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Bei vielen wird das Geld knapp.

Wirtschaft

Ansturm auf Corona-Soforthilfe in Hessen erwartet

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Die hessische Landesregierung rechnet mit mehr als 200.000 Anträgen von Firmen und Selbstständigen. Finanzminister Schäfer richtet einen dringlichen Appell an Brüssel.

Spätestens am Montag soll die Corona-Finanzhilfe für Unternehmen in Hessen anlaufen. Das haben Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden angekündigt.

Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten können Zuschüsse zwischen 10 000 und 30 000 Euro beantragen, die von Bund und Land finanziert werden. Alle Anträge sollen über eine einzige Mail-Adresse eingereicht werden, die von den Ministern noch nicht bekanntgegeben wurde. Al-Wazir und Schäfer baten darum, keine Anträge auf anderen Wegen zu stellen, etwa per Brief oder Fax, da dies die Behörden zusätzlich belasten würde.

Die Landesregierung erwartet einen Ansturm, da die meisten Unternehmen durch die Corona-Krise in Schwierigkeiten gerieten. „Wir rechnen mit weit über 200 000 Anträgen“, sagte Schäfer. Das würde den Bund rund zwei Milliarden Euro kosten, das Land würde „eine knappe Milliarde“ beisteuern. Die Abwicklung übernimmt das Regierungspräsidium Kassel.

Antragsberechtigt sind nach Al-Wazirs Angaben kleine Betriebe, Freiberufler, Solo-Selbstständige sowie Künstlerinnen und Künstler. In anderen Ressorts werde zudem an Unterstützung für weitere Bereiche gearbeitet, etwa für Vereine, berichtete Schäfer. Der Hessische Landtag hatte am Dienstag einen Nachtragshaushalt über zwei Milliarden Euro und weitere Finanzierungsmöglichkeiten für Hilfsprogramme beschlossen und dafür die Schuldenbremse ausgesetzt.

Kleine Unternehmen

245 000 Unternehmen in Hessen arbeiten mit bis zu neun Beschäftigten. Sie können ab Montag eine Soforthilfe von 10 000 Euro (bis fünf Beschäftigte) oder 20 000 Euro (sechs bis zehn Beschäftigte) beantragen.

22 000 Unternehmen in Hessen beschäftigen zwischen zehn und 50 Menschen. Für sie steht eine Soforthilfe von 30 000 Euro bereit. pit

Die Antragsteller müssen versichern, dass sie durch die Corona-Krise einen wirtschaftlichen Schaden erleiden. Das werde „im Nachhinein stichprobenartig überprüft“, sagte Schäfer. Die Anträge würden mit dem Hinweis versehen, „dass Subventionsbetrug in diesem Land strafbar ist“, warnte der Minister.

Wie rasch die Auszahlung klappt, könne man noch nicht sagen. „So schnell es geht“, antwortete Al-Wazir auf eine entsprechende Frage. Er hoffe, dass es „eine Frage von Tagen“ sei.

Bereits ab dem heutigen Donnerstag können kleine und mittlere Betriebe außerdem günstige Darlehen bis zu 200 000 Euro erhalten, damit sie nicht aus Mangel an Liquidität Beschäftigte entlassen oder Insolvenz anmelden müssen. Die „Nachrangdarlehen“ mit einem Zinssatz von 1,25 Prozent werden von der landeseigenen Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen zur Verfügung gestellt. Sie müssen über die jeweilige Hausbank abgewickelt werden.

Finanzminister Schäfer richtete einen dringenden Appell nach Brüssel. Die Europäische Union (EU) müsse ermöglichen, dass der Staat vollständig für Kredite bürge. Bisher müssten Banken mindestens zehn Prozent des Risikos übernehmen, eine Lehre aus der Finanzkrise. Dies erweise sich aber in der Corona-Krise als entscheidendes Hindernis.

Schon am Dienstag im Landtag hatte Schäfer die EU händeringend gebeten: „Springt über euren Schatten und gestattet an dieser Stelle hundertprozentige Staatsgarantien.“

Von Pitt von Bebenburg

Thomas Schäfer ist überraschend gestorben am Samstag, 28.03.2020. Schäfer hatte ein bewegtes Leben und galt als Anwärter für die Nachfolge von Ministerpräsident Volker Bouffier. 

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