Gesundheitskräfte

Manchmal heilt ein Gespräch

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Gesundheitskräfte berichten über ihre ersten Erfahrungen an Schulen.

Tränenüberströmt stand der Zweitklässler vor ihr, erzählt Sarah Hurm von der Frankfurter Georg-Büchner-Schule. „Der Arm fühlt sich an wie gebrochen“, habe er gejammert. Hurm hörte zu, was er zu berichtet hatte. Dass er sich morgens mit seiner Mutter gestritten hatte, weil er beim Zähneputzen getrödelt hatte. Dass er in der Pause ein Tor geschossen habe und dann unglücklich gestürzt sei. Dann war der Schmerz fort. „Der Arm ist wieder neu“, befand der Junge und zwitscherte ab.

Zuhören ist eine wichtige Aufgabe Hurms und ihrer neun Kolleginnen, die in Frankfurt sowie Stadt und Kreis Offenbach an einem bundesweit einmaligen Projekt teilnehmen. Als „Schulgesundheits-Fachkräfte“ verbinden sie auch Wunden, klären in der Erkältungszeit über Handhygiene auf, kümmern sich um Schüler mit chronischen Krankheiten oder Handicaps. Manche Kinder haben Kopfschmerzen, weil sie zu wenig getrunken haben. Andere klagen über Bauchweh oder Schwindel, sagt Karen Kreutz-Dombrofski von der Ernst-Reuter-Schule II in Frankfurt. „Beim ersten Mal kommen sie nur wegen eines Pflasters, beim zweiten Mal kommt man oft schon intensiv ins Gespräch.“ Über gesunde Ernährung, über Sexualität oder darüber, wie viel Schlaf man braucht.

Große Sorgen hatten die Initiatoren, dass die Neuen als Konkurrenz empfunden werden könnten, sagte Catharina Maulbecker-Armstrong vom hessischen Gesundheitsministerium. Die waren unbegründet. Das Kollegium sei in der Regel froh über die Entlastung, die Zusammenarbeit mit dem Schulsanitätsdienst fruchtbar, so der Tenor am Dienstag bei einer Veranstaltung in Frankfurt. „Die Lehrer sind dankbar, wenn man zum Beispiel bei Kopfläusen hilft“, so Hanna Steiger, von der Albert-Einstein-Schule in Langen.

Alle zehn Kräfte sind gelernte Krankenschwestern oder Kinderkrankenschwestern. Ein zweimonatiger Lehrgang hat sie auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Die unterscheidet sich in manchen Punkten nicht so sehr von der Pflege. „Wir müssen Allroundtalente sein“, sagt Diana Röß von der IGS Eschersheim. „Herzlichkeit ist wichtig und man muss unerschrocken sein.“

Keine hat bisher den Schritt ins Unbekannte bereut. Zufrieden sind die Frauen mit der Unterstützung der Gesundheitsämter und den ersten Kontakten mit den Kinderärzten. Flotter, sagt eine, könnte die Kommunikation mit den Schulämtern funktionieren. Ende 2018 läuft die Finanzierung des Modellprojekts aus. „Ich hoffe, dass die Energie nicht verpufft“, sagt Carmen Hofmann-Heßler vom Rudolf-Koch-Gymnasium in Offenbach. Sie wünsche sich, dass das Angebot verstetigt wird.

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