ Die Krankenkasse nimmt dazu auf FR-Anfrage keine Stellung: „Mit Blick auf laufende Gespräche äußert sich die IKK Südwest im Moment nicht zu dem von Ihnen angesprochenen Themenkomplex“, sagt Unternehmenssprecherin Karin Richter.

Im Sommer hatte das Bundessozialgericht entschieden, dass Klinken die Sonderzulagen für die kostenintensiven Spezialeinheiten nur erhalten, wenn zwischen der Diagnose eines Schlaganfalls und dem Behandlungsbeginn in einer Spezialklinik nicht mehr als 30 Minuten liegen. Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe hatte ausgerechnet, dass bundesweit 270 Schlaganfallstationen, sogenannte Stroke-Units, vor dem Aus stehen könnten. 

Dann kam das ab Januar gültige Pflegepersonalstärkungsgesetz (PpSG). Es hebelt das Urteil aus. Auch weiter entfernte Kliniken erhalten demnach die Sonderzulage – rückwirkend für die Behandlungsfälle der zurückliegenden vier Jahre.

Doch die IKK Südwest ignoriere bewusst den Willen des Gesetzgebers und die Empfehlung der Mediation beim Bundesgesundheitsministerium, kritisiert Reinhard Schaffert, Geschäftsführer des Klinikverbunds Hessen. Der Verbund vertritt die Krankenhäuser in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft. „Dies gefährdet die Versorgung der betroffenen Patienten und ist zudem eine politische Provokation“, so Schaffert weiter.

Keine Problem mehr hat das Gesundheitszentrum Wetterau (GZW), das im Oktober auf das Problem aufmerksam gemacht hatte: „Die von der AOK vorgenommenen Verrechnungen wurden inzwischen zurückgezahlt, weitere Kürzungen wurden nicht vorgenommen“, sagt Sprecherin Hedwig Rohde. „Das GZW ist – sicher auch dank der umfangreichen Presseberichterstattung – jetzt diesbezüglich auf der sicheren Seite und damit natürlich zufrieden.“

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