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Gegen Multiresistente Erreger sind gegen die meisten Antibiotika unwirksam.

Gesundheit an Schulen

Angst vor den „Killerkeimen“ in Hessen

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Ein Netzwerk will Lehrern die Furcht vor Multiresistenten Erreger nehmen. Denn die Schulen weisen Kinder mit Kathetern häufig ab.

Die Unsicherheit an hessischen Förderschulen ist groß. So groß, dass sie aus Furcht vor Multiresistenten Erregern (MRE) die Aufnahme von Kindern sogar ablehnen, sagt Ursel Heudorf, Vorsitzende des MRE-Netzes Rhein-Main. Die Furcht vor den „Killerkeimen“ sei unberechtigt. „Schule ist kein Risikofaktor.“ Schwerst- und mehrfach beeinträchtigte Kinder, die mit Kathetern versorgt seien, könnten bedenkenlos unterrichtet werden. Eine Gefahr für Mitschüler gehe von ihnen nicht aus. Für einen gesunden Körper bestehe kein Ansteckungsrisiko.

Ein „Musterhygieneplan für Förderschulen“ soll die Unsicherheiten beseitigen. Das MRE-Netz hat ihn mit Vertretern von Fördereinrichtungen und Experten erstellt. Nach Abstimmung mit den zuständigen Landesministerien soll er als Erlass für die Schulen herausgegeben werden. Es geht darum, die Kollegien aufzuklären, um zu einem besseren Umgang mit den betroffenen Kindern zu kommen sowie übertriebene und einschränkende Maßnahmen zu vermeiden, sagt Heudorf. „Das ist mir als Kinderärztin ein großes Anliegen.“

Vor neun Jahren hat die inzwischen pensionierte Vize-Chefin des Frankfurter Gesundheitsamts das MRE-Netzwerk Rhein-Main gegründet, als erstes von insgesamt nunmehr drei in Hessen. Mehr als 300 000 Flyer sind seitdem verteilt worden, viele Ärzte und Pflegekräfte fortgebildet. Zum Jahrestag treffen sich die Mitglieder am heutigen Mittwoch in Frankfurt. Nicht nur, um neue Mitstreiter zu begrüßen, denn das Netz wächst ständig. Zwei Vorträge thematisieren den sachgerechten Antibiotika-Einsatz – mit Fokus auf den Umgang mit Harnwegskathetern. Ein Thema mit großer Bedeutung, speziell in der Versorgung von Älteren und Pflegebedürftigen.

Und ein wichtiges, sagt Heudorf: „Nur bei verantwortungsvollem Einsatz von Antibiotika kann die weitere Resistenzentwicklung von Bakterien vermindert werden.“ Mit Flyern klärt das Netzwerk Patienten darüber auf. Die Weiterbildung der Ärzte soll fortgesetzt werden – mit Unterstützung von Landesärztekammer, Kassenärztlicher Vereinigung und hessischem Sozialministerium. Anstrengungen, die sich lohnen, sagt Heudorf: In Deutschland sei die Zahl der gemeldeten MRSA-Fälle rückläufig. „Im Ländervergleich steht Hessen recht gut da.“ Und der Gebrauch jener Antibiotika, die besonders häufig Resistenzen auslösen, sei zurückgegangen: an Frankfurter Kliniken, aber auch an anderen in Hessen.

Multiresistente Erreger

Zu den Multiresistente Erregern (MRE) gehören MRSA, VRE, ESBL, MRGN.  Die Europäischen Gesundheitsbehörde nennt sie die bedeutendste Krankheitsbedrohung in Europa. Die Rate der Infektionen zugenommen. 

Jährlich erwerben rund drei 3 Millionen Menschen in Europa eine Krankenhausinfektion mit etwa 50.000 Toten. 

Das MRE-Netzwerk Rhein-Main vereinigt neun Gesundheitsämtern, stationäre Einrichtungen wie Klinken oder Altenheime sowie ambulante Anbieter, etwa Pflegedienste oder Rettungsdienste in der Region zwischen Rheingau und Main-Kinzig-Kreis.
http://www.mre-rhein-main.de

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