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Schulkrankenschwester Elke Sprotte überprüft in Heusenstamm den Inhalt ihrer Notfalltasche in ihrem Büro im Adolf-Reichwein-Gymnasium.

Krankenschwestern an Schulen in Hessen

Schulkrankenschwester hat immer was zu tun

Aufgeschlagene Knie oder Bauchschmerzen wegen einer bevorstehenden Klassenarbeit: Um solche Fälle kümmern sich neuerdings an einigen hessischen Schulen spezielle Krankenschwestern.

Elke Sprotte arbeitet endlich in ihrem lang ersehnten Traumberuf. Den gibt es nämlich erst seit einige Monaten: Sie ist Schulkrankenschwester am Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm. „Das wollte ich schon immer machen, und schon in der Schulzeit meiner eigenen Kinder hätte ich mir so etwas für sie gewünscht“, sagt sie.

Denn normalerweise gehen Schulkinder mit ihren kleinen und großen Wehwehchen aus Mangel an Alternativen ins Sekretariat, wo ihnen aber kaum geholfen werden kann. Deshalb laufen in Hessen und Brandenburg aktuell Modellprojekte mit „Schulgesundsheitsfachkräften“, wie es etwas sperrig im Behördendeutsch heißt. Insgesamt zehn Schulen in Hessen nehmen daran zwei Jahre lang teil.

In Ländern wie Polen und Finnland ist der Einsatz von Schulkrankenschwestern längst erprobt. Der Impuls für den Test in Deutschland kam aus Brandenburg, das einen Projektpartner suchte und in Hessen fand. Projektträger ist hier die Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAGE). Die ersten Planungen gehen ins Jahr 2014 zurück, los ging es in diesem Jahr - in Brandenburg einige Monate früher als in Hessen.

„Als ich die Ausschreibung gesehen habe, habe ich sofort alles in die Wege geleitet, um an dem Projekt teilnehmen zu können“, sagt der Schulleiter des Adolf-Reichwein-Gymnasiums, Siegfried Ritter. „Ich habe einen großen Bedarf bei uns gespürt.“ Seit Juni ist Elke Sprotte nun im Einsatz. Im Vordergrund stehe die akute Versorgung, etwa nach Unfällen in der Turnhalle oder Stürzen auf dem Schulhof, erklärt der Schulleiter. „Und sie kann für uns die Frage klären: Hat ein Kind wirklich etwas, oder kommen die Bauchschmerzen von der anstehenden Klassenarbeit?“

Sprotte sagt dazu: „Wenn Schüler nur eine Arbeit nicht mitschreiben möchten, kriegt man das raus.“ Sie ist ausgebildete Kinderkrankenschwester. In einer begleitenden Weiterbildung lernt sie nun zusätzlich Dinge wie das schulische Rechtssystem, den Datenschutz oder Entwicklungspsychologie.

Ausgebildete Kinderkrankenschwester

Die Schüler können während der Pausen, aber auch während der Unterrichtszeiten zu ihr kommen und sich für Gespräche, die länger dauern, Termine geben lassen. Dabei unterliegt sie der medizinischen Schweigepflicht. Vor ihrem Zimmer steht mittlerweile eine Bank, denn nicht selten wollen mehrere Kinder gleichzeitig zu ihr. „Zu tun habe ich immer etwas.“ Auch im Unterricht ist die Krankenschwester ab und an zu Gast. „Neulich hat eine Lehrerin um einen Erste-Hilfe-Kurs für ihre Unterstufen-Klasse gebeten, den ich dann gehalten habe.“

Wenn Kinder zu krank sind, um weiter am Unterricht teilnehmen zu können, werden bis zur achten Klasse die Eltern verständigt. Elke Sprotte selbst darf keine Medikamente verschreiben oder verabreichen - so will es das Gesetz, da sie offiziell zum Schulpersonal gehört und beim Schulamt angestellt ist. Was sie allerdings darf: Wunden versorgen, Verbände anlegen und Zecken entfernen. Und manchmal ist die Lösung noch viel einfacher: „Manche Schüler kommen einfach wegen des Stresses zu mir. Da können ein warmes Kirschkernkissen und ein paar Atemübungen schon wahre Wunder wirken.“

Die Charité-Klinik in Berlin überprüft das Projekt in Brandenburg und Hessen anhand von Fragebögen für Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleitung. Mit den Schulkrankenschwestern gibt es Einzelgespräche. Maja Lenk von der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung bestätigt, dass es bereits positive Rückmeldungen gibt - genug Arbeit für die Krankenschwestern in den Schulen gebe es auf jeden Fall. Knackpunkt könnte allerdings die Finanzierung werden. Denn aktuell wird Elke Sprottes Gehalt von der AOK Hessen bezahlt, die mit rund 1,3 Millionen Euro das Projekt zum größten Teil finanziert. Wie ein dauerhafter Einsatz bezahlt werden könnte, ist noch völlig offen.

Für Schulleiter Ritter ist es keine Frage, dass er sich eine Schulkrankenschwester als dauerhafte Lösung vorstellen kann. „Unsere Erfahrungen sind bisher ausnahmslos positiv, ich werde mich mit allen Möglichkeiten dafür einsetzen, dass Frau Sprotte auch nach Ablauf des Projekts bei uns bleiben kann.“ (dpa)

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