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Schulen in Hessen

Hilfe bei Gesundheitsfragen

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Die Finanzierung der zehn Schulkrankenschwestern in Hessen ist für ein weiteres Jahr gesichert. Das Angebot kommt bei Beteiligten wie Experten sehr gut an.

Die Finanzierung der zehn Schulkrankenschwestern in Hessen ist für ein weiteres Jahr gesichert. Wie es danach weitergeht, werde der Landtag entscheiden, sagte Ulrich Striegel, Referatsleiter im hessischen Kultusministerium, am Mittwoch in Frankfurt. Auch bei den aktuellen Koalitionsverhandlungen in Wiesbaden werde darüber gesprochen. 

Geht es nach den Beteiligten, stellt sich überhaupt nicht die Frage nach dem Ob, sondern nur nach dem Wie. Schüler, Lehrer, Eltern: Alle sind begeistert davon, dass im Sommer vorigen Jahres medizinisches Know-how unter dem Dach von zehn Modellschulen in Frankfurt sowie Stadt und Kreis Offenbach Einzug gehalten hat. Das Kollegium fühlt sich von fachfremden Aufgaben entlastet, 42 Prozent der Schüler geben an, das Schulklima habe sich verbessert. Eltern chronisch kranker Kinder sind beruhigt. Und die Fehlzeiten sind zurückgegangen: Mit 85 Prozent hat sich der Anteil jener verdoppelt, die nach einer Behandlung wieder zurück in den Unterricht gingen. Diese und weitere Ergebnisse der Begleitstudie stellte die Charité-Universitätsmedizin Berlin am Mittwoch bei einer Fachtagung vor.

Auch die Experten sind begeistert: „Für die Schulen ist das Angebot nicht mehr wegzudenken“, sagte Dieter Schulenberg, Geschäftsführer der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung. „Wir sind ausgesprochen zufrieden mit dem Ergebnis“, schloss sich der Vertreter des Ministeriums an. Stefan Semkat von der AOK Hessen rückte die Notwendigkeit einer besseren Gesundheitskompetenz in den Mittelpunkt: „Wir haben da ein recht hohes Defizit, das geht durch die gesamte Gesellschaft.“ Schulen könnten die Grundlagen dafür legen, dass Erwachsene sich in Gesundheitsfragen informieren und eigenständig entscheiden können. „Das Projekt hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen.“ Für Antje Tannen von der Charité ist es übertragbar auf Betriebe und Kindertagesstätten: „Das Konzept der Schulgesundheitspflege schließt eine Versorgungslücke zwischen dem Bildungssystem und dem Gesundheitssystem.“

Die Wissenschaftler haben die Dokumentationen der zehn Kräfte ausgewertet, die bis zu 40 Schüler täglich versorgen. An der Spitze der Hitliste stehen akute Beschwerden (54,9 Prozent), gefolgt von Unfällen (27,8 Prozent). Zur Ersten Hilfe kommen Beratung bei körperlichen und psychischen Beschwerden, zu Fragen, wie man gesund bleibt. Auch die Unterstützung von Schülern mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen gehört zum Tätigkeitsspektrum, so wie die zur Ernährung, etwa bei Laktoseintoleranz. Auch mit komplexen Problemen kommen die Schüler: Ritzen, Mobbing, Drogenkonsum. Die Quintessenz der Studie, die auch Rückschlüsse auf das Gesundheitsverhalten der befragten Schüler ermöglicht: Es gibt einen hohen Bedarf an Prävention und Gesundheitsförderung in Schulen. Mitautorin Tannen plädiert deshalb dafür, das Projekt möglichst zeitlich und örtlich auszuweiten: „Eine verlässliche Verfügbarkeit an jedem Wochentag und während der gesamten Schulzeit ist unbedingt erforderlich.“ 

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