+
Innenminister Peter Beuth bei Polizei

Umfrage

Sinkende Kriminalität, steigendes Gefühl der Unsicherheit

  • schließen

Eine Umfrage ergibt: Bürger meiden bestimmte Gebiete. Hessens Innenminister Beuth bietet den Kommunen Hilfe an. 

Viele Menschen meiden bei Dunkelheit bestimmte Gebiete ihrer Stadt, weil sie sich dort unsicher fühlen. Das geht aus repräsentativen Umfragen in mehreren hessischen Städten hervor, die von der Gießener Kriminologin Britta Bannenberg am Donnerstag im Wiesbadener Innenministerium vorgestellt wurden. Dort beschäftigten sich Vertreter von Polizei, Politik, Kommunen und Wissenschaft mit der Frage, wie das Sicherheitsgefühl gestärkt werden könne.

Nach Bannenbergs Befragung meidet im Durchschnitt ungefähr jede und jeder dritte Befragte bestimmte Orte, wenn es dunkel wird. In Weiterstadt war die Zahl mit 24 Prozent noch relativ niedrig. Am höchsten lag sie im mittelhessischen Neustadt (Landkreis Marburg-Biedenkopf) mit 52 Prozent. Die Professorin präsentierte Ergebnisse aus sechs Kommunen, die am „Kompass“-Programm des Landes teilnehmen.

Angst vor dunklen Unterführungen

In insgesamt 42 „Kompass“-Kommunen sucht die Polizei gemeinsam mit Verantwortlichen vor Ort Lösungen – zum Beispiel die Umgestaltung dunkler Unterführungen, die Installation von Videoüberwachung oder mehr Polizisten auf der Straße. Nach Beuths Worten haben rund 100 weitere Kommunen Interesse gezeigt, sich zu beteiligen. Die hessische Landesregierung wolle nicht nur die Kriminalität bekämpfen, sondern den Menschen auch ein besseres Sicherheitsgefühl geben.

Beides gehört nach Beuths Worten nämlich nicht automatisch zusammen. Zwar sei die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten in Hessen so niedrig wie nie seit 40 Jahren. Trotzdem äußere eine große Mehrheit der Bevölkerung Sorgen, sie könnten Opfer von Kriminalität werden.

Angst vor Pöbeleien

Bei den Umfragen von Bannenberg und ihrem Team zeigte sich, dass viele Menschen befürchten, sie könnten auf der Straße angepöbelt werden. In der Party-Hochburg Willingen ist diese Sorge besonders verbreitet – dort stimmten 41 Prozent zu.

Angst vor sexuellen Angriffen gaben je nach Kommune drei bis 14 Prozent der Befragten an. Bei Körperverletzung waren es vier bis 14 Prozent, bei Raub acht bis 22 Prozent, und vor Einbrüchen fürchteten sich 14 bis 27 Prozent.

Schutz durch Reizgas, Messer oder andere Waffen

Die Angst vor Terroranschlägen hing offenbar weniger mit dem Ort als mit dem Zeitpunkt der Erhebung zusammen. In Willingen wurde nach Bannenbergs Angaben gefragt, während dort der Weihnachtsmarkt mit Betonpollern abgesperrt war. Prompt äußerten elf Prozent der Menschen Furcht vor einem Terroranschlag, während es in anderen hessischen Kommunen zu anderen Zeitpunkten zwei bis sechs Prozent gewesen seien.

Die Gießener Kriminologen fragten auch, ob die Menschen Reizgas, Messer oder andere Waffen bei sich trügen, um sich zu schützen. Zwischen sechs und 16 Prozent gaben an, dass sie sich Reizgas, Elektroschocker oder ähnliches dafür besorgt hätten. Messer sind dagegen nur bei ein bis zwei Prozent der Menschen im Umlauf – und zwar keineswegs vor allem bei jungen Männern, wie man vermuten könnte, sondern bei „Männern um die 50“, wie Bannenberg erläuterte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare