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Klein, aber sehr süß: Die Zuckerrüben werden derzeit geerntet.

Landwirtschaft in Hessen

Anhaltende Dürre setzt Landwirten in Hessen zu

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Nach dem heißen Sommer ziehen Hessens Bauern eine magere Erntebilanz. Doch ihre Leidenszeit ist noch nicht vorbei. Der trockene Herbst schädigt den Raps.

Trockenheit und kein Ende: Selbst im Oktober ziehen die Traktoren auf den Feldern noch große Staubwolken hinter sich her. Der ausgesäte Raps sei bereits geschädigt, sagt der Generalsekretär des Hessischen Bauernverbands (HBV), Peter Voss-Fels, am Donnerstag in Lampertheim im Kreis Bergstraße. Andernorts werde auf den Anbau der Ölfrucht komplett verzichtet. Gelbe Flächen in der Landschaft könnten demnach im nächsten Frühjahr seltener zu sehen sein. Eigentlich wäre es nun an der Zeit, Gerste und Weizen in den Boden zu bringen. Doch die meisten Kollegen zögerten. „14 Tage haben wir noch Luft“, sagt der Generalsekretär und verbreitet Zuversicht: „Noch ist es nicht zu spät.“

Die Dürre hat die hessischen Bauern gebeutelt. Doch sie sind mit einem blauen Auge davongekommen. Mit einer Gesamterntemenge von knapp 1,8 Millionen Tonnen ernteten sie 14,4 Prozent weniger Getreide als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Doch 2012 waren es mit 1,73 Millionen Tonnen noch weniger. Damals hatte später Frost Weizen und Wintergerste erwischt. Bei fast allen Kulturen habe es deutliche Einbußen gegeben, so Voss-Feld. Einzig die Obstbauern sind hochzufrieden: Wie die Weinreben trugen die tief wurzelnden Bäume der Kirschen und Äpfel üppig Früchte.

Die Kartoffeln sind kleiner als üblich. Die Zuckerrübe ebenfalls. Der „gigantische“ Zuckergehalt von 20 Prozent könne das nicht aufwiegen. Normal sei 16 Prozent. „Das wird ein Minusgeschäft“, sagt Voss-Feld und erwähnt als Trost noch etwas Positives: „Profiteure sind die Bienen. Die haben einen Superertrag.“

Und insgesamt lohne sich die Landwirtschaft nach wie vor. „Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2017/2018 ist der durchschnittliche Gewinn je Familienarbeitskraft in hessischen Betrieben von 38 634 Euro auf 43 629 Euro und damit um knapp 13 Prozent angestiegen.“ Davon gingen Sozialversicherungsbeiträge, Steuern und Nettoinvestitionen ab. Auch verlaufe die Gewinnentwicklung in den einzelnen Betrieben uneinheitlich. Während die Preise für Milch stiegen, gebe es im Schweine- und Geflügelsektor eine gegenläufige Entwicklung.

Viele Rinderhalter hätten wegen der Trockenheit zukaufen müssen, sagt der Generalsekretär. In Hessen fehlten mehr als die Hälfte des sonst verfügbaren Grundfutters.

Betroffene können Mittel aus dem sogenannten Dürrehilfsprogramm beantragen. Für Hessen stünden insgesamt 17,8 Millionen Euro zur Verfügung, teilt das Umweltministerium auf FR-Anfrage mit. Jeweils die Hälfte kommt vom Land und vom Bund. Hilfeberechtigt seien einzig Betriebe, die durch die Dürre im Sommer in Existenznot geraten seien und die Verluste nicht aus eigener Kraft ausgleichen könnten. „Wir rechnen deshalb lediglich mit einigen Hundert Betrieben, die die bundeseinheitlich sehr hoch gesteckten Voraussetzungen für die Hilfszahlungen erfüllen können“, sagt Ministerin Priska Hinz (Grüne). Voss-Fels mag keine Prognosen abgeben, wie viele Betriebe die Hilfe beantragen: Der bürokratische Aufwand sei enorm und nicht jeder sei bereit, das komplette Privatvermögen der Familie offenzulegen.

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